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Einen entsprechenden Beschluss hat das Bundeskabinett gefasst. Laut der Zehnten Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (10. BImSchV) muss das neue Benzin an den Zapfsäulen deutlich gekennzeichnet werden, und zwar durch den Namenszusatz "E10", also beispielsweise "Super E10".
Mit der Zulassung ist laut Bundesregierung wegen der geltenden Biokraftstoffquoten zu erwarten, dass E10 künftig E5 als Standardkraftstoff für Ottomotoren ablöst.
Bundesrat muss zustimmen
Seit diesem Jahr gilt für die Mineralölindustrie in Deutschland eine am Energiegehalt ausgerichtete Biokraftstoffquote von 6,25 Prozent, woran sich bis 2015, wenn auf eine Klimaschutzquote umgestellt wird, auch nichts ändern soll. Gleichzeitig ist laut den derzeit noch geltenden Vorschriften die Beimischung aber auf einen energetischen Anteil von 6,4 Prozent Biodiesel und 3,3 Prozent Bioethanol beschränkt. Mit der Verdopplung der Bioethanolbeimischung auf einen energetischen Anteil von 6,5 Prozent erhält die Ölindustrie mehr Spielraum. Den Abschluss des Gesetzesverfahrens zur Zulassung von E10, an dem der Bundesrat beteiligt ist, erwartet Bundesumweltminister Norbert Röttgen bis spätestens Mitte Dezember.
Geringerer Energiegehalt
Für die Verbraucher ändert sich mit dem neuen Kraftstoff einiges. Wegen des geringeren Energiegehaltes des Agraralkohols müssen Ethanolnutzer etwas öfter zur Tankstelle. Der Heizwert von reinem Bioethanol liegt mit 7.411 kWh/t sogar um mehr als 35 Prozent niedriger als beim Benzin mit 12 039 kWh/t. Mit der Erhöhung des Ethanolanteils im fossilen Ottosprit wird der Agraralkohol durch die entsprechende Kennzeichnung erstmals auch an der Zapfsäule sichtbar, von dem bisher ein Schattendasein führenden E85 einmal abgesehen.
90 Prozent der Pkw können E10 tanken
Etwa 90 Prozent aller benzinbetriebenen Pkw könnten E10 ohne Einschränkungen tanken. Neufahrzeuge seien in der Regel E10-tauglich, betonte das Bundesumweltministerium und empfahl, sich vor dem ersten Betanken mit E10 zu vergewissern, dass das Fahrzeug E10 vertrage. Eine Liste E10-verträglicher Fahrzeuge sei ab Mitte November auf der Internetseite der Deutschen Automobil Treuhand unter www.dat.de/e10 zu finden. Alle nicht nachgewiesen E10-verträglichen Fahrzeuge sollten ausschließlich die bisherigen Benzinsorten tanken. Die Kraftstoffanbieter seien verpflichtet, diese weiterhin anzubieten.
Kein Widerstand vom ADAC
Einen Vorstoß zur Erhöhung der Beimengung von Ethanol im Ottokraftstoff hatte es schon einmal vor rund drei Jahren mit der "Roadmap Biokraftstoffe" gegeben. Aufgrund von Widerstand aus der Öl- und Automobilindustrie war das E10-Ziel dann aber zwischenzeitlich aufgegeben worden. Geltend gemacht worden war von Skeptikern die mögliche E10-Unverträglichkeit älterer Pkw-Modelle, von denen nicht zuletzt durch die Abwrackprämie im vergangenen Jahr aber mittlerweile viele vom Markt verschwunden sind. Auch der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) steht Biokraftstoffen mittlerweile aufgeschlossen gegenüber.
E10 verbessert Nachhaltigkeit
Gemeinsam mit Röttgen betonte ADAC-Präsident Peter Meyer in einer Presseinformation, ein wirksamer Klimaschutz sei nur möglich, wenn alle Bereiche des täglichen Lebens einen Beitrag lieferten. Dies gelte auch für Kraftstoffe. Biokraftstoff werde aus Pflanzen gewonnen, die aus nachhaltigem Anbau stammten, so Röttgen und Meyer mit Blick auf die zum Jahresende in Kraft tretenden deutschen Nachhaltigkeitsvorschriften, die sich auf die EU-Richtlinie zu erneuerbaren Energien gründen und Mindest-Treibhausgaseinsparungen für Biosprit vorgeben. Röttgen und Meyer forderten eine durch Offenheit und Transparenz gekennzeichnete „verbraucherfreundliche Einführung“ von E10. Diese dürfe nicht zur allgemeinen Anhebung der Benzinpreise genutzt werden.
Verteuerung an der Börse
Der Preis für Bioethanol an den Märkten hat sich in den vergangenen Wochen im Zuge des steilen Anstiegs der Getreidenotierungen deutlich erhöht. Der November-Kontrakt für Ethanol ging an der Börse in Chicago mit 2,32 US-Dollar (1,65 Euro) aus dem Handel, das waren rund 25 Prozent mehr als Anfang des Monats und 45 Prozent mehr als im August. In den USA wird der Agraralkohol aus Mais gewonnen, der sich im Zuge von nach unten korrigierten Ernteschätzungen ebenfalls stark verteuert hat. In den Vereinigten Staaten hatte zudem die Umweltbehörde (EPA) kürzlich für neuere Pkw-Modelle grünes Licht für die Beimischung von bis zu 15 Prozent Ethanol zum Benzin gegeben. Für den Weltmarktpreis ist allerdings das billigere brasilianische Ethanol auf Zuckerrohrbasis maßgeblich. Wegen der hohen Zölle für Ethanol in der Europäischen Union spielen die Weltmarktpreise für hiesige Anbieter aber nur eine untergeordnete Rolle. Wichtigster Rohstoff für Bioethanol sind in Deutschland Weizen, Roggen und Zuckerrüben.
Preiserhöhung nicht auszuschließen
Eine Preiserhöhung des Ottokraftstoffs mit 10 Prozent Ethanol im Vergleich zum jetzigen Preis für Ottokraftstoff ist laut Bundesregierung nicht auszuschließen, da Bioethanol im Vergleich zum mineralölstämmigen Kraftstoff teurer in der Herstellung sei. Zudem müsse gegebenenfalls der Grundkraftstoff, zu dem biogene Anteile hinzugemischt werden, aufgrund der gleichbleibenden technischen Anforderungen an E10-Kraftstoff gegenüber dem bisherigen Grundkraftstoff für E5 verändert werden. In Deutschland waren die Qualitätsanforderungen für E10 in der Norm E DIN 51626-1 kürzlich festgelegt worden.
"Deutlicher Impuls für den Markt"
Begrüßt wurde der Kabinettsbeschluss von der Biokraftstoffwirtschaft. "Jeder Autofahrer kann jetzt einen verstärkten Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem er E10 tankt", erklärte der Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB), Elmar Baumann. Die Gefahr höherer Preise für Benzin durch E10 bestehe nicht, da durch die Beimischung von 10 Prozent Ethanol Kosten von deutlich weniger als ein Cent pro Liter Benzin entstünden. Der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe) geht durch E10 von einem "deutlichen Impuls für den Markt" aus.
Produktionssteigerung erwartet
BDBe-Geschäftsführer Dietrich Klein rechnet mit erheblichen Produktionssteigerungen in den kommenden Jahren, nachdem 2009 in Deutschland rund 600.000 Tonnen Bioethanol hergestellt worden waren. "Mit der Erhöhung der Beimischung ist für die Bioethanolhersteller eine wichtige Voraussetzung erfüllt worden, um weiter zu investieren und die Produktionskapazitäten auszuweiten", betonte das Vorstandsmitglied des Bioethanolherstellers CropEnergies, Dr. Lutz Guderjahn, dessen Unternehmen in Zeitz und im belgischen Wanze Agrarsprit für die Tanks erzeugt.
Anbaufläche auf rund 240.000 Hektar beziffert
Zufrieden mit dem Kabinettsbeschluss zeigte sich der Deutsche Bauernverband (DBV), der in der Markteinführung von E10 eine wichtige Etappe sieht, um das energie- und klimapolitische Ziel von 10 Prozent Biokraftstoffen bis 2020 praktisch umzusetzen. Aus Sicht der Landwirtschaft sei es wichtig, neben dem bewährten Standbein Biodiesel auch Bioethanol weiter auszubauen. Laut Angaben der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) seien in diesem Jahr auf etwa 940.000 Hektar Raps für Biodiesel und Pflanzenöl angebaut worden. Die heimische Anbaufläche von Getreide und Zuckerrüben für Bioethanol habe etwa 240.000 Hektar betragen. Der DBV wies auch auf die bei der Biokraftstoffproduktion anfallenden wertvollen Futtermittel hin, was die Nachhaltigkeit der Erzeugung am Standort Deutschland unterstreiche.
Problem der Motorenunverträglichkeit ausgeräumt
Auf ein wohlwollendes Echo stieß der Kabinettsbeschluss auch beim umweltpolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Kauch. Die Koalition bringe mit ihren Entscheidungen die umweltfreundliche Mobilität voran. Durch die klare Kennzeichnung von E10 sei das Problem der Motorenunverträglichkeit bei alten Autos ausgeräumt. Kauch wies auf Planungen der Koalition zur Kennzeichnung von Elektroautos hin. Auf dieser Grundlage könnten dann Kommunen den Elektroautos Privilegien wie gesonderte Parkplätze, bevorzugte Zufahrt von Lieferfahrzeugen in Fußgängerzonen und die Nutzung von Busspuren einräumen.
NABU: Landnutzungsänderungen berücksichtigen
Für den falschen Kraftstoff zum falschen Zeitpunkt hält hingegen der Naturschutzbund Deutschland (NABU) E10. Die Öko- und Klimabilanz von Ethanol aus zucker- oder stärkehaltigen Pflanzen sei äußerst umstritten. Die Umwandlung von Wald, Weide oder Brachland in Ackerland könne dazu führen, dass deutlich mehr Kohlendioxyd freigesetzt als später durch Biokraftstoffe eingespart werde, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Die EU-Kommission diskutiere derzeit intensiv über die negativen Folgen sogenannter Landnutzungsänderungen für die Klimaschutzpolitik. Schon jetzt bestünden große Zweifel, ob Ethanol und Biodiesel zur Senkung des Kohlendioxydausstoßes im Verkehr überhaupt helfen könnten. Je höher die Zielvorgaben im Kraftstoffsektor, umso höher die zu erwartenden Eingriffe in die Natur, warnte der NABU. (AgE)

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