Mittwoch, 23.05.2012
EHEC-Gespräche: Mehr Geld vorerst nur zur Absatzförderung
Luxemburg - Ob die EU ihr Hilfspaket für Gemüseerzeuger, die von der EHEC-Krise betroffen sind, noch einmal aufstockt, bleibt ungewiss. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos will erst einmal abwarten.
Vor allem Landbesitzer, nicht die Landwirte selbst, profitieren nach Ansicht des Professors von den Direktzahlungen.
© Mühlhausen/landpixel
Dacian Cioloş schloss einen solchen Schritt beim gestrigen Agrarrat zwar nicht kategorisch aus, will aber erst einmal abwarten. Vor Mitte Juli, wenn die Einreichungsfrist für Schadensmeldungen im Zusammenhang mit dem Topf von 210 Millionen Euro bereits zugesagter Mittel abläuft, dürfte sich von Seiten der Kommission nichts bewegen. Die Mitgliedstaaten rief der Kommissar auf, im Zweifelsfall die Möglichkeit von Staatsbeihilfen zu erwägen. Die wiederum müssen allerdings von der Brüsseler Behörde erst genehmigt werden.
Mehr Geld für Gemüse-Absatzförderung
Ein kleines Bonbon hatte Cioloş immerhin dabei: Die EU-Mittel für die
Absatzförderung betroffener Gemüsearten sollen 2011, 2012 und 2013 um
jeweils fünf Millionen Euro auf 15 Millionen Euro jährlich aufgestockt werden.
Ferner
beschleunigt die Brüsseler Behörde das Genehmigungsverfahren:
Projektanträge für Absatzförderprogramme, die bei den Mitgliedstaaten
bis zum 15. September eingereicht werden, können prinzipiell bereits zum
15. November grünes Licht erhalten.
Marktlage entspannt sich
Cioloş wies gegenüber den Ministern darauf hin, dass sich die Marktlage
seit dem Höhepunkt der Krise bereits deutlich entspannt habe. In der
Woche zum 19. Juni hätten die Preise für fast alle betroffenen Produkte
deutlich zugelegt. Er nannte ein Plus von
- 40 Prozent (%) für Gurken,
- 11 % für
Tomaten und
- jeweils 8 % für Paprika und Zucchini.
An Blattsalaten
ging diese Entwicklung jedoch vorbei: Laut Cioloş fiel der
Durchschnittspreis im Wochenvergleich um 19 Prozent.
Auch wenn man noch nicht
davon sprechen könne, dass sich das Verbraucherverhalten komplett
normalisiert habe, kehre das Vertrauen doch zurück, so der Kommissar.
Unregelmäßigkeiten in spanischer Schadensbilanz
Gleichzeitig stellte er fest, es sei wider Erwarten bislang nicht
möglich, eine Bilanz über die tatsächlich vom Markt genommenen oder
nicht geernteten Gemüsemengen zu ziehen. In den Daten einiger
Mitgliedstaaten seien Unregelmäßigkeiten gefunden worden, deren Quelle
man aufspüren und beseitigen müsse.
Damit spielte Cioloş offenbar unter
anderem auf Spanien an. Dem Vernehmen nach gibt es Zweifel, dass die
spanischen Erzeuger tatsächlich so hohe Verluste einfuhren, wie zu
Beginn der Krise behauptet wurde. Die spanische
Landwirtschaftsministerin Rosa Aguilar hatte die Einbußen Ende
Mai nach einem Gespräch mit Branchenvertretern auf 200 Millionen Euro pro
Woche beziffert.
AgE/pd
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