Mittwoch, 23.05.2012
Regenreiches Ernteende in Brandenburg
Teltow - Rekordniederschläge in Juli und August verhinderten an vielen Orten das Vorankommen der Ernte. Zum Teil stehen immer noch druschreife Bestände auf den Feldern.
Vor allem im Juli und Anfang August fielen Rekordniederschläge in Brandenburg.
© landpixel.de
In der Prignitz und der Uckermark stehen heute noch druschreife Bestände.
Die Erntebedingungen waren zum Erntestart Ende Juni schon ungünstig und ließ nur eine mäßige
Getreideernte erwarten. Bis Anfang Juli fehlten vielerorts noch 100 mm Niederschlag. Gerade auf den leichten Standorten im Süden und Osten Brandenburgs verschärfte die Frühjahrstrockenheit im April/Mai die Situation. Der Wassermangel zeichnete die Bestände.
Die
Gerste ging schon sehr früh in die Notreife und deshalb begann die Ernte oft vorfristig schon Ende Juni statt normalerweise Anfang Juli. Einige Bestände wurden gemäht und später siliert. Die nachfolgende
Rapsernte konnte ebenfalls nicht überzeugen.
Bei Weizen, Triticale und Roggen stand noch bis Mitte August die Hälfte auf dem Halm.
Pilzkrankheiten beeinflussen Qualität
Die Feuchte im Bestand behindert nicht nur den Drusch, sondern
begünstigt auch die Ausbreitung von Pilzkrankheiten, was die Qualität
negativ belastet. In vielen Beständen wurde bereits Durchwuchs bzw.
Auswuchs beobachtet.
Von Brandenburger Feldern wurden in diesem Jahr nur 1,85 Millionen Tonnen Getreide
geerntet, dass sind 450.000 Tonnen weniger als im Vorjahr. Mit einem
mittleren Getreideertrag von 41,5 Dezitonnen je Hektar (dt/ha) liegt die Druschernte 2011 circa
14 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Die Roggenerträge bleiben 22 prozent unter dem Vorjahresergebnis, die
Weizenerträge 14 Prozent und bei Triticale sind es noch 11 Prozent weniger als vor
einem Jahr. Die Brandenburger Landwirte haben fast eine Tonne weniger
pro Hektar geerntet als noch vor einem Jahr.
Preise für Druschfrüchte wieder auf Talfahrt
Die Preise für Druschfrüchte sind seit dem Erntestart von ihrem
Rekordhoch wieder zurück auf Talfahrt gegangen. Gute Ernten im
Schwarzmeerraum, in Frankreich und Kanada drücken auf die
Erzeugerpreise. Hinzu kommt, dass Russland sein Exportverbot für
Getreide wieder gelockert hat. Auch erschwert der starke Euro derzeit
die Exporte aus der EU.
Trotzdem liegen die Preise derzeit noch etwas über dem Vorjahresniveau.
Für Wintergerste erzielt man derzeit im Brandenburger Durchschnitt 17,50
Euro je Dezitonne (€/dt) erzielt (Vorjahr: 14,50 €/dt). Ähnlich stellt sich die Situation
bei Futterweizen 17,50 €/dt (Vorjahr: 16,50 €/dt), Brotroggen 17,00 €/dt (Vorjahr:
14,00 €/dt) und Triticale 17,00 €/dt (Vorjahr: 14,50 €/dt) dar. Beim Raps
kostete eine Dezitonne vor einem Jahr noch 35,00 €, zur neuen Ernte sind
es 42,00 €.
Die durchschnittlichen Ernteaussichten weltweit, so meint der LBV,
lassen die
Getreidepreise auch in den nächsten Monaten auf diesem Niveau
verharren. Schon das zweite Jahr in Folge mit erheblichen
Ertragsausfällen setzt vielen Betrieben zu. Das Weniger bei den Erträgen
wird durch die positiven Preise zwar wieder etwas aufgefangen, wären da
nicht die ebenfalls gestiegenen Kosten.
Weiter steigende Kosten für Betriebsmittel
Die Preise für Betriebsmittel
wie Saatgut und
Dünger zogen wieder deutlich an. Gerade deutsche
Schweineveredler - die hier ihr Futtergetreide kaufen - können derzeit
nicht kostendeckend produzieren.
Kritisch ist die Situation auf den Wiesen und Weiden. Die Menge und die
Qualität des Grünfutters ist im Keller. Die Futtersituation spitzt sich
zu. Vor zwei Wochen hat der LBV deshalb eine Futterbörse eingerichtet.
Um solche Missstände in der Zukunft besser händeln zu können, fordert
der LBV von der Politik die Schaffung des steuerlichen Instruments der "Risikoausgleichsrücklage" für Landwirte. Damit kann in guten Zeiten
Geld für schlechte Zeiten zurückgelegt werden und Ertragsschwankungen
abgepuffert werden.
- Durchschnittliche Niederschlagsmengen in Brandenburg. mehr...
- Aktueller Erntestand in Brandenburg. mehr...
Podcast: "Mit einem blauen Auge davon gekommen"
Getreide und Raps sind soweit vom Acker. Wie sich das schwierige Erntejahr auf Qualitäten und Preise auswirkte, darüber sprachen wir mit Guido Seedler vom Deutschen Raiffeisenverband. anhören...
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