Ribbeck - Bei strahlendem Sonnenschein hat Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner heute offiziell den Ernteauftakt eingeläutet. Trotz des Regens in den vergangenen Tagen ist mit Ertragseinbußen zu rechnen.
Sowohl Getreidekulturen als auch die Rapsbestände haben vielerorts unter den schwierigen Vegetationsbedingungen gelitten, informierte Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner.
© dbv
An die 30 Pressevertreter waren heute auf dem 800 Hektar Betrieb in Ribbeck zu Gast, um beim offiziellen Ernteauftakt dabei zu sein. In vollem Gange ist die Ernte dort jedoch noch nicht: Vergangenes Wochenende fielen um die 60 Liter Regen pro Quadratmeter, Drescher hinterlassen ihre Abdrücke auf den Feldern und die
Gerste ist teilweise noch nicht ganz abgereift.
"Wir müssen uns trotz der Niederschläge der letzten Wochen auf teils deutliche
Ertragseinbußen einstellen", betonte Bauernverbandspräsident Gerd
Sonnleitner heute in Brandenburg anlässlich des
Ernteauftaktes. Zusammen mit dem Präsidenten des Landesbauernverbandes Brandenburg,
Udo Folgart, informierte er "vor Ort" über die aktuelle Situation zu Beginn der Ernte 2011.
Die Getreidekulturen wie die Rapsbestände haben unter den vielerorts schwierigen
Vegetationsbedingungen gelitten. Bereits die Aussaatbedingungen im vergangenen Herbst
waren alles andere als optimal. Vor allem die Rapsaussaat wurde durch zu nasse
Witterungsverhältnisse behindert und erfolgte dementsprechend spät. Die Bestände konnten
sich folglich vor Beginn des Winters nur unzureichend entwickeln.
Der kalte Winter mit
Kahlfrösten und Wechselfrösten im Frühjahr stellte die Bestände auf eine weitere harte
Probe. Da somit viele Bestände weit hinter dem normalen Entwicklungsstand zurückblieben,
wurden vor allem Rapsflächen umgebrochen. Allein in den norddeutschen Bundesländern,
die zu den bedeutendsten Rapsanbauregionen Deutschlands gehören, wurden im Frühjahr
bis zu 15 Prozent der Rapsflächen umgebrochen.
Das sich anschließende Frühjahr war gekennzeichnet durch eine extreme Trockenheit bei
hochsommerlichen Temperaturen. "Derart extremen Bedingungen waren unsere Kulturen
selbst in den Jahren 1976 und 2003 nicht ausgesetzt", stellte Gerd
Sonnleitner mit Blick auf
die zurückliegenden Jahre fest. "Diese Trockenheit wird uns viel Ertrag kosten", so
Sonnleitner weiter.
Erste aus den Frühdruschgebieten vorliegende Ergebnisse der Wintergerstenernte
bestätigen dies; Mindererträge von bis zu 25 Prozent wurden festgestellt. Dies entspricht
einem Verlust von bis zu zwei Tonnen
Gerste pro Hektar. Selbst wenn einzelne Regionen von
Gewitterschauern profitiert haben, werden Ertragseinbußen von zehn bis 15 Prozent gemeldet.
Hinzu kommt, dass die Gerstenbestände aufgrund der Trockenheit vielerorts in die Notreife,
das heißt eine vorzeitige Abreife anstelle einer weiteren Kornfüllung, gingen und nun mit einer
kleinkörnige Ernte zu rechnen ist.
Auch in den nördlichen Regionen, in denen der
Erntebeginn noch bevorsteht, wird mit Ertragseinbußen bei der Wintergerste gerechnet.
Auch hier war die Entwicklung der Gerstenbestände bei Einsetzen der Niederschläge schon
zu weit vorangeschritten.
Lediglich der Winterweizen könnte durch die Niederschläge im Juni während der für die
Ertragsbildung wichtigen Kornfüllungsphase an Ertrag zugelegt haben. Dies gilt umso mehr
auf den besseren Standorten, da sich diese Böden durch eine bessere
Wasserspeicherkapazität auszeichnen und die Bestände somit weniger unter der
Trockenheit gelitten haben.
Allgemein ist jedoch zu beobachten, dass die Weizenbestände
aufgrund von Wasser- und Nährstoffmangel weniger ährentragende Halme ausgebildet
haben.
Raps: Einbußen bis zu 50 Prozent
Deutliche Ertragseinbußen werden auch bei Raps befürchtet. In einzelnen Regionen werden
Ertragsrückgänge von bis zu 50 Prozent erwartet. Im Bundesdurchschnitt ist derzeit von
Mindererträgen von 15 Prozent auszugehen.
Unter Berücksichtigung der durch schlechte
Aussaatbedingungen und Umbruch im Frühjahr auf 1,36 Millionen Hektar zurückgegangenen
Anbaufläche ist mit einer deutschen
Rapsernte von nur 4,4 Millionen Tonnen zu rechnen. Im
Vorjahr betrug die gesamtdeutsche
Rapsernte noch 5,7 Millionen Tonnen.
Mais holt in der Entwicklung auf
Positiv ausgewirkt haben sich die jüngsten Niederschläge auf die Entwicklung von
Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais. Insbesondere der Mais konnte durch die feucht-warme
Witterung der vergangenen Wochen in seiner Entwicklung aufholen. Für die
Futterbaubetriebe, deren Grundfutterversorgung aufgrund des ertragsschwachen ersten
Grünlandschnittes und des geringen Aufwuchses zum zweiten Schnitt äußerst knapp
ausfällt, ist eine positive Ertragsentwicklung beim Mais dringend notwendig.
Mit Blick auf die anlaufende
Getreideernte suchen Landwirtschaft, Handel und Verarbeiter die richtige Vermarktungs- bzw. Einkaufsstrategie. Die Ausgangssituation ist zu Beginn des neuen Wirtschaftsjahres vor allem aus Sicht der Abgeber schwierig, denn trotz stetig nach unten korrigierter Ernteprognosen für Deutschland und Europa stehen die
Getreidepreise seit Wochen unter Druck. Baisse-Impulse kommen vor allem vom Weltmarkt, wo sich die Einschätzungen hinsichtlich der Versorgungssituation in den vergangenen Wochen stark gewandelt haben.
USDA und IGC korrigieren Prognosen nach oben
Ein Beispiel hierfür lieferte in dieser Woche das US-Landwirtschaftsministerium mit seiner Flächen- und Bestandsprognose für Mais. So veranschlagte das Ministerium nicht nur die US-Maisvorräte zum 1. Juni gut neun Millionen Tonnen höher als erwartet, sondern bewegte sich auch mit seiner Flächenschätzung deutlich über den Annahmen der meisten Marktteilnehmer. Zwar sind Zweifel angebracht, ob diese Schätzung die Realität treffend darstellt - immerhin erfolgte die Erhebung zu einem Zeitpunkt, als die Aussaat noch in vollem Gange war - der Wirkung auf die Märkte tat dies jedoch keinen Abbruch: die Getreidekurse sackten erneut kräftig ab. Mit seiner positiveren Einschätzung zum globalen Getreideangebot steht das USDA zudem nicht allein. Auch der Internationale Getreiderat (IGC) korrigierte seine Prognosen jüngst deutlich nach oben.
Mittelfristiger Preisanstieg wahrscheinlich
An diesen Einschätzungen dürften die Märkte noch eine Weile zu knabbern haben, so dass ein nachhaltiger Preisanstieg vorerst nicht in Sicht ist. Mittelfristig könnte sich dies jedoch wieder ändern - vor allem dann, wenn sich die optimistischen Prognosen doch nicht in vollem Umfang bewahrheiten. Zudem sollte man nicht vergessen, dass die globalen Getreidemärkte in diesem Wirtschaftsjahr nach wie vor auf eine defizitäre Versorgungssituation hinsteuern.
Wir waren für Sie beim offiziellen Erntestart dabei. Ein Video davon sehen Sie morgen auf agrarheute.com.
Special zur Ernte 2011
Die diesjährige Anbausaison war von Anfang an schwierig: Bei der Aussaat
war der Boden vielerorts zu nass, Spätfröste, Frühjahrstrockenheit ...
Zwischenzeitlich fiel endlich Regen. Aber kam er noch rechtzeitig? Mit unserem Special zur Ernte 2011 bleiben Sie auf dem Laufenden. zum Special ...