DBV: Magere Getreideernte für die Bauern
Berlin - Mit einer Getreideernte von rund 39 Millionen Tonnen und einer Rapsernte von 3,7 Millionen Tonnen liegt die diesjährige Ernte in Deutschland deutlich unter dem Vorjahresergebnis.
Der Deutsche Bauernverband geht von einem Rückgang der Getreideernte im Vergleich zum Vorjahr von 12 Prozent aus.
© Kurt Bouda/aboutpixel.de
Die Getreide- und
Rapsernte des Jahres 2011 fällt äußerst mager aus, teilte der Deutsche Bauernverbandes (DBV) heute in seiner abschließenden Erntebilanz mit. Die Erntemenge bei Getreide entspricht einem Rückgang von nahezu 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Raps sind es sogar 34 Prozent, so der DBV. Auch im langfristigen Vergleich fällt die Ernte klein aus. "Die extrem ungünstige Witterung während der gesamten Vegetationsphase hat unsere diesjährige Ernte auf das Niveau des extrem trockenen und heißen Jahres 2003 fallen lassen" berichtete Dr. Klaus Kliem, Vorsitzender des DBV-Fachausschusses für Getreide und Präsident des Thüringer Bauernverbandes, auf der Ernte-Pressekonferenz des
DBV in Berlin.
Im Einzelnen erklärte Kliem: "Die Aussaat in 2010 war nässebedingt äußerst unbefriedigend. Der Winter brachte vor allem Rapsbeständen Frostschäden. Das Frühjahr wurde durch Hitze und Trockenheit von März bis Mai zum Sommer und die Erntezeit ab Ende Juni fiel buchstäblich ins Wasser, vor allem im Nordosten Deutschlands. Noch immer laufen dort die Mähdrescher. Wir kämpfen um jeden Doppelzentner Getreide und Raps".
Erzeugerpreise sorgen für Entspannung
Für etwas Entspannung bei den Ackerbauern sorgen die aktuellen
Erzeugerpreise. Mit derzeit 190 Euro pro Tonne Brotweizen bewegen sie
sich auf dem Niveau des Vorjahres. Die
Rapspreise liegen mit 423 Euro
pro Tonne sogar knapp 70 Euro pro Tonne oberhalb des Preises von vor
einem Jahr. "Das hört sich zunächst besser an, als es für viele Betriebe
ist" kommentierte Kliem die wirtschaftliche Situation. "Denn Einkommen
erzielen können nur die Landwirte, die auch etwas zu verkaufen haben.
Oft bereitet es aber schon größte Mühe, die geschlossenen Vorverträge
einhalten zu können". Zudem erreiche Brotgetreide vielfach nur noch die
Qualität von Futtergetreide. Auch haben die schlechten Erntebedingungen
die Kosten, vor allem durch zusätzliche Trocknung, erheblich steigen
lassen.
Knappe Versorgungslage führt zu höheren Verbraucherpreisen
Hinsichtlich zu erwartender Verbraucherpreise wies Präsident Kliem
daraufhin, dass auch die weltweit knappe Versorgungslage bei
Nahrungsmitteln und spürbare Kostensteigerungen (z. B. für Düngemittel
und Energie) zwangsläufig zu höheren Nahrungsmittelpreisen führen
werden. Der Anstieg dürfte aber im Rahmen der allgemeinen Inflationsrate
bleiben.
Bei den einzelnen Kulturen kommt der
DBV zu folgenden Ergebnissen:
Winterweizen: Ernte von rund 21 Millionen Tonnen erwartet
Winterweizen ist mit einer Anbaufläche von 3,19 Millionen Hektar die
wichtigste Getreidekultur in Deutschland. Trotz der widrigen
Witterungsverhältnisse konnten die Weizenflächen in vielen Regionen
Deutschlands schon zu einem großen Teil abgeerntet werden. Eine Ausnahme
bilden hier Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern sowie Teile
Niedersachsens. Nach den bisherigen Ernteergebnissen ist eine
Weizenernte von rund 21 Millionen Tonnen zu erwarten. Gegenüber dem
Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von gut 2 Millionen Tonnen beziehungsweise
12 Prozent. Da Weizen vielfach mit Feuchtegehalten von bis zu 20 Prozent
geerntet und anschließend getrocknet wurde, hielten sich die
Qualitätseinbußen bisher in Grenzen. Bei den noch zu erntenden Partien
werden jedoch nur noch Futterqualitäten erwartet.
Wintergerste: Ergebnis knapp 26 Prozent under dem Vorjahr
Die Erntemenge der Wintergerste beträgt in diesem Jahr nur 6,4 Millionen
Tonnen. Damit liegt das Ergebnis knapp 26 Prozent unter dem
Vorjahresergebnis. Dies ist auf einen erneuten Rückgang der Anbauflächen
um mehr als acht Prozent auf 1,19 Millionen Hektar zurückzuführen.
Zusätzlich sind die Hektarerträge im Bundesdurchschnitt um fast 19
Prozent auf 5,4 Tonnen pro Hektar zurückgegangen.
Die Anbaufläche der Sommergerste wurde im Vergleich zum Vorjahr um knapp
22 Prozent auf 421.500 Hektar ausgedehnt. Ein hoher Anteil
umgebrochener Rapsflächen und deutlich bessere
Braugerstenpreise haben
die Attraktivität des Sommergerstenanbaus gesteigert. Das Ertragsbild
fällt äußerst heterogen aus. Während in Niedersachsen ein Ertragszuwachs
gegenüber dem Vorjahr von über 20 Prozent und niedrige Proteingehalte
erzielt werden konnten, fielen in Rheinland-Pfalz, Sachsen und
Sachsen-Anhalt die Erträge gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent,
vereinzelt auch um 30 Prozent, ab. Hier fallen die Proteingehalte zudem
vielfach zu hoch aus.
Im Gesamtergebnis der Sommergerstenernte kommt die
Flächenausdehnung aufgrund der teils deutlichen Ertragsrückgänge nur
bedingt zum Tragen. Die Erntemenge der Sommergerste liegt bei 1,9
Millionen Tonnen und damit knapp 10 Prozent oberhalb des
Vorjahresergebnisses.
Roggen: Mindererträge von bis zu 30 Prozent im Osten
Beim Roggen sind ebenfalls deutliche Ertragseinbußen zu verzeichnen. Die
Ursache hierfür ist weniger in der Frühjahrstrockenheit, sondern
vielmehr in den zu nassen Aussaatbedingungen im vergangenen Herbst zu
sehen. Vor allem in den östlichen Bundesländern liegen die Mindererträge
in einer Größenordnung von 25 bis 30 Prozent.
In Niedersachsen konnte
dagegen auch beim Roggen ein Ertragszuwachs von gut 11 Prozent erzielt
werden. Insgesamt wurde somit eine Roggenernte von 2,4 Millionen Tonnen
eingebracht. Dies entspricht einer um knapp 16 Prozent geringeren
Roggenernte.
Winterraps: Anbaurückgang von knapp zehn Prozent
Der Anbau von Winterraps ist gegenüber dem Vorjahr um knapp 10 Prozent
auf 1,3 Millionen Hektar zurückgegangen. Durch die schlechten
Aussaatbedingungen im vergangenen Herbst hatten sich viele Bestände vor
Einsetzen des Winters nur unzureichend entwickelt. Zusätzlich hatte der
recht harte Winter mit Wechsel- und Kahlfrösten den Rapsbeständen
zugesetzt. Viele Bestände mussten daher umgebrochen werden. Aber auch
die übrigen Bestände konnten sich nicht vollständig erholen, so dass die
Erträge etwa 27 Prozent hinter dem Vorjahresniveau zurückbleiben.
Insgesamt beläuft sich die Winterrapsernte damit auf 3,7 Millionen
Tonnen
(-34 Prozent), 2010 waren es 5,7 Millionen Tonnen. Die Ölgehalte fallen
mit weniger als 40 Prozent bis zu 44 Prozent sehr heterogen aus.
Gute Bedingungen für Zuckerrüben und Mais
In einem guten Entwicklungsstand befinden sich derzeit die Zuckerrüben.
Gute Aussaatbedingungen im Frühjahr und eine ausreichende
Wasserversorgung in den letzten Wochen lassen eine gute Zuckerrübenernte
erwarten. Besonders haben die Maisbestände von der feucht-warmen
Witterung profitiert, was zu einer Entspannung der Situation der
Futterbaubetriebe führte. Diese fürchteten aufgrund deutlicher
Ertragseinbußen beim ersten Grünlandschnitt noch um die
Grundfutterversorgung ihrer Tierbestände. Auch das Grünland hat sich
durch die Sommerniederschläge erholt.
Kartoffeln: Erträge schwanken stark
Die Kartoffelanbaufläche in Deutschland liegt weiterhin auf niedrigem
Niveau, auch wenn sich diese im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf
259.400 Hektar ausgeweitet hat. Den anfänglich guten Pflanz- und
Aufwuchsbedingungen folgten Phasen der Frühjahrstrockenheit, wodurch die
Kosten für die Beregnung in die Höhe getrieben wurden. Mit Beginn der
Niederschläge wurden dann in Teilen Deutschlands die Rodebedingungen
aufgrund der Unbefahrbarkeit der Flächen zunehmend schwierig. Die
Qualitäten der gerodeten Frühkartoffeln sind gut. Im Vergleich zum
Vorjahr weisen die Erträge eine größere Schwankungsbreite auf. Für die
Haupternte wird mit einem nicht unerheblichen Anteil an Übergrößen
gerechnet.
Durchschnittliche Obsternte
Die Obsternte fällt in diesem Jahr erneut gut durchschnittlich aus. Bei
der wichtigsten Kultur, dem Apfel, haben Frost, Hagel, Trockenstress und
Junifruchtfall dazu geführt, dass die Apfelernte kaum höher liegen wird
als letztes Jahr. Aufgrund der Witterung im Juli und August geht die
Fruchtgrößenentwicklung beim Apfel jedoch weiter. In Deutschland wächst
nach derzeitiger Kenntnis eine Apfelernte von rund 896.000 Tonnen heran
(im Vorjahr 835.000 Tonnen). Das bedeutet eine um 7 Prozent größere
Erntemenge als im vergangenen Jahr.
Die Kirschenernte wird sich in etwa auf dem Niveau des Vorjahres
bewegen.
Die Süßkirschenernte fällt nur leicht höher aus als im letzten
Jahr und dürfte bei knapp 33.000 Tonnen liegen. Bei Sauerkirschen wird
die diesjährige Erntemenge bei rund 20.000 Tonnen liegen und damit
wiederum nur das mengenmäßig schlechte Ergebnis des Vorjahres erreichen.
Fröste und weitere Rodungen haben zu der geringen Erntemenge
beigetragen. In diesem Jahr ist aufgrund der wiederum kleinen Ernte eine
Vermarktung zu akzeptablen Preisen möglich gewesen.
Die Erdbeerernte wird im Bereich von 160.000 Tonnen gelegen haben, nach
157.000 Tonnen im Vorjahr. Dabei hat die Ernte aufgrund der warmen
Witterung deutlich früher begonnen. Ein gleichmäßiger Saisonverlauf hat
zu einer guten Marktverteilung und einer ausgeglichenen Versorgungslage
über die gesamte Saison geführt.
Gemüse: EHEC-Krise lies Preise stark sinken
Im Gemüsebau begann die Erntesaison 2011 bei fast allen Kulturen im
ersten Halbjahr deutlich früher als im langjährigen Durchschnitt und
sorgte für einen guten Start. Allerdings waren bereits im Frühjahr die
Bewässerungskosten extrem hoch. Die meisten Preise lagen dabei auf dem
Vorjahresniveau. Mit dem 26. Mai 2011 (EHEC-Krise) hat sich die
Situation allerdings grundlegend geändert. Konsum und Preise gingen
deutlich zurück und haben sich bis heute, insbesondere bei Gurken,
Tomaten und Blattsalaten noch nicht erholt.
Die Spargelernte 2011 dürfte knapp unter 100.000 Tonnen gelegen haben
und damit etwa auf dem Niveau des Jahres 2009. Durch den früheren Beginn
der Spargelsaison und die Möglichkeit der Erntesteuerung über die Folie
war die Spargelsaison 2011 mit dem Enddatum 24. Juni in diesem Jahr
etwas länger als sonst. Bei durchschnittlichen Preisen und
kontinuierlicher Marktbeschickung ist die Spargelsaison als ordentlich
zu bezeichnen.
Ein Video zur Ernte-Pressekonferenz des Deutschen Bauernverbandes in Berlin finden Sie ab morgen in unserer Mediathek.
Ein Interview zum aktuellen Stand der Rapsaussaat können Sie als Podcast in unserer Mediathek anhören. mehr...
Video: Erntepressekonferenz des Deutschen Bauernverbandes
dbv
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