Wiesbaden/Dresden - Die Bauernverbände in Hessen und Sachsen schlagen Alarm: Sie rechnen mit Ernteeinbußen bis zu 50 Prozent. In Bayern hat sich die Lage auf niedrigem Niveau entspannt.
Hessen
"Übers Wochenende sind im Rhein-Main-Gebiet gerade einmal 1,5 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. In Anbetracht des dramatischen Niederschlagsdefizits der letzten drei Monate ist das weniger als einen Tropfen auf den heißen Stein", sagt der Präsident des Hessischen Bauernverbandes, Friedhelm Schneider.
Das Problem dieses Frühjahrs bestehe darin, dass nicht nur der April sehr trocken war, sondern auch der Februar und der März. In dieser Zeit sei nur etwa ein Fünftel der sonst üblichen Niederschlagsmenge gefallen. "Wir machen uns größte Sorgen um die Ernte. Das Wintergetreide und der Winterraps leiden ganz besonders unter der Trockenheit. Ähren fallen kleiner aus und der Raps wirft die Schoten ab. Deutliche Ertragseinbußen zwischen 30 und 50 Prozent werden die Folge sein", so Präsident Schneider.
Auch das Sommergetreide und der Mais entwickeln sich nur sehr spärlich, teilweise geht die Saat gar nicht auf.
Angesichts der fehlenden Niederschläge lasse der Grünlandaufwuchs sehr zu wünschen übrig. Beim ersten Grasschnitt, der vielerorts in diesen Tagen erfolgte, hätten die hessischen Bauern je nach Standort 30 bis 50 Prozent weniger geerntet. "Selbst wenn es im Mai noch ergiebige Regenfälle geben sollte - in dieser Woche sieht es nicht danach aus - werden wir die Durchschnittserträge der letzten Jahre gewaltig unterschritten, teilweise bis zu 50 Prozent", betonte Präsident Schneider.
Die langanhaltende Trockenheit in Sachsen hat bei den Ackerkulturen im Freistaat Sachsen erste spürbare Schäden hinterlassen. Insbesondere die vielfach lückigen Bestände an Raps bereitet den Landwirten große Sorgen. Die schlechten Aussaatbedingungen im Herbst mit hoher Feuchtigkeit, der zeitig einsetzende Winter, die Kahlfröste im Februar und die seit März anhaltende Trockenheit führen insbesondere bei den Winterkulturen zu deutlichen Trockenheitsschäden.
Ernteverluste bei Weizen, Gerste, Roggen und Raps von mindestens zehn Prozent sind damit schon vorprogrammiert, teilt der Landesbauernverband Sachsen mit. Allein in der Region Nordsachsen fehlen bis zum heutigen Tag mehr als 150 Liter Regen pro Quadratmeter, aber auch im Erzgebirge fehlen 30 Liter. Die Niederschläge vom Sonntag, die regional sehr differenziert gefallen sind, haben nicht zur Entspannung der Situation beigetragen.
Ausgiebig geregnet hat es in Schleswig-Holstein zum letzten Mal am 12. April. Dort steht gerade der erste Grünlandschnitt an. Der lässt allerdings in Menge und Qualität zu wünschen übrig, wie ein Lohnunternehmer im Gespräch mit agrarheute.com berichtet. Das macht sich auch bei ihm bemerkbar: Bislang haben nur zehn Prozent seiner Kunden siliert.
In Mecklenburg-Vorpommern zeigen sich Schäden - neben Grünland - vor allem im Raps. Er hat bereits unter dem harten Winter gelitten. Darauf reagieren die ersten Landwirte bereits: Sie brechen den schlecht entwickelten Raps um und versuchen es mit der Nachsaat von Mais.
Problematisch könnte es in Mecklenburg-Vorpommern demnächst auch für Biogasanlagen-Betreiber werden: Sollte auch aus dem Mais nichts werden, dürfen einige Landwirte ihre Getreidebestände als Ganzpflanzensilage häckseln - was die Preise steigen lassen sollte. Niederschläge werden für Mecklenburg-Vorpommern auch in den nächsten Tagen nicht vorhergesagt.
In Niedersachsen zeigen sich Trockenheitsschäden bereits auch auf guten Böden. Im letzten Jahr hatte es um diese Zeit bereits doppelt soviel geregnet. Momentan liegen die Niederschläge bei 30 Liter pro Quadratmeter in den letzten acht Wochen - mehr als in anderen Regionen Deutschlands, aber immer noch zu wenig.
Obwohl es in einigen Regionen Bayerns, wie zum Beispiel in der Landsberger Ecke und im Nürnberger Raum geregnet hat, waren die Niederschläge nicht flächendeckend: "Wenn es so weitergeht, kommt es zu deutlichen Ernteeinbußen für
Getreide. Auch bei Kartoffeln rechnen einige damit. Zum Teil weden
Getreidebestände bereits beregnet. In Freising beispielsweise hat es letzten Samstag zwei Liter pro Quadratmeter Niederschlag gegeben," berichtet Willhelm Zellner vom Bayerischen Bauernverband.
Auch der Raps hat unter der lang anhaltenden Trockenheit gelitten.
In den vergangenen zwei Tagen fiel jedoch endlich der heiß ersehnte
Regen - in einigen, guten Regionen bis zu 20 Liter pro Quadratmeter.
Bereits vorhandene Schäden werden dadurch zwar nicht behoben, das
Getreide kann sich jedoch auf dem jetzigen Stand weiterentwickeln,
schlimmere Schäden wurden abgewendet.
Gerade noch rechtzeitig dürften die Niederschläge in einigen Regionen Bayerns auch für
Mais gekommen sein. Er befindet sich derzeit im drei-Blatt-Stadium und
kann sich jetzt entfalten. Die Lage hat sich entspannt, wenn auch auf
niedrigem Niveau.
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