Mittwoch, 23.05.2012
Amerika bleibt Trendsetter für Esskultur
Berlin - Die meisten Trends der globalen Esskultur kommen aus den Vereinigten Staaten. Beispiel: das Auto als Esszimmer. In Deutschland könnten Lebensmittel einen höheren Stellenwert haben.
Das hat der Leiter des Gottlieb-Duttweiler-Instituts, Dr. David Bosshart, vergangene Woche beim dritten Außenwirtschaftstag der Agrar- und Ernährungswirtschaft in Berlin erklärt.
Als Beispiel für Trends aus den USA nannte er "das Auto als Esszimmer". Rund 21 Prozent der Speisen würden in Amerika im Auto eingenommen. Auch der Hang zum Essen auf der Parkbank oder im Laufen verstärkt sich laut Bossharts Beobachtungen in den USA. Dort würden mittlerweile 46 Prozent der Lebensmittel nicht mehr am Tisch verzehrt.
Andererseits gab der Chef der Handels-Denkfabrik mit Blick auf den Trend zu vorgefertigten Speisen zu bedenken, Convenience schaffe, anders als Regionalprodukte, keine Loyalität. Nordamerika unterscheide sich dem Konsumforscher zufolge von Europa durch die größere Einheitlichkeit des Marktes. Die Vielfalt in Europa habe indes Vor- wie auch Nachteile.
Positive Seiten Deutschlands für Nahrungsmittel-Marketing nutzen
Der Schweizer warb dafür, die positiven Seiten des Deutschland-Bildes für das Marketing von Nahrungsmittel einzuspannen. Nicht zuletzt durch die Fußball-Weltmeisterschaft habe sich nach seiner Einschätzung das Image der Bundesrepublik im Ausland gebessert und auch im Land selbst sieht der Schweizer eine "positivere Stimmung". Lebensmittel hätten in Deutschland allerdings noch nicht den Stellenwert, den sie haben sollten. Als erfolgreiches Marketing eines Staates sieht Bosshart die Swissness-Kampagne in seinem Heimatland.
Japaner geben 23 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus
Der Trend zu "billig und Discounter" hat laut Bosshart die Ernährungsbranche dramatisch verändert. In Frage stellte er die These von Ökonomen, dass ein sinkender Anteil der Verbraucherausgaben für Essen ein Zeichen wachsenden Wohlstands sei. Vielmehr müsse man dem Konsumforscher zufolge davon ausgehen, dass je billiger die Lebensmittel seien, desto gleichgültiger auch gegessen werde. Als positives Gegenbeispiel nannte er die Japaner, die rund 23 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Lebensmittel ausgeben und als die gesündeste Nation weltweit gelten. Zum Vergleich: Die Deutschen geben nur noch knapp zwölf Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus. Den Japanern sei es gelungen, so Bosshart, eine Balance zwischen traditioneller und industrialisierter Esskultur zu finden.
Wichtige Trends kommen auch aus der Getränkewirtschaft
Wichtige Trends kommen für Bosshart nicht zuletzt aus der Getränkewirtschaft. So sei der Cafémarkt in den neunziger Jahren revolutioniert worden, erklärte der Schweizer vor dem Hintergrund der zahlreichen Ketten wie Starbucks. Wo Hektik sei, blühe auch Cafékultur. An Tempo im Lebensalltag der Menschen wird es wohl auch künftig nicht mangeln. "Mobilität und Flexibilität" sind für den Leiter des Gottlieb-Duttweiler-Instituts Trends, die sich künftig fortsetzen werden, nicht zuletzt durch verstärktes Berufspendeln und das Wachstum der Mega-Städte auf der Erde.
Im nationalen Maßstab sieht Bosshart im Wein ein imagebildendes Getränk für aufstrebende Staaten. So verwies er darauf, dass beispielsweise China Anstrengungen zur Schaffung einer eigenen Weinproduktion unternimmt. (AgE)
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