Bonn - Auch dieses Jahr droht die Fallzahlstabilität im Getreide ein Problem zu werden. Außerdem ist vielerorts mit starkem Zweitwuchs zu rechnen.
In ersten Roggen-, aber auch Weizenbeständen liegt die Fallzahl bereits unter den erforderlichen Werten. Insbesondere die unter Zwiewuchs leidenden Bestände sind davon stärker betroffen.
Entscheidend für die Fallzahlstabilität im Getreide ist der Zeitraum, in dem die Stoffeinlagerung ins Korn zu Ende geht und das Korn noch etwa 20 - 24 % Wassergehalt aufweist. In dieser Phase wird die Keimruhe aufgebaut, der ABA-Spiegel steigt an. Wenn zu diesem Zeitpunkt kühle Witterung herrscht, wird die Keimruhe, die sich noch nicht ausreichend stabilisieren konnte, sofort gebrochen und das Korn bleibt keimfähig. In vielen Anbaugebieten war das zwischen dem 1.-12. Juli der Fall. Natürlich hängt das vom jeweiligen Entwicklungsstand des Bestandes auf den einzelnen Schlägen ab.
Bei anhaltend feuchter Witterung und wieder ansteigenden Temperaturen ist mit dem Auswachsen erster Bestände zu rechnen ist.
Insbesondere Roggen, aber auch Triticale und stärker gefährdete Weizensorten (Cubus, JB Asano, Mulan etc.) mit knapper Fallzahl sollten bei unsicherer Witterung gedroschen werden, wenn die Kornfeuchte die 20 %-Grenze unterschritten hat. Nimmt das Korn danach wieder Wasser auf und steigt die Kornfeuchte wieder an, wird verstärkt Amylase freigesetzt und damit Auswuchs nochmals verstärkt. Starker Befall mit Blattläusen in der Milchreife verstärkt das Auswuchsrisiko ebenfalls.
Auf den schwächeren Standorten beziehungsweise dort, wo der Weizen bereits
einmal vertrocknet ist, kann man zur Zeit massiven Zwiewuchs
feststellen. Sind mehr als 10 - 15 % der Fläche befallen, sollten Sie
auf jeden Fall den Einsatz eines glyphosathaltigen Mittels einplanen, um
die Ernte zu erleichtern beziehungsweise die Befeuchtung des Erntegutes beim
Druschvorgang zu unterbinden.
Zudem sollten Sie die Flächen mit Zwiewuchs gesondert beernten und
nicht auf den großen Haufen laufen lassen. In ersten
Fallzahluntersuchungen solcher geschädigter Flächen lagen die Fallzahlen
oft unter 100 Sekunden.
Da Glyphosat im Getreide die Ableitung der Assimilate in die
Körner, Vegetationspunkte und Wurzeln blockiert beziehungsweise stark verringert,
führt eine zu frühe Behandlung zu Ertragseinbußen und zu einer
Verringerung der Triebkraft bei Saatgetreide. Zu späte Termine gehen auf
Kosten der Wirkung. Eine sichere Wirkung mit geringstem Schaden kann in
der Vollreife erzielt werden: Der Fingernagelabdruck bleibt im Korn
erhalten.
Da der Formulierungshilfsstoff Tallowamin embryonale Stammzellen
schädigt, darf das Stroh das mit tallowamin-haltigen Glyphostatprodukten
behandelt wurde, im Behandlungsjahr nicht zum Zweck der Tierhaltung und
Tierfütterung eingesetzt werden. Tallowamin-freie
Glyphosatmittel sind zum Beispiel Dominator Ultra, Roundup Ultra, Touchdown
Quattro, Taifun Forte.
Die Wirkung des Glyphosates ist abhängig von der Konzentration in der
Spritzbrühe. Bei geringerem Wasseraufwand können die Aufwandmengen
reduziert, bei höheren müssen sie angehoben werden.