Montag, 20.05.2013
FAO: Welthandel mit Milchprodukten wächst
Der globale Handel mit Milchprodukten soll dieses Jahr nochmals um vier Prozent (zwei Millionen Tonnen) wachsen. Zu dieser Einschätzung kommt die Welternährungsorganisation FAO.
Der Hof im Sauerland darf vorerst keine Milch liefern.
© icnivad/fotolia.de
Das erwartete Nachfragewachstum findet in der FAO-Markteinschätzung von Anfang Mai insbesondere in Asien und Nordafrika statt. So rechnet die FAO für 2012 mit einer Zunahme der chinesischen Importe von fast zehn Prozent (%). Zwar wächst auch die chinesische Inlandproduktion kontinuierlich weiter. Bislang hält der chinesische Produktionszuwachs (fünf Prozent) mit dem Nachfragewachstum jedoch nicht Schritt. Mehr als zehn Prozent der Verbrauchmengen kommen mittlerweile aus dem Ausland.
Mit einer Einfuhrmenge von 5,9 Millionen Tonnen (Milchäquivalent) ist China der bedeutendste Importeur von Milchprodukten (insbesondere von Milchpulver) am Weltmarkt. Auch andere große Importeure wie Ägypten (3,5 Mio. t), Saudi-Arabien (3,2 Mio. t), Algerien (2,7 Mio. t), Mexiko (2,5 Mio. t) und Russland (2,1 Mio. t) werden nach Einschätzung der FAO ihre Einfuhren in diesem Jahr ausweiten oder das Niveau zumindest halten.
Angebot ebenfalls deutlich größer
Allerdings hat die globale Produktion infolge der im letzten Jahr
kräftig gestiegenen Preise in fast allen Weltregionen ebenfalls deutlich
zugenommen. Insgesamt geht die FAO für 2012 von einem
Produktionszuwachs von 2,7 % oder rund zehn Millionen Tonnen aus. Dabei
wächst die Milchproduktion sowohl in den Importländern als auch in den
Exportländern.
Der Produktionsschub den die guten Absatzmöglichkeiten am
Weltmarkt auf einige Exportländer ausgeübt haben, war jedoch besonders
kräftig. So veranschlagt die FAO im Jahresvergleich 2012 zu 2011 für
den weltgrößten Exporteur
- Neuseeland einen Produktionszuwachs von neun Prozent (1,6 Mio. t),
- für Australien von gut drei Prozent,
- für Argentinien von vier Prozent,
- für Europa von rund einem Prozent und
- für die USA von zwei Prozent.
Betrachtet man allerdings
die Entwicklung in den ersten Monaten des Jahres 2012, liegen die
derzeitigen Produktionszuwächse in fast allen Exportländern deutlich
über den FAO-Prognosen.
Neuseeland dominiert den Welthandel
FAO: Welthandel mit Milchprodukten wächst
Derzeit liegt der Anteil Neuseelands an den weltweit gehandelten
Milchprodukten (in Milchäquivalent) bei rund einem Drittel (32 %). Der
Marktanteil der EU-Länder am Welthandel erreicht nach den Daten der FAO
knapp ein Viertel (23 %) und die USA kommen auf etwas weniger als zehn Prozent
Marktanteil.
Für dieses Jahr geht die FAO davon aus, dass die
neuseeländischen Ausfuhren erneut um rund acht Prozent (1 Mio. t)
zunehmen. Dagegen sollen die Exporte Europas und der USA auf hohem
Niveau stagnieren. Zum neuseeländischen Wachstum trägt wohl auch ein
Freihandelsabkommen mit China bei. Dieses bedeutet für die
neuseeländischen Produkte sinkende Zölle und damit einen
Wettbewerbsvorteil.
Mittlerweile ist das Reich der Mitte der größte
Absatzmarkt für Neuseeland und auch für die Europäer wird die Ausfuhr
nach China immer wichtiger.
Preise unter Druck
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Offensichtlich nimmt der Weltmarkt die größeren Mengen jedoch nur zu
nachgebenden Preisen auf. Das lassen zumindest die ebenfalls von der FAO
erfassten Preise für die wichtigsten international gehandelten
Milchprodukte und der daraus gebildete Index erkennen. Besonders
kräftig sind die Preise danach in diesem Jahr von März bis April
zurückgegangen. Von Mitte 2011 bis einschließlich April 2012 beträgt der
Preisrückgang im Mittel rund 20 %. Ähnlich niedrig lag der Index im
März 2010 und unter dem jetzigen Niveau bewegten sich die Preise zuletzt
im Herbst 2009.
Dabei rechnet die FAO in ihrer aktuellen Einschätzung
mit weiterem Druck auf die Preise. Danach zögern einige große Importeure
zunehmend mit dem Abschluss von Lieferkontrakten, in der Hoffnung auf
weiter fallende Preise. Für die EU könnte der im Vergleich zum Dollar
schwache Euro die Wettbewerbsposition zwar stärken, gleichzeitig jedoch
auch Druck auf die Preise der anderen Exporteure ausüben.
Dr. Olaf Zinke / Marktanalyst dlv
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