Mittwoch, 23.05.2012
FAO-Nahrungsmittelindex auf neuem Höchststand
Rom - Weltweit haben die Nahrungsmittelpreise im Februar 2011 zum achten Mal in Folge zugelegt. Der FAO-Nahrungsmittelindex erreichte den höchsten Wert seit seinem Start Anfang der 90er Jahre.
Mit dem neuen Internetportal wird eine neue Transparenz in der Lebensmittelkontrolle erreicht.
© Landpixel
Im Vergleich zum Vormonat kletterte der FAO-Nahrungsmittelindex um 2,2 Prozent auf 236 Punkte. Alle beobachteten Lebensmittelpreise - außer Zucker - stiegen deutlich an, gab die in Rom ansässige UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) laut APA bekannt.
Die FAO erwartet für dieses Jahr eine weitere Verknappung des weltweiten Getreideangebots aufgrund steigender Nachfrage und eines Rückgangs der weltweiten Produktion im Jahr 2010. "Unerwartete Ölpreis-Steigerungen könnten die prekäre Situation auf den Nahrungsmittelmärkten noch weiter verschärfen", so David Hallam, Direktor der Handel- und Marktabteilung bei der FAO.
Getreidepreisindex auf höchsten Stand seit Juli 2008
Der Getreidepreisindex der FAO, der Weizen, Reis und Mais abdeckt, legte
im Februar im Vergleich zum Vormonat um 3,7 Prozent auf 254 Punkte zu
und damit auf den höchsten Wert seit Juli 2008. Für 2011 erwartet die
UN-Organisation einen Anstieg der globalen Weizenproduktion um drei
Prozent. Der Milchpreisindex stieg um vier Prozent auf 230 Punkte und
der Fleischindex erhöhte sich um zwei Prozent auf 169 Punkte. Einzig der
Zuckerindex blieb nahezu unverändert und verlor zwei Punkte auf einen
Wert von 418.
Attac: Spekulation mit Agrarrohstoffen begrenzen
Das globalisierungskritische Netzwerk "Attac" fordert angesichts
der global steigenden Nahrungsmittelpreise wirksame Maßnahmen gegen
Spekulation bei agrarischen Rohstoffen und Lebensmitteln.
"Finanzmarktregulierung, Agrarpolitik und Handelspolitik - das sind die
drei Bereiche an denen angesetzt werden muss, um eine kostendeckende
Produktion für Bauern und leistbare Lebensmittel für Konsumenten zu
ermöglichen", erklärte Alexandra Strickner von Attac Österreich.
In der Agrarpolitik sei in einem ersten Schritt der umfassende Ausbau
öffentlicher Lager unumgänglich, um schwankende Preise aufgrund
Angebotsengpässen einzudämmen. In Ländern des Südens müssten die
Produktionskapazitäten lokaler und bäuerlicher Produzenten, die für den
lokalen Markt produzieren, gestärkt werden. Dafür brauche es
Handelsregeln, die Kapazitäten zur Selbstversorgung nicht durch
Dumping-Importe zerstören. Importzölle seien dafür ein wichtiges
Instrument, so Strickner.
Agrarrohstoffhandel nur 'echten' Marktteilnehmern erlauben
"Da Spekulation auf Finanzmärkten ein entscheidender Preistreiber ist,
müssen hier finanzpolitische Gegenmaßnahmen gesetzt werden. Erst die
Deregulierung der Finanz- und Agrarmärkte hat die massiven
Preisexplosionen ermöglicht. Attac fordert, den unkontrollierten
außerbörslichen Handel ( "over the counter ") mit Derivaten generell zu
verbieten. An den Börsen selbst müssen sowohl Derivate selbst als auch
deren Händler einer Zulassungspflicht unterworfen werden. Lizenzen für
den Handel mit agrarischen Rohstoffen sollen nur an jene Akteure
vergeben werden, die mit dem physischen Grundgeschäft unmittelbar
beteiligt sind. Der Eigenhandel der Banken mit Rohstoffderivaten ist zu
untersagen ", forderte Strickner.Um zu verhindern, dass es für Finanzinvestoren lohnend ist, selbst als
Händler aufzutreten und ihre Profite zu maximieren, ist aus Sicht von
Attac langfristig eine demokratische Preisregulierung mit
Preiskorridoren und Interventionsmöglichkeiten - etwa im Rahmen der UNO,
aber auch auf nationaler und EU-Ebene - anzustreben.
aiz
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