Rom - Die FAO hält einen Paradigmenwechsel in der Agrarproduktion für unumgänglich, damit diese weiter wachsen kann.
Die FAO will eine Mehrproduktion auf gleicher Fläche, wo aber die Ressourcen erhalten bleiben.
© FAO/Eddie Gerald
Die Agrarbranche müsse lernen zu sparen, denn ein einfaches "Weiter so" sei keine Option, betont die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in einem vergangenen Monat erschienenen Leitfaden für Entscheidungsträger. Als erstes strategisches Ziel wird die "Intensivierung des nachhaltigen Pflanzenbaus" (SCPI) ausgegeben. Darunter versteht die FAO eine Mehrproduktion auf gleicher Fläche, bei der die Ressourcen erhalten bleiben und negative Umwelteinflüsse reduziert werden. Gleichzeitig erteilt die Weltorganisation dem "derzeitigen Paradigma eines intensiven Ackerbaus" eine Absage. Dies werde den Aufgaben dieses Jahrhunderts nicht gerecht.
Um zu wachsen, müsse die Landwirtschaft
lernen die natürlichen Ressourcen zu erhalten, denn die bisherige
Bewirtschaftungsweise habe der Umwelt Schaden zugefügt, betont die FAO.
Als Beispiele hierfür nennt sie Waldrodung, den Ausstoß von
Treibhausgasen und Nitratverschmutzung von Gewässern. Im Einzelnen zielt
SCPI darauf ab, eine größere Arten- und Sortenvielfalt anzubauen, und
zwar verbunden mit einer stärkeren Flächenrotation und einer breiteren
Fruchtfolge. Darüber hinaus will die FAO auf dem Acker geeignete
Hochertragssorten und Saatgut mit hoher Qualität bevorzugt sehen. Zudem
soll die Behandlung von Schädlingen, Krankheiten und Beikräutern
ganzheitlich sein. Gleichzeitig müsse das Wassermanagement effizienter
werden. Schließlich erfordere die Umsetzung der SCPI, die
Bodengesundheit zu erhalten, um die Pflanzenernährung zu verbessern. Die
Landwirtschaft müsse buchstäblich wieder zurück zu ihren Wurzeln und
die Bedeutung der Böden wiedererkennen, fordert die FAO.
Die Politik sollte die Landwirte zu einer konservierenden Anbauweise
ermutigen, denn davon würden die Böden profitieren, empfiehlt die FAO.
Daneben sei Agroforstwirtschaft, also der Anbau mehrjähriger Hölzer und
einjähriger Nutzpflanzen, förderlich. Die derzeit bestehenden Anreize
zur mechanischen Bodenbearbeitung und für die "verschwenderische Nutzung
von Düngemitteln" hätten hingegen negative Effekte und gehörten
abgeschafft. Im Gegenzug sollten neue Anreize für die Tiefendüngung von
Harnstoff und eine standortbezogene Ausbringung geschaffen werden. Dies
führe zu einem intakten Bodensystem und das sei wiederum ein Baustein
für ein gesundes Agrar- und Ökosystem, unterstreicht die FAO. Sie weist
in ihrer Studie darauf hin, dass ein derartiges System die "erste
Verteidigungslinie" gegen Pflanzenkrankheiten sei und somit helfen
könne, den Herbizideinsatz zu reduzieren.
Landwirtschaft muss sich lohnen
Obwohl die FAO keine allgemeingültige Empfehlung gibt, stellt sie doch
einige Möglichkeiten zur Unterstützung von SCPI dar. Um vor allem
bäuerliche Kleinbetriebe zu ermutigen, die neuen Leitlinien anzuwenden,
ist laut FAO eine fundamentale Änderung der Politik nötig. Dabei macht
sie deutlich, dass Landwirtschaft sich lohnen müsse. Vor allem die
Preise von Düngemitteln und Saatgut seien oftmals für kleine Betriebe
kaum erschwinglich. Dieses Problem werde in den Entwicklungsländern
häufig durch eine Abhängigkeit vom Handel verschärft. Gleichzeitig
müssten Bauern angemessene Preise für ihre Produkte bekommen, fordert
die FAO.
Darüber hinaus sollte die Politik Anreize für den schonenden
Umgang mit natürlichen Ressourcen entwickeln, beispielsweise Zahlungen
für Umweltleistungen. Zudem seien die Transaktionskosten für die
Beschaffung eines Kredits in vielen Ländern und besonders für kleine
Betriebe zu hoch. Diese sollten gesenkt werden, da das Geld dringend für
Investitionen benötigt werde, verlangt die FAO. Ferner fehlten in
vielen Ländern Gesetze, die die Landwirte davor schützten, gefälschtes
Saatgut zu kaufen. Schließlich müssten Investitionen für Forschung in
Entwicklungsländern und für den Technologietransfer dorthin getätigt
werden.
Subventionen überprüfen
In ihrem Bericht fordert die FAO auch die Überprüfung der bestehenden
Subventionen, da sich viele Fördergelder negativ auf die natürlichen
Ressourcen und die Biodiversität auswirkten. Diese Zahlungen müssten
vermieden werden, da sie neben dem negativen Einfluss auf die Umwelt
teilweise ineffizient seien und demnach auf zweierlei Art eine
Geldverschwendung darstellten. Weltweit belaufe sich die Summe auf 500
Milliarden Dollar (344,5 Milliarden Euro) bis 1,5 Billionen Dollar (1 Billion Euro) pro Jahr.
Einige Länder seien bei der Überprüfung und Kürzung der Hilfen bereits
mit positivem Beispiel vorangegangen. Dabei verweist die FAO auf
Neuseeland mit seinem Subventionsabbau in den achtziger Jahren. In
Brasilien sei die Viehhaltung im Amazonasgebiet reduziert worden und die
Philippinen hätten die Düngersubventionen abgeschafft.