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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Rind » Milchproduktion » Quote_Thiele ]
Mittwoch, 23.05.2012
Milchproduktion | 01.04.2009

Fehlende Liquidität, geänderte Investitionsförderung und Planungsunsicherheit reduzieren Kaufnachfrage

Kiel - Dr. Holger D. Thiele, Geschäftsführer ife Informations- und Forschungszentrum für Ernährungswirtschaft e.V., analysiert die heute veröffentlichten Milchquotenpreise.

Dr. Holger D. Thiele
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Dr. Holger D. Thiele

Milchquotenpreise stürzen um 41 Prozent auf 23 Cent je Kilogramm ab

Unter dem Eindruck einer deutlichen Zurückhaltung bei der Nachfrage nach neuer Milchquote und einem hohem Angebot von abgebenden Betrieben gab der gewogene Durchschnittspreis für Deutschland insgesamt um 16 Cent oder 41 Prozent auf nunmehr 23 Cent je Kilogramm nach. Vor fünf Monaten, beim letzten Börsenhandelstermin am 3. November 2008, lag der Milchquotenwert noch bei 39 Cent je Kilogramm. Gegenüber dem Börsenhandelstermin vor einem Jahr liegt der aktuelle Durchschnittspreis um 8 Cent je Kilogramm oder 26 Prozent unter dem gewogenen Gleichgewichtspreis von April 2008 (31 Cent).

17 Cent geringere Milchquotenpreise in Handelsgebiet West und Ost

Für das Milchquotenbörsengebiet West wurde ein gleichgewichtiger Milchquotenpreis von 24 Cent je Kilogramm berechnet. Im Vergleich zum Novembertermin des letzten Jahres (41 Cent/kg) mussten Milchquotenverkäufer in diesem Handelsgebiet Wertreduzierungen von 17 Cent je Kilogramm hinnehmen.
Der Quotenhandelspreis für das Übertragungsgebiet Ost lag bei 14 Cent je Kilogramm. Milchquotenanbieter erhielten in diesem Gebiet gegenüber dem Novembertermin (31 Cent/kg) ebenso 17 Cent weniger je Kilogramm. Unter der Berücksichtigung einer Restlaufzeit der Milchquotenregelung von noch sechs Jahren errechnet sich beim aktuellen Gleichgewichtspreis von 24 Cent bzw. 14 Cent unter Zurechnung der Verzinsung des eingesetzten Kapitals jährliche Quotenkosten von 4,7 Cent (West) bzw. 2,8 Cent (Ost) je Kilogramm. Die jährlichen Quotenkosten haben sich damit im Westgebiet um 2,4 Cent je Kilogramm (-34%) und im Handelsgebiet Ost um 2,6 Cent je Kilogramm (-48%) reduziert.

Deutlich höhere Verkaufsangebote als Kaufnachfragen

Insgesamt wechselten im Übertragungsgebiet West 114 Mio. kg Milchquote den Besitzer. Insgesamt wurden 270 Mio. kg Milchquote angeboten und 161 Mio. kg nachgefragt. Daraus ergibt sich ein deutlicher Angebotsüberhang.
Im Handelsgebiet Ost wurden 11 Mio. kg Milchquote gehandelt. Auch hier ist ein hoher Angebotsüberhang zu beobachten. Es gab Verkaufsangebote für Milchquote in Höhe von 77 Mio. kg und Nachfragen von lediglich 18 Mio. kg. Insgesamt (Handelsgebiet West und Ost) stand dem Gesamtangebot in Höhe von 346 Mio. kg Milchquote eine Gesamtnachfrage von 178 Mio. kg gegenüber. Gehandelt wurden insgesamt 125 Mio. kg und damit die seit sechs Börsenterminen geringste Milchquotenmenge.

Massive Milchquotenentwertung zeigt Erwartungen der Milchbauern

Der Gleichgewichtspreis von 23 Cent je Kilogramm bestätigt zwar den bereits langfristig anhaltenden rückläufige Preistrend der Milchquoten. Er liegt in seiner absoluten Höhe jedoch unterhalb einer linearen Trendfortschreibung der Milchquotenpreissenkungen. Dies liegt an einer Vielzahl von Einflussfaktoren, die sowohl zu einer Erhöhung des Milchquotenangebots als auch zu einer Reduzierung der Nachfrage führen. Dazu zählen folgende Einflussgrößen:

  • Aktuelle Milchpreissituation: Aktuelle historisch niedrigste Milchpreise reduzieren die Liquidität und damit auch die finanziellen Möglichkeiten der Kaufnachfrage nach Milchquote.
  • Nutzungsdauer Milchquote: Der Nutzungszeitraum der Milchquote reduziert sich auf nur noch 6 Jahre bis zum Auslaufen der Milchquote. Das heißt die Milchquote muss über einen kürzeren Zeitraum abgeschrieben werden. Die Wahrscheinlichkeit für das Ende des Nutzungszeitraums der Milchquote am 31.3.2015 hat sich durch die Health-Check-Beschlüsse vom November 2008 erhöht.
  • Unterlieferungseffekt: Die Wahrscheinlichkeit eines Absinkens der Superabgabe ist durch die Health Check Beschlüsse vom November (+5% Milchquote, +1,8% höhere Milchquote durch Anpassung der Fettkorrektur) deutlich gestiegen. Auch die EU-Kommission geht von einer Unterlieferung der Milchquote bis 2015 aus.
  • Saisonaler Effekt April-Termin: Saisonaler Effekt des ersten Börsentermins am Anfang eines Milchquotenjahres mit hoher Unsicherheit wie der eigene Bedarf nach höherer Milchquote sein wird. Zum ersten Börsentermin im April spielen langfristige Wachstums- oder Abstockungsgedanken eine größere Rolle als kurzfristige Faktoren (Überlieferung im laufenden Wirtschaftsjahr).
  • Korrektureffekt: Beim letzten Milchquotentermin am 3. November 2008 dürfte der Gleichgewichtspreis nach oben verzerrt sein, da die Nachfrage nach Milchquote höher war als sie möglicherweise unter Kenntnis der Bundesrats- und Health-Check-Beschlüsse gewesen wäre.
  • Effekt durch Änderung Investitionsförderung: Die Voraussetzung einer vorhandenen Milchquote als Grundlage der Investitionsförderung ist entfallen. Dadurch dürfte sich dieser Teil der Quotennachfrage reduzieren.

Holger D. Thiele ife Informations- und Forschungszentrum für Ernährungswirtschaft, Kiel (www.ife-ev.de)

Lesen Sie morgen den zweiten Teil der Analyse der aktuellen Milchquotenpreisen mit einer regionalen Auswertung des ife Informations- und Forschungszentrum für Ernährungswirtschaft, Kiel

 

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