Es war eine Premiere - für die Landwirtschaftskammer Niedersachsen wie für die Landwirte gleichermaßen: Mit dem ersten „Gemeinsamen Feldtag für leichte Böden“ auf der Domäne Wipshausen landeten die Veranstalter einen Volltreffer; etwa 500 Besucher fanden den Weg auf den Betrieb, nur wenige Kilometer nördlich der Autobahn 2 bei Braunschweig-Watenbüttel.
Um die Bodenwassersituation zu entspannen, sollten auch auf leichten Böden mehr Winterfrüchte angebaut werden.
© Mühlhausen
Feldtage der Bezirksstelle Braunschweig fanden bislang immer auf den besseren Böden des Braunschweiger Landes statt: Knapp die Hälfte der Flächen des Gebietes der Bezirksstelle Braunschweig liegen jedoch nördlich der Autobahn 2 mit 18 bis 35 Bodenpunkten - Grund genug für die Veranstalter, sich diesen Standorten intensiver zu widmen.
Neben der Landwirtschaftskammer wirkten der Abwasserverband Braunschweig, das Landvolk Braunschweig und Gifhorn, die Nordzucker AG, der ZAV Niedersachsen-Mitte, die ARGE Nord, das Julius Kühn-Institut, die Landberatungen Gifhorn und Peine sowie der Maschinenring Gifhorn mit. Zudem stellten sich viele Unternehmen der Agrarbranche sowie Verbände und Organisationen vor, im Feld warteten 30 Stationen auf die Besucher. Neben den Landessortenversuchen und Sortendemos wurden auch verschiedene Versuche zum Pflanzenschutzmitteleinsatz sowie Möglichkeiten der Feldberegnung präsentiert; vorgestellt wurden Winterroggen, -gerste, -weizen, Sommergerste, Triticale, Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln.
Der Standort ist geprägt durch den Sand, im Betriebsschnitt liegt man bei 21 Bodenpunkten. Jährlich muss ein Defizit von durchschnittlich 205 Millimeter in der klimatischen Wasserbilanz (April bis September; 2000 bis 2010) ausgeglichen werden. Was das in Jahren wie 2011 bedeutet, in denen in der Hauptwachstumsphase so wenig Niederschlag wie schon lange nicht mehr fiel, konnten die Besucher vor Ort feststellen: Versuchsweise wurde ein Roggenschlag am Hof mit und ohne Beregnung präsentiert.
Wasser sparen
Im Mittelpunkt des Vormittags standen drei Fachvorträge. Ekkehard Fricke, Fachbereich Beregnung der LWK Niedersachsen, zeigte auf, warum die Beregnung für leichte Böden ein Muss ist. Mit der Beregnung seien neben einer nachhaltigen Ertragsabsicherung und einer deutlichen Qualitätsverbesserung auch eine optimierte Nährstoffaufnahme und letztendlich ein besseres Betriebsergebnis möglich. Vier der vergangenen zehn Jahre seien ausgesprochene Trockenjahre gewesen, auch 2011 sei durch eine extreme Trockenheit geprägt.
Daran wird man sich zudem gewöhnen müssen, denn der Wasserbedarf wird aufgrund von Klimaveränderungen weiter steigen, prophezeite Fricke. Für die Zeit von 2070 bis 2100 rechnen Klimaforscher mit einem Anstieg der Temperatur von 4 °C im Jahresmittel; im Winter könnten dann 25 % mehr Niederschlag fallen, im Sommer würden jedoch 20 bis 25 % Regen fehlen. Schon heute werden laut Fricke große Teile der Ackerfläche in vielen Kreisen beregnet, zumeist durch Grundwasser: In Gifhorn seien es 78 % der Ackerfläche, in Celle 60 %, in Peine 36 % und in der Region Hannover immer noch 28 %. Zudem gebe es Anfragen aus bislang nicht beregneten Regionen, etwa der Wedemark und Neustadt.
Die Beregnung von zusätzlichen Flächen könne nicht überall durch erhöhte Wasserrechte erfolgen, so Fricke. Es müssten daher auch Alternativen zum Grundwassereinsatz gefunden werden. Das könne etwa Oberflächenwasser aus Flüssen und Speicherbecken sein, Klarwasser (etwa in den Regionen Braunschweig und Wolfsburg) sowie Fabrikationswässer (etwa bei Uelzen und Wietzendorf). Eine weitere - wenn auch eine eher perspektivische - Möglichkeit sei die Verbesserung der Grundwasserneubildung. Dazu gehöre der Waldumbau von Nadel- in Laubholz, die aktive Versickerung von Wasserüberschüssen sowie die Klarwasserverregnung außerhalb der Vegetationszeit.
Auch die Landwirte können durch die Erhöhung der Effizienz der Beregnung die Bedingungen wesentlich verbessern: Neben der Arten- und Sortenwahl sowie der Fruchtfolgegestaltung - etwa der Einsatz von Winterungen, um die Winterfeuchte auszunutzen - sprach Fricke die Verbesserung des Humusgehaltes, die Förderung der tiefen Durchwurzelung (Pflugsohle durchbrechen) sowie die Beregnungssteuerung und -technik an. Das Ideal - die Tröpfchenbewässerung - sei zwar zu teuer und nur für Spezialkulturen bezahlbar. Dennoch gebe es noch Ansatzpunkte zur Verbesserung und Alternativen zur Beregnungskanone, die vor allem mit dem Nachteil der zum Teil starken Abdrift zu kämpfen hat. Beregnung sei für den
Ackerbau auf leichten Böden unverzichtbar, dem steigenden Wasserbedarf müsse man jedoch durch innovative und intelligente Lösungen begegnen, so Fricke.
Fruchtfolgen anpassen
Andreas Wagner, Landberatung Peine, stellte anhand tatsächlicher Werte aus seinem Ringgebiet verschiedene Deckungsbeitragsrechnungen und die Auswirkung der Beregnung vor. Die daraus resultierende Rangliste der höchsten Deckungsbeiträge führt die Kartoffel vor der Quotenrübe an, gefolgt von der
Braugerste (aktueller Preis), dem Silomais, der Industrierübe, der GPS, der Überrübe, der
Braugerste (historischer Preis der vergangenen fünf Jahre) sowie dem Grünroggen. Ebenso ging Wagner auf mögliche Fruchtfolgen mit und ohne Energiepflanzen und den daraus resultierenden durchschnittlichen Deckungsbeiträgen ein.
Daran schloss auch Georg von Campen, Landberatung Gifhorn-Wolfsburg, an, der sich den Energiepflanzenfruchtfolgen auf leichten Böden widmete. Der Mais sei gesetzt, da er die niedrigsten Kosten pro Kubikmeter produziertes Methan verursache. Weder Zwei-Kulturennutzungen noch Mischkulturen aus Sonnenblumen und Mais könnten da mithalten, da diese beiden Kulturen zu unterschiedliche Ansprüche hätten. Ganzpflanzensilage nutze dagegen die Winterfeuchte gut aus und biete eine gute Ertragssicherheit bei einem mittleren Ertragsniveau sowie einem guten Vorfruchtwert.
Die Energierübe liefere zwar hohe Methanerträge und einen guten Vorfruchtwert bei geringen bis mittleren Kosten pro Kubikmeter Methan. Jedoch müssten die Probleme in Logistik und Lagerung noch gelöst werden. Die Sonnenblume zeichne sich leider durch ihre geringe Ertragssicherheit (Vogelfraß, Pilzbefall) aus; ihr Vorteil sei aber die optische Wirkung. Ebenso negativ sehe es zurzeit noch mit der Hirse aus, die zwar für Spätsaat geeignet, jedoch kälte-intolerant sei und daher durch Spätfröste im Frühjahr oder frühe Fröste im Herbst eine geringe Ertragssicherheit habe.
Landwirte sollten die Fruchtfolgen beim Energiepflanzenanbau gut durchdenken und auf Problemfelder - etwa Humuszehrung, Herbizidstress in
Zuckerrüben nach Mais oder Rhizoctonia-Befall in Kartoffeln und Rüben nach Mais - achten. Auch Mais nach Mais berge durch die bekannten Probleme (Maiszünsler, Blattfleckenkrankheit, Wurzel- und Stängelfäule) Risiken. In engen Fruchtfolgen sollten Landwirte Herbizide unterschiedlicher Wirkstoffgruppen einsetzen, um Resistenzen zu vermeiden.
Besonderes Augenmerk, so von Campen, sollten die Anbauer auf leichten Böden auf die Humusbilanz legen, da der wasserhaltende Tonanteil fehle. Fakt ist, dass die Kulturen inklusive der Energiepflanzen dem Boden trotz Gärresterückführung viel Kohlenstoff entziehen. Dem könne man durch den Anbau von Zwischenfrüchten (zum Beispiel Grünroggen, der aus bodenkundlicher Sicht am besten eingearbeitet statt genutzt werden sollte), Untersaaten oder organischen Düngern wie Kompost entgegenwirken.