Donnerstag, 24.05.2012
„Genomische Selektion ist vor allem für Züchter interessant“
München – Ab August wird auch beim Fleckvieh die genomische Selektion eingeführt. Um die genetisch besten Bullen auszuwählen reicht dann die Untersuchung einer Gewebeprobe.
Jetzt stehen auch Fleckviehzüchtern genomische Zuchtwerte für ihre Tiere zur Verfügung.
© Bayern Genetik
Was kann man sich unter einer genomischen Zuchtwertschätzung vorstellen und wie funktioniert sie? Das hat agrarheute.com bei Dr. Christian Edel nachgefragt und als Podcast aufgezeichnet. Dr. Edel ist bei der Landesanstalt für Landwirtschaft Bayern (LfL) für die Entwicklung der genomischen Zuchtwertschätzung beim Fleckvieh und Braunvieh zuständig. Seine Antwort: "Im Grundsatz ist die genomische Zuchtwertschätzung eine ganz konventionelle Zuchtwertschätzung, die um genomische Informationen erweitert worden ist."
Vorteil: Bessere Schätzung für ganz junge Tiere möglich
Ihr Vorteil sei, dass man durch die Kombination der genomischen
Zuchtwerte mit den bisherigen Informationen bei ganz jungen Tieren zu
einer besseren Schätzung gelange. "Bei Jungbullen fällt die Wartezeit
bis zur ersten Töchterleistung weg." Dadurch rechnet die LfL mit einem
um bis zu 30 Prozent schnelleren Zuchtfortschritt. Dieser beschleunigte
Zuchtfortschritt birgt jedoch auch Gefahren. Manche Kritiker befürchten
negative Auswirkungen auf die Fitness der Tiere. Dies hält die LfL zwar
für unbegründet, ganz auszuschließen sei es jedoch nicht, da der
Schwerpunkt der Züchtung vermutlich auch künftig auf Leistung und
weniger auf funktionalen Merkmalen liegen werde.
Nachteil: Die Genetik der Rinder ist noch weitgehend unbekannt
Landwirte, die an einem reibungslosen Produktionsablauf
interessiert sind, seien vorerst mit der Töchter basierten ZWS besser
dran. Sie liefere zu 90 % sichere Ergebnisse, während es bei der
genomischen nur 60 bis 70 % seien. Letztere sei vor allem für Züchter
interessant, berichtet Dr. Edel.
Ein Handicap bei der genomischen Selektion ist: "Wir kennen bisher
nur wenige Gene, die die Merkmale beeinflussen", räumt der LfL-Experte
ein. "Die Genetik der Tiere liegt noch weitgehend im Dunkeln." Deshalb
analysiere man die Gene von Tieren, von denen bereits Informationen
durch ihre Nachkommen vorlägen und übertrage sie auf die jungen Tiere
mit gleichen Gen-Informationen.
Beim Holstein-Rind gibt es die genomische ZWS schon seit dem
vergangenen Jahr. Ab kommenden August findet für das Braunvieh der
erste offizielle Probelauf statt.
- Podcast: Ein ausführliches Telefoninterview zu diesem Thema finden Sie
hier. Anhören...
gz
Um ein Kommentar zu schreiben müssen Sie sich einloggen.