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In einer Resolution haben 200 Wissenschaftler aus aller Welt an Bundesregierung, EU und weitere am Klimaschutz beteiligten Organisationen appelliert, sich für eine umfassendere, objektive Analyse der Agrotreibstoffthematik einzusetzen. Die Forscher fordern, nur die Entwicklung von solchen Konzepten zu fördern, bei denen kein weiterer Raubbau an den natürlichen Ökosystemen der Tropen stattfindet, die für die gesamte Erde lebenswichtige Leistungen erbringen.
Die in der EU geforderte Beimengung von zehn Prozent Agrotreibstoffen bezeichnet der Forscher Karl Eduard Lindemann, Präsident der gtö und Professor für Tierökologie und Tropenbiologie am Biozentrum der Universität Würzburg, als hellen Wahnsinn. "Felder von Kleinbauern werden rasant aufgekauft, um große zusammenhängende Plantagen zu schaffen. Diese verlieren dann ihre Lebensbasis. Teilweise können sie noch auf qualitativ schlechtere Böden ausweichen, wo sie aber wegen der minderen Qualität größere Flächen roden müssen, um die Nahrungsmittelproduktion zu halten", meint Linsenmair im pressetext-Interview. Damit werde aber der Druck auf die restlichen Flächen weiter erhöht. Auch über die angeblich positive Ökobilanz der Agrotreibstoffe wundert sich der Forscher. Es gebe nur ganz wenige Fälle, in denen es eine vernünftige Ökobilanz gebe. Das sei bei der Bioethanol-Herstellung aus Zuckerrohr unter gewissen Voraussetzungen möglich. Den Klimaschutz hält Linsenmair deshalb meist für ein vorgeschobenes Argument. "Hier geht es primär ums Geld, nachdem die Energiepreise und der Energiebedarf so weit gestiegen sind, dass jetzt die Bio-Kraftstoffe sehr attraktiv werden."
Zudem sieht der Experte eine steigende Konkurrenz der Agrotreibstoffe mit der Lebensmittelproduktion. Linsenmair betont auch die Bedeutung der immer noch weitgehend unerforschten Tropen für die Zukunft der Pharmazie. Pharmazeutisch seien die Tropen ein gigantisches Reservoir noch ungenutzter Wirkstoffe, deren Wert derzeit von pharmazeutischen Forschern wiederentdeckt würde. Der jährliche Handelswert traditioneller Arzneimittel liege bei 80 Mrd. Dollar. Weltweit hingen 80 Prozent der Menschheit von solcher Naturmedizin ab. "Die Grundidee der Bio-Kraftstoffe, die man richtiger als Agro-Kraftstoffe bezeichnen sollte, ist nicht schlecht", kommentiert Mitveranstalter Wolfgang Küppers, Professor für Botanik an der Universität Hohenheim. Es gebe auch vielversprechende Beispiele für den angepassten Anbau von Energiepflanzen. Ein Beispiel dafür sei etwa Biodiesel aus Jatropha-Pflanzen, die auf ausgelaugter Erde wachsen und dabei wieder fruchtbare Böden aufbauen. (pte)

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