Donnerstag, 24.05.2012
Schweizer Lebensmittelhandel reagiert auf harten Franken-Kurs
Bern - Der gegenüber dem weichen Eurokurs sehr harte Schweizer Franken bereitet dem eidgenössischen Handel zunehmend Probleme.
Wegen dem harten Franken-Kurs kaufen viele Konsumenten im benachbarten Ausland ein.
© Schlierner/fotolia.de
Immer häufiger decken sich Konsumenten im benachbarten Ausland mit billigeren Lebensmitteln ein. Jetzt haben die großen Handelsketten reagiert: Die Supermarktkette Coop hat Anfang dieser Woche begonnen, die ersten Markenartikel von multinationalen Konzernen aus dem Sortiment zu werfen, mit der Begründung, diese würden sich weigern, "ihre massiven Wechselkurs-Vorteile weiterzugeben".
Migros, der größte Mitbewerber von Coop, hat gestern angekündigt, ab kommenden Montag 500 Artikel von Herstellern wie Nestlé oder Ferrero um bis zu 20 Prozent günstiger anzubieten. Insbesondere sollen jene Marken verbilligt werden, die Coop aus dem Sortiment nimmt. Lebensmittel sind in der Schweiz deutlich teurer als in der EU, durch die jüngste Kursentwicklung war die Preisdifferenz noch deutlicher zutage getreten.
Denner und Spar passen Preise tiefem Eurokurs an
Der führende Schweizer Lebensmitteldiskonter Denner hatte bereits am
vergangenen Freitag mitgeteilt, 50 Markenprodukte ab sofort um bis zu
20 Prozent günstiger anzubieten. Die Preisreduktionen basierten auf
"Währungsvorteilen und eigener Kostenübernahme", so Denner in einer
Medienmitteilung. In den nächsten Wochen würden weitere Preissenkungen
folgen. Wie der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) in Bern
berichtet, reagierte auch die Handelskette Spar auf diese Situation und
kündigte an, "dank der internationalen Vernetzung und der Herkunft
seiner Eigenmarken aus dem Euroraum" viele Preise laufend zu senken.
Denner und Spar wollten damit ein Zeichen setzen und auf Markenkonzerne
sowie Importeure, die nicht auf den tiefen Eurokurs reagieren, Druck
ausüben.
Coop listet erste Markenartikel aus
Zu Wochenbeginn reagierte auch das Einzelhandelsunternehmen Coop und
kündigte an, die ersten Markenartikel von multinationalen Produzenten
aus dem Sortiment zu kippen. "Der Euro fällt, doch der Kunde in der
Schweiz konnte davon nur teilweise profitieren. Viele Konzerne weigerten
sich bis jetzt, ihre massiven Wechselkurs-Vorteile weiterzugeben",
argumentierte Coop. Betroffen von den Auslistungen sind unter anderem
Uncle Ben"s-Produkte von Mars, die Kinder-Milchschnitte und weitere
Süßwaren von Ferrero sowie Erzeugnisse von L"Oréal. Aufgrund der
Währungsentwicklung habe man bereits die Preise von über 700 Produkten
aus dem Euro-Raum gesenkt, teilte das Unternehmen mit. Aktuell würden
die Obst- und Gemüsepreise rund 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen.
Insgesamt hat Coop eigenen Angaben zufolge im Laufe der letzten zwölf
Monate Preissenkungen in der Höhe von über 200 Millionen Franken
durchgeführt.
Migros verbilligt importierte Markenprodukte
Der führende Schweizer Lebensmitteleinzelhändler, die Migros-Gruppe,
behält importierte Markenprodukte vorläufig noch in den Regalen. Gestern
kündigte das Unternehmen jedoch an, ab kommenden Montag 500 Artikel von
Nestlé, Ferrero, Beiersdorf, Procter & Gamble, Unilever und L"Oréal
um 10 bis 20 Prozent günstiger anzubieten. Es werden unter anderem jene Marken
verbilligt, die Coop aus dem Sortiment nimmt. Die seit Juli geführten
aktuellen Verhandlungen mit den Lieferanten hätten zu ersten Resultaten
geführt, betont Migros in einer Medienmitteilung. Seit Jahresbeginn habe
man insgesamt rund 4.000 Produkte verbilligt. Über das gesamte
Sortiment ergebe sich daraus eine Vergünstigung von mehr als 300 Miollionen
Franken.
Schweizer Regierung stützt Wirtschaft mit zwei Milliarden Franken
Der Schweizer Bundesrat - die Regierung des Landes - hat nach Angaben
der Nachrichtenagentur sda am Mittwoch Maßnahmen zur Abfederung des
starken Frankens beschlossen. Die eidgenössische Wirtschaft soll mit zwei Milliarden Franken (1,75 Milliarden Euro) gestützt werden, wie
Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann mitteilte. Das
Maßnahmenpaket soll dem Parlament in der Herbstsession vorgelegt werden.
Profitieren sollen vor allem die Exportwirtschaft und der Tourismus.
(Schluss) kam
aiz
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