Amiens - In Frankreich hat der Verband der Biobauern (FNAB) das nachlassende Engagement der Regierung bei den staatlichen Hilfen für die Umstellung auf den Ökolandbau beklagt.
Die Preise für biologische Produkte sinken. Immer mehr britische Farmer stellen deshalb wieder auf konventionelle Produktion um.
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Dadurch werde es immer unwahrscheinlicher, das auf dem Grenelle-Umweltgipfel beschlossene Ziel des damaligen Landwirtschaftministers Michel Barnier zu erreichen, warnte FNAB-Präsident Dominique Marion auf dem Jahreskongress der Organisation, der kürzlich im nordfranzösischen Amiens stattfand. Demnach sollen bis 2012 bereits sechs Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche Frankreichs für den ökologischen Anbau genutzt werden.
Mit den Umstiegshilfen sei Paris seit längerem in Verzug. Ende März hätten die Biobauern noch immer auf die Zuschüsse für 2010 gewartet, wodurch zahlreiche Betriebe in Schwierigkeiten geraten seien. Der FNAB sei es leid, ständig um die Auszahlung der Hilfen bitten zu müssen, sagte Marion. Man erwäge deshalb, in Brüssel vorstellig zu werden, um Frankreich zur Einhaltung der Fristen zu zwingen.
Der Fachverband bedauerte zugleich, dass die Verschiebung der
EU-Beihilfen zugunsten der Biolandwirtschaft von der Ersten in die
Zweite Säule zu einer Flächenermittlung geführt habe, die vor allem
kleinere Betriebe mit einem Areal von weniger als 50 Hektar benachteilige,
obwohl sie in der Biolandwirtschaft die Mehrheit stellten. Der von
Landwirtschaftsminister Bruno Le Maire angekündigte Ausgleich
sei bislang noch nicht umgesetzt worden.
Für Unruhe sorge weiterhin die
Tatsache, dass der Runderlass mit den Rahmenbedingungen für die
Zahlungen aus dem EU-Haushalt für 2011 noch immer nicht veröffentlicht
worden sei. Notwendig wäre indes eine mehrjährige Vereinbarung, um den
Biobauern mehr Sicherheit zu geben, forderte der FNAB.
Für den FNAB stelle sich konkret die Frage, inwieweit die anhaltenden
Probleme bei den Zahlungen ein Grund dafür seien, dass seit Anfang 2010
das bisherige Interesse der französischen Betriebsleiter an einer
Umstellung auf die Biolandwirtschaft deutlich nachgelassen habe, hieß es
in Amiens. Die Verbandsführung regte deshalb auf ihrer
Jahresversammlung die Schaffung von "Umstellungszentren" an, in denen
sämtliche Akteure ohne ideologische Grabenkämpfe Mittel und Wege
diskutieren sollten, um den Biobauern ihren Weg zu erleichtern. Zugleich
will der FNAB dafür kämpfen, dass die Hilfen aus dem Agrarressort
zugunsten der Biolandwirtschaft nicht, wie geplant, 2011 gegenüber dem
Vorjahr erheblich reduziert werden, zumal die aktuelle Entwicklung der
Branche ein deutliches Signal benötige.
Als weiteren Schritt schlägt der Verband vor, die verschiedenen
obligatorischen Abgaben, die von den Biobauern ebenso wie von den
konventionellen Betriebsleitern an das gesonderte Verrechnungskonto
(CASDAR) beim Pariser Landwirtschaftsministerium und an die
Interprofessionen zu zahlen sind, wenigsten zugunsten des Ökolandbaus zu
nutzen. Nach Aussage des FNAB zahlen beispielsweise die Biomilchbauern
pro Jahr 680.000 Euro an die französische Milchinterprofession CNIEL,
ohne davon in vollem Umfang zu profitieren. "Wir finanzieren mit anderen
Worten die Förderung der konventionellen Landwirtschaft, obwohl unser
eigener Forschungs- und Entwicklungsbedarf außerordentlich hoch ist",
bemängelte Marion. Dabei sei die Biolandwirtschaft zunehmend für ihre
umweltschonenden Praktiken, insbesondere mit Blick auf die
Wasserqualität in sensiblen Zonen, anerkannt.
Man müsse sich
mittlerweile die Frage stellen, ob Angst vor einem Erfolg der
Biolandwirtschaft bestehe, zumal andere Bereiche, darunter
Biokraftstoffe, Steuervergünstigungen in Höhe von 196 Millionen Euro erhielten
und die Forschung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) mit 150.000 Euro gefördert werde.