Der Kälteeinbruch am Schwarzen Meer und in weiten Teilen Europas hat für die höchsten Weizenpreise seit sieben Monaten gesorgt. Die Angst vor Auswinterungsschäden in den wichtigsten Anbauregionen wächst.
Die im Februar aufgetretenen Fröste könnten auch in Deutschland zu Auswinterungsschäden geführt haben.
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Vorausgegangen war dem Kälteeinbruch ein trockener Herbst und sowie ein bis dahin meist sehr milder Winter. Das Wachstum des Wintergetreides war schon relativ weit fortgeschritten und weder in den Schwarzmeerländern noch in Nord- und Westeuropa war ausreichend Schnee zum Schutz der Wintersaaten vorhandenen.
Erste Schätzungen aus den Schwarzmeerländern gehen wegen der geringen Schneebedeckung und den sehr niedrigen Temperaturen von beträchtlichen Frostschäden aus. Ein Ende der Frostperiode von teilweise mehr als 20 Grad Minus ist noch nicht abzusehen.
Für den russischen Winterweizen rechnet der US-Wetterdienst Commodity
Weather Group (CWG) auf Basis von Satellitenbeobachtungen Anfang Februar
mit Auswinterungsschäden von etwa 15 Prozent beim Winterweizen und 20 Prozent bei
der Wintergerste. Allein beim Weizen ist eine Fläche von fast zwei Millionen Hektar
betroffen. In den letzten drei Jahren wurden in Russland zwischen 25,5
und 28,7 Millionen Hektar Weizen angebaut. Etwa die Hälfte dieser Fläche (13 bis
14 Millionen Hektar) wurde mit Winterweizen bestellt.
Die Hauptanbaugebiete
liegen in Südrussland (östlich vom Schwarzen Meer), im Wolgadistrikt und
im südlichen Zentralrussland. Hier wachsen rund 70 Prozent des russischen
Winterweizens. Wegen der deutlich höheren Erträge liefert der
Winterweizen zwei Drittel der gesamten russischen Weizenernte. Ein
Ausgleich möglicher Frostschäden durch den Ausbau des Sommerweizenanbaus
ist deshalb nur bedingt möglich.
In den letzten Jahren lagen die
Auswinterungsschäden bei Winterweizen in Russland zwischen fünf und zehn Prozent.
Ernteaussichten und Unwetterschäden: So war's im Juni
Ukraine am härtesten betroffenen
Besonders hart hat der Frosteinbruch die Ukraine getroffen. Hier befand
sich nach Angaben des Ministeriums ohnehin schon knapp ein Drittel des
Winterweizens in sehr schlechtem Zustand. Grund war die lang anhaltende
Trockenheit im letzten Herbst. Hinzu kam jetzt der Kälteeinbruch, in
Verbindung mit der in weiten Teilen des Landes fehlenden oder sehr
dünnen Schneedecke. Vor diesem Hintergrund hält der US-Wetterdienst
Commodity Weather Group (CWG) Auswinterungsschäden von bis zu 33 Prozent für
möglich. Bei einer Winterweizenfläche von rund 6,5 Millionen Hektar wären dies
immerhin gut zwei Millionen Hektar. Bereits zuvor hatten staatlichen Stellen auf
rund 15 Prozent der Fläche mit dem Umbruch sowie dem Anbau von Sommergetreide
(Gerste, Mais) gerechnet.
Der Anbau von Sommerweizen spielt in der
Ukraine (anders als in Russland) kaum eine Rolle. Sollten sich die
bisherigen Schätzungen bestätigen, hätte dies erhebliche Auswirkungen
auf die kommende ukrainischen Weizenernte und die Exportmöglichkeiten.
Dauerfrost auch in Europa
In weiten Teilen Süd- und Nordeuropas herrschen derzeit ebenfalls extrem
niedrige Temperaturen. Aus wichtigen Weizenbauregionen wie Rumänien,
Frankreich, Deutschland, Polen und auch aus dem Vereinigten Königreich
wurde zuletzt Dauerfrost bei geringer oder fehlender Schneedecke
gemeldet. In diesen Ländern halten Wetterdienste derzeit ebenfalls
Auswinterungsschäden beim Winterweizen von regional bis zu 15 Prozent für
möglich. Noch stärker betroffen könnten
Gerste und Raps sein.