Donnerstag, 24.05.2012
Brandenburg: Frühjahrsbestellung nicht möglich
Potsdam - Die Überschwemmungen vom Herbst des vergangenen Jahres wirken in Brandenburg nach: In einigen Regionen steht die Frühjahrsbestellung still.
Die Frühjarsbestellung steht in einigen Regionen Brandenburgs still. Ursache sind die Überschwemmungen vom Herbst.
© Mühlhausen/landpixel
Seit Anfang August 2010 sind im Oderbruch und den Einzugsgebieten von Elster und Spree zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe vom Wasser in Mitleidenschaft gezogen worden.
"In Brandenburg sind derzeit noch rund 120.000 Hektar (ha) vom Wasser und seinen Folgen betroffen. 50 bis 80 Millionen Euro Verluste, beziehungsweise zusätzliche Kosten sind zu beklagen. Dazu zählen die Ernteausfälle im Sommer 2010, niedrigere Erträge 2011 durch Sommerung, Kosten für Neubestellungen/Nachsaaten, die Flächenberäumung und Futterzukäufe. Hilfe vom Land ist für die Betriebe bitter nötig", sagte Udo Folgart, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg im Rahmen eines Pressegesprächs.
Henrik Wendorff, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Märkisch-Oderland bezifferte die Schäden alleine für die Ernteausfälle im Oderbruch auf 15 bis 20 Millionen Euro. Hier sind etwa 30.000 ha LN (von 70.000 LN im Oderbruch) immer noch vom Wasser in Mitleidenschaft gezogen und nicht zu bewirtschaften.
Landwirte bemängeln Bewirtschaftung der Landesgewässer
Im Unterschied zum brandenburgischen Umweltschutzministerium (MUGV) und dem Landesamt für Umwelt (LUGV) sehen die Landwirte den
überwiegenden Teil der Probleme nicht den Niederschlägen geschuldet,
sondern in einer vernachlässigten Bewirtschaftung der
Landesgewässer/Vorfluter.
Gut sei, dass sich jetzt drei Ministerien und ein "Oderbruchverantwortlicher" mit der Lösung des Problems beschäftigten,
jedoch ist Henrik Wendorff ob des möglichen Ergebnisses eher skeptisch. "Wir
brauchen endlich ein öffentliches und echtes Bekenntnis zum
Wirtschaftsraum Oderbruch. Wir sind flächendeckend ein Agrarland mit
Arbeitsplätzen im ländlichen Raum und kein Land der Leuchtturmregionen",
betont Gerhard Steffen, Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Vermögensverwaltungsgesellschaft.
Dauerhafte Vernässung befürchtet
Bodo Schulz,
Landwirt aus Neuküstrinchen und Fraktionsvorsitzender der
Fraktion Bauernverband MOL im Kreistag befürchtet ein dauerhaftes
Verbleiben des Wassers auf den landwirtschaftlichen Flächen. Otto Knoll, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Rettet das Oderbruch",
bemängelte die "Arroganz und Abgehobenheit der Leute in Potsdam (MIL
& LUA)". "Wir vom Verein zur Erhaltung des Oderbruchs haben im
November 2010 einen Brief mit Unterschriften eingesandt. Die halten es
noch nicht einmal für nötig den Eingang des Schreibens zu bestätigen,
geschweige zu beantworten."
Landesbauernverband verabschiedet Positionspapier
LBV-Präsident Udo
Folgart forderte ein eindeutiges Bekenntnis zum
Oderbruch und seinen Menschen. "Wir haben hier einen sehr fruchtbaren
Boden, wir geben den Menschen Arbeitsplätze und wir sollen unsere
Bevölkerung mit guten Lebensmitteln - möglichst aus der Region -
versorgen."
Als Reaktion auf die "undurchsichtige Situation"
bei der Gewässerunterhaltung in Brandenburg hat der Landesbauernverband
ein Positionspapier verabschiedet. "Gegen vollgelaufene Keller in den
Ortschaften und überschwemmte Felder und Wiesen hilft nur ein
abgestimmtes und leistungsfähiges Gewässerbewirtschaftungskonzept, das
zuallererst dem Wohl der Menschen dienen muss", so Folgart. Dazu gehöre
es auch, von "überzogenen" Naturschutzforderungen Abstand zu halten.
pd
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