Donnerstag, 24.05.2012
Agrarminister finden klare Worte zu Ciolos' Plänen
Brüssel - Die EU-Landwirtschaftsminister bezogen am Montag in Brüssel ausführlicher als bislang Stellung zu den Plänen von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos über die Zukunft der Direktzahlungen.
EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos geht auf die Mitgliedsstaaten zu. Nationale Agrarumweltmaßnahmen könnten jetzt für das Greening angerechnet werden.
© EbS
Unter dem Strich wurden jedoch die bereits im Oktober vertretenen Positionen bekräftigt. Während ein Großteil der Mitgliedstaaten vor mehr Verwaltungsaufwand warnte, wurden die einzelnen Elemente des Vorschlags vor dem Hintergrund der jeweiligen nationalen Ausgangslage erörtert: Den Mittelmeerländern schmeckt die geplante Umstellung auf eine Regionalprämie nicht, wobei sich Griechenland noch am ehesten mit diesem Gedanken anfreunden könnte.
Bulgarien fordert sofortige Anhebung auf 80 % des EU-Mittels
Von den neuen Mitgliedstaaten wurde bekräftigt, dass die geplante
Anpassung der Mittelverteilung nicht ausreichend sei. Kritisiert wurde
aus den Reihen der EU‑12 sowohl die Idee, die Lücke bis zu 90 % des
EU-Durchschnitts lediglich um ein Drittel zu schließen, als auch die
Übergangsfrist. Bulgarien beispielsweise forderte eine sofortige
Anhebung ab 2014 auf 80 % des EU-Mittels. Die von Kürzungen betroffenen
Länder wiederum machten deutlich, dass sie nicht jeden Preis zu zahlen
bereit sind. Großbritannien plädierte weiter für einen Ausbau der
ländlichen Entwicklung zu Lasten der Ersten Säule.
Komplizierte Direktzahlungsstruktur und starke Beihilfeeinbußen befürchtet
Staatssekretär Dr. Robert Kloos vom
Bundeslandwirtschaftsministerium hält die geplante Struktur der
Direktzahlungen mit diversen Unterprogrammen für zu kompliziert. Die
Regelungen für Kleinbetriebe und Junglandwirte vorgesehenen Regelungen
sollten höchstens freiwillig durchgeführt werden können, der Anteil der
produktionsgekoppelten Beihilfen im Zeitablauf weiter sinken. Auch vom
Konzept des aktiven Landwirts erwartet Kloos unverhältnismäßig mehr
Bürokratie. Hinsichtlich der ökologischen Vorrangflächen verlangte er
von der Kommission Aufklärung, wie dies praktisch umgesetzt werden
soll.
Kloos sprach sich dafür aus, nicht nur Biobetriebe von der
Ökologisierungspflicht auszunehmen, sondern auch Agrarumweltmaßnahmen
mit dem Greening zu verrechnen. Die Deutschland ins Haus stehenden
Abstriche durch eine Umverteilung der Beihilfen zugunsten der neuen
Mitgliedstaaten bezeichnete der Staatssekretär als "nennenswert". Über
die Höhe müsse man noch diskutieren. Er pochte erneut darauf, solche
Umverteilungen nur in der Gesamtschau mit ländlicher Entwicklung und
den Strukturfonds vorzunehmen.
Cioloş äußert sich zurückhaltend auf die vorgebrachten Einwände
EU-Agrarkommissar Dr. Dacian Cioloş wollte sich unterdessen nicht
darauf festlegen, bei welchen Punkten er zum Entgegenkommen bereit ist
und wo nicht. Schließlich stehe man noch ganz am Anfang des
Verhandlungsprozesses, so Cioloş vor Journalisten. Gleichzeitig hob er
die Bedeutung des Europaparlaments hervor: Zum ersten Mal bei einer
Agrarreform seien es nicht die Mitgliedstaaten allein, die entschieden.
Nach Darstellung des Kommissars kann zumindest ein Teil der geäußerten
Kritik auf Verständnisprobleme zurückgeführt werden. Einige Fragen
seien im Gespräch mit den Mitgliedstaaten bereits ausgeräumt worden. Es
sei Aufgabe der Regierungen, sich jetzt weiter im Detail mit den
Vorschlägen zu beschäftigen.
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AgE
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