Brüssel - Wie soll die Gemeinsame Agrarpolitik künftig aussehen? Darüber gehen die Meinungen der landwirtschaftlichen Verbände weit auseinander.
Welcher Weg ist der richtige? Bei einer Anhörung der landwirtschaftlichen Verbände über die künftige Agrarpolitik kam es zu einem handfesten Streit.
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Die Osteuropäer fordern höhere Direktzahlungen, die Westeuropäer kritisieren Produktionseinschränkungen und die Kleinbauernorganisationen möchten den Wettbewerb begrenzen. Ein handfester Krach begleitete eine Anhörung der landwirtschaftlichen Verbände in dieser Woche im Europäischen Parlament in Brüssel.
Die großen europäischen Dachverbände wie Copa/Cogeca (EU Landwirte- und Genossenschaftsverbände) hatten deutlich die längste Redezeit. Die Ökobauern, die Umweltverbände und die Kleinbauern fühlten sich benachteiligt. Im Vorfeld zum Reformvorschlag wurde den Nichtregierungsorganisationen (NGO) von der EU-Kommission noch viel Platz eingeräumt. Jetzt konzentrierte sich die polnische Ratspräsidentschaft auf die traditionellen Agrarverbände. Die Zeit während einer Anhörung sei nun mal begrenzt, begründete der polnische Ratspräsident Marek Sawicki seine Auswahl.
Copa-Präsident Gerd
Sonnleitner lehnt vor allem die geforderten sieben Prozent
Naturfläche ab. Neue Umweltauflagen dürften die Erzeugung nicht
einschränken, forderte er. Ansonsten drohten höhere Lebensmittelpreise
oder zunehmende Importe. "Ein Mehr an Einschränkungen für die Landwirte,
ohne daraus Vorteile ziehen zu können, führt zu gesteigerten
Betriebskosten und einer reduzierten Wettbewerbsposition der EU-Agrar-
und Ernährungswirtschaft", betonte Sonnleitner.
EU-Agrarkommissar
Dacian Ciolos konterte, 30 Prozent der Direktzahlungen könnten der
Landwirtschaft verloren gehen, wenn sie nicht im Sinne der Umwelt neu
definiert würden.
Cogeca will Wachstum beflügeln
Paolo Bruni, Präsident des europäischen Genossenschaftsverbandes Cogeca,
betonte, die Reform müsse das Wachstum des Agrarsektors beflügeln. Er
sei für eine bessere Organisation der Landwirte. Genossenschaften seien
dafür die beste Form und diese sollten nicht von Erzeugergemeinschaften
in Frage gestellt werden. Gleichzeitig forderte Bruni eine Anpassung der
EU-Wettbewerbsregeln, um die Bedeutung der Genossenschaften zu
steigern.
Junglandwirteverband fordert verpflichtende Zuschüsse für Betriebseinsteiger
Joris Baeke, Präsident des europäischen Junglandwirteverbandes Ceja,
möchte, dass Zuschüsse für Betriebseinsteiger von allen
EU-Mitgliedstaaten verpflichtend angeboten werden. Die Kommission hat
dagegen eine freiwillige Lösung vorgeschlagen. Die Jungbauern sind der
Ansicht, die Liste der neuen Umweltauflagen sollte verlängert werden.
Die Teilnahme solle aber freiwillig bleiben, erklärte Baeke.
Osteuropäer für rasche Angleichung der Direktzahlungen
Die Umwelt- und Ökoverbände lobten überwiegend den Kommissionsvorschlag,
warnten aber vor einer Verwässerung in den Verhandlungen. Der
Kleinbauernverband Via Campesina forderte eine Abkehr von der
Liberalisierung der Agrarmärkte, um ein weiteres Höfesterben zu
vermeiden. Bei den meisten osteuropäischen Landwirtschaftsverbänden
dominiert ein Thema. Sie verlangen eine raschere Angleichung der
Direktzahlungen.