Donnerstag, 24.05.2012
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Grüne Gentechnik - Fluch, Segen oder beides?
Hessen - BASF und KWS wollen gemeinsam eine gentechnisch veränderte Zuckerrübe züchten, die gesamte Amflora-Ernte aus MVP wird entsorgt. Wir fragen Ulrich Steul nach seiner Meinung.
Ackerbau mit Getreide, Raps und Zuckerrüben
Ulrich Steul, 61138 Niederdorfelden Hessen
"Ich bewirtschafte einen Ackerbaubetrieb mit, 100 Hektar in der Rhein-Main Region. Im Anbau habe ich 55 Prozent Winterweizen, 25 Prozent Winterraps, zwölf Prozent Futtererbsen und acht Prozent Zuckerrüben.
Kein Vorteil für die Landwirtschaft
Meine Meinung zur Grünen Gentechnik: Ich denke nicht, dass am Ende
ein Vorteil für die Landwirtschaft dabei rauskommt. Vielmehr wird die
Abhängigkeit von Konzernen steigen, so wird nämlich der eigene Nachbau
erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht. Ein Jahrhundertealtes
Verfahren, die eigene Ernte wieder auszusäen soll hier abgeschafft
werden. Die Kooperation von Pflanzenzucht und chemischer Industrie legt
die Vermutung nahe, dass es in Zukunft dann nur noch "Packs" aus Saatgut
mit Pflanzenschutzmittel gibt. Hier kann ich nicht mehr selbst wählen,
bzw. ein günstigeres Produkt einsetzen. Das macht den Markt kleiner,
Konkurrenten verschwinden, die Preismacht einzelner wird größer.
Unvorhersehbar finde ich tatsächlich die Folgen für die Umwelt und
andere Organismen. Länder in denen Gentechnik schon seit Jahren
eingesetzt wird, haben ja auch nicht unbedingt nur positive Erfahrungen
damit gemacht (z. B. das Verbot der gentechnisch veränderten Zuckerrüben
in den USA vergangenes Jahr und die erneute Zulassung). Warum der
Landwirt die moralische Instanz sein muss, ist mir nicht klar.
Letztendlich wird doch nur produziert was nachgefragt wird. Ich finde
den Trend bedenklich, wenn ich moralische Entscheidungen treffen muss,
die eigentlich Aufgabe des Verbrauchers sind. Wenn dieser gentechnisch
veränderte Produkte nicht nachfragt, werden sie auch nicht produziert.
Dabei setze ich eine hundertprozentige Kennzeichnung auch in der zweiten
und dritten Verarbeitungsstufe zwingend voraus, wie die Kennzeichnung
der Milch, wenn eine Kuh gentechnisch veränderten Mais gefressen hat.
Ich denke, wir sollten unserer Verantwortung gerecht werden eine intakte
Kulturlandschaft auch unseren Kindern zu hinterlassen. Wie die
wirtschaftlichen Zwänge in der Zukunft aussehen, kann man auch nicht
wissen. Vielleicht gibt es in Zukunft Schädlinge, die nur noch durch die
Gentechnik aufgehalten werden können. Solange wir aber nicht gezwungen
sind und nach wie vor gute Ernten einfahren, würde ich persönlich von
Gentechnik die Finger lassen.
Grenzen im Promillebereich mit hohen Bußgeldern
Die Nulltoleranz bei Saatgut ist natürlich ein unkalkulierbares
Risiko für die Vermehrer. Hier muss eine praxisgerechte Toleranz her,
dass nicht schon bei allergeringsten Spuren umgebrochen werden muss.
Aber der Vermehrer darf auch nicht zu leichtfertig damit umgehen. Die
Haftung muss hundertprozentig beim Vermehrer liegen. Die Strafe muss
schmerzlich sein, letztendlich geht es auch hier darum, einen
genetischen (Saatgut-) Pool rein zu halten. Beim Futtermittel sehe ich
es ebenso, es darf nicht zu einer Art Freibrief für die kontrollierte
Beimischung kommen. Denkbar wäre hier eine Grenze im geringsten
Promille-Bereich, verbunden mit hohen Bußgeldern."
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