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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Betriebsführung » Produktion und Förderung » Wochenfrage-Gentechnik » Gentechnik-Steul ]
Donnerstag, 24.05.2012
Seiten:  1 2 3 4 
Wochenfrage-Gentechnik | 11.03.2011 Redaktion agrarheute.com

Grüne Gentechnik - Fluch, Segen oder beides?

Hessen - BASF und KWS wollen gemeinsam eine gentechnisch veränderte Zuckerrübe züchten, die gesamte Amflora-Ernte aus MVP wird entsorgt. Wir fragen Ulrich Steul nach seiner Meinung.

Ackerbau mit Getreide, Raps und Zuckerrüben

Ulrich Steul, 61138 Niederdorfelden Hessen
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Ulrich Steul, 61138 Niederdorfelden Hessen
"Ich bewirtschafte einen Ackerbaubetrieb mit, 100 Hektar in der Rhein-Main Region. Im Anbau habe ich 55 Prozent Winterweizen, 25 Prozent Winterraps, zwölf Prozent Futtererbsen und acht Prozent Zuckerrüben.

Kein Vorteil für die Landwirtschaft

Meine Meinung zur Grünen Gentechnik: Ich denke nicht, dass am Ende ein Vorteil für die Landwirtschaft dabei rauskommt. Vielmehr wird die Abhängigkeit von Konzernen steigen, so wird nämlich der eigene Nachbau erschwert, wenn nicht sogar unmöglich gemacht. Ein Jahrhundertealtes Verfahren, die eigene Ernte wieder auszusäen soll hier abgeschafft werden. Die Kooperation von Pflanzenzucht und chemischer Industrie legt die Vermutung nahe, dass es in Zukunft dann nur noch "Packs" aus Saatgut mit Pflanzenschutzmittel gibt. Hier kann ich nicht mehr selbst wählen, bzw. ein günstigeres Produkt einsetzen. Das macht den Markt kleiner, Konkurrenten verschwinden, die Preismacht einzelner wird größer. Unvorhersehbar finde ich tatsächlich die Folgen für die Umwelt und andere Organismen. Länder in denen Gentechnik schon seit Jahren eingesetzt wird, haben ja auch nicht unbedingt nur positive Erfahrungen damit gemacht (z. B. das Verbot der gentechnisch veränderten Zuckerrüben in den USA vergangenes Jahr und die erneute Zulassung). Warum der Landwirt die moralische Instanz sein muss, ist mir nicht klar. Letztendlich wird doch nur produziert was nachgefragt wird. Ich finde den Trend bedenklich, wenn ich moralische Entscheidungen treffen muss, die eigentlich Aufgabe des Verbrauchers sind. Wenn dieser gentechnisch veränderte Produkte nicht nachfragt, werden sie auch nicht produziert. Dabei setze ich eine hundertprozentige Kennzeichnung auch in der zweiten und dritten Verarbeitungsstufe zwingend voraus, wie die Kennzeichnung der Milch, wenn eine Kuh gentechnisch veränderten Mais gefressen hat. Ich denke, wir sollten unserer Verantwortung gerecht werden eine intakte Kulturlandschaft auch unseren Kindern zu hinterlassen. Wie die wirtschaftlichen Zwänge in der Zukunft aussehen, kann man auch nicht wissen. Vielleicht gibt es in Zukunft Schädlinge, die nur noch durch die Gentechnik aufgehalten werden können. Solange wir aber nicht gezwungen sind und nach wie vor gute Ernten einfahren, würde ich persönlich von Gentechnik die Finger lassen.
 

Grenzen im Promillebereich mit hohen Bußgeldern

Die Nulltoleranz bei Saatgut ist natürlich ein unkalkulierbares Risiko für die Vermehrer. Hier muss eine praxisgerechte Toleranz her, dass nicht schon bei allergeringsten Spuren umgebrochen werden muss. Aber der Vermehrer darf auch nicht zu leichtfertig damit umgehen. Die Haftung muss hundertprozentig beim Vermehrer liegen. Die Strafe muss schmerzlich sein, letztendlich geht es auch hier darum, einen genetischen (Saatgut-) Pool rein zu halten. Beim Futtermittel sehe ich es ebenso, es darf nicht zu einer Art Freibrief für die kontrollierte Beimischung kommen. Denkbar wäre hier eine Grenze im geringsten Promille-Bereich, verbunden mit hohen Bußgeldern."
 
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