München - Jedes noch so kleine "Sonnenfenster" wurde in den letzten Wochen von Landwirten genutzt. Nach dem wechselhaften Sommerwetter neigt sich die Getreide- und Ölsaatenernte jetzt dem Ende zu.
In den letzten Wochen des alten Jahres haben die Berichte über die Trockenheit in Argentinien und im Süden Brasiliens zu einem kräftigen Anstieg der globalen Mais-, Soja- und auch Weizenpreise geführt.
© Mühlhausen/landpixel
"Es liegen nervenaufreibende Wochen hinter uns", sagt Leonhard Keller, Vorsitzender des Landesfachausschusses für pflanzliche Produktion im Bayerischen Bauernverband. Hätten die Landwirte nicht jede Regenpause genutzt und auf die jetzige Schönwetterperiode gewartet, hätten durch die häufigen Regenfälle die Qualitätsparameter des Getreides gelitten, Brotgetreide wäre dann zu Futtergetreide geworden. Allerdings müssten insbesondere Franken und die Oberpfalz mit Ertragsausfällen rechnen.
Insgesamt rechnet Keller, dass die bayerischen Landwirte in diesem Jahre
eine leicht bessere
Getreideernte eingefahren haben als im Vorjahr mit
6,2 Millionen Tonnen Getreide (ohne Körnermais). Trotzdem bleibe die Erntemenge
deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt von 6,6 Millionen Tonnen.
Insgesamt
sei es dieses Jahr besonders schwierig einen genauen Überblick über die
Erträge zu bekommen, weil auch regional die Erträge extrem stark
schwanken, so der Getreidepräsident.
"Nervenaufreibend waren aber nicht nur die letzten Wochen der Ernte", so
Keller. "Es liegt eines der schwierigsten Anbaujahre der letzten
Jahrzehnte hinter uns. Schwierige Aussaatbedingungen im Herbst letzten
Jahres, Auswinterungsschäden, Spätfröste, Frühjahrtrockenheit,
Hagelschlag und die Wetterlotterie der letzten Wochen haben vielerorts
nicht nur Mindererträge bis hin zu Totalschäden verursacht, sondern auch
an den Nerven der Landwirte gezerrt", resümiert Keller.
Hätten die
Landwirte in den letzten Wochen nicht jede Regenpause genutzt und auf
die jetzige Schönwetterperiode gewartet, wären durch häufige Regenfälle
die Qualitäten des Getreides gemindert worden. Um die Qualität des
Getreides zu sichern - vorausgesetzt die Felder waren befahrbar -
mussten die Landwirte bei der Ernte teilweise höhere Feuchtgehalte in
Kauf nehmen. Um es lagerfähig zu machen, muss das Korn getrocknet
werden. Dies verursacht zusätzliche Kosten., die in diesem Jahr deutlich
gestiegen seien.
In Südbayern ist die Getreide- und Ölsaatenernte weitgehend beendet,
auch in Franken und der Oberpfalz steht nur noch wenig Getreide auf den
Feldern. Das Süd-Nord-Gefälle, dass bei den Getreideerträgen in Bayern
meist vorherrscht, sei dieses Jahr besonders stark ausgeprägt. Dies
machten die Mitglieder des Landesfachsausschusses für pflanzliche
Produktion in ihrer heutigen Sitzung deutlich.
Mindererträge von minus
30 bis 50 Prozent bei Getreide, vielerorts sogar Totalausfälle meldeten
die Mitglieder aus Franken und Teilen der Oberpfalz.
Dagegen zeichneten
die Vertreter aus Südbayern besonders bei Weizen ein weitgehend
zufriedenstellendes Bild.
Ertragsausfälle gab es bei Wintergerste und
besonders bei Raps bayernweit. Den Schwerpunkt bildeten Franken und
leichte Standorte mit geringen Wasserhaltevermögen. In diesen Gebieten
hat die Frühjahrstrockenheit massive Spuren in Form von Mindererträgen
hinterlassen. Die Hoffung, dass die Ende Juni einsetzenden Regefälle
noch positiv auf die Erträge bei Weizen und Sommergerste wirken,
erfüllten sich meist nur in den Regionen Südbayerns mit schweren Böden.
Auf Standorten mit leichten Böden blieben die Erträge auch bei diesen
Kulturen deutliche unter denen der vergangenen Jahre.
Preis unter dem Einfluss der Warenterminmärkte
Seit Juni haben sich in Folge der Aufhebung des Exports Russland und der
allgemein guten Ernte in der Schwarzmeerregion die Notierungen an den
Warenterminbörsen in Chicago und Paris nach unten bewegt. Infolge dessen
sanken die Erzeugerpreise für Getreide und Raps deutlich. Lag der
Erzeugerpreis Ende Juni für Brotweizen noch bei 24 €/100 kg, erhält ein
Landwirt derzeit ca. 19 €/100 kg. Für Futtergerste werden derzeit 18
€/100 kg und damit weniger als im Juni geboten. Stabiler ist dagegen der
Preis für Braugerste. Mit 24 €/100 kg beträgt der Unterschied im
Vergleich zum Juni nur 1 €/100 kg. Dies ist auf eine äußerst knappe
Versorgungslage bei
Braugerste in der EU zurückzuführen und dem
Fragezeichen hinter der
Braugerstenernte in den skandinavischen Ländern,
welche durch ausgiebige Niederschläge ins Stocken geraten ist.
Ebenfalls deutlich nach unten ging der Erzeugerpreis für Raps. Konnte
Ende Juni noch 46 €/100 kg erlöst werden, sind es heute 35 €/100 kg
weniger. Trotz der knappen
Rapsernte in Deutschland und der EU sank der
Erzeugerpreis. Als Gründe hierfür nennen Marktexperten vor allem den in
den letzten Wochen stark gefallenen Ölpreis. "Positiv ist, dass viele
Landwirte das höhere Preisniveau im Frühjahr für Vorkontrakte genutzt
haben", sagt Keller.
Preisbildung nicht isoliert betrachten
Preisbestimmende Faktoren der nächsten Wochen seien die tatsächlichen
Erntemengen und Qualitäten in den Getreideanbaugebieten der nördlichen
Hemisphäre. Sollten sich die negativen Ernteprognosen in Deutschland und
Europa bestätigen, sei davon aus zugehen, dass sich der Trend wieder
nach oben bewegt. Aber man dürfe die Preisbildung auf dem bayerischen
und deutschen Getreidemarkt nicht isoliert von den internationalen
Getreide- und Ölsaatenmärkten betrachten. Denn die Erntemengen und
Qualitäten in den weltweit wichtigsten Getreideanbauländern, wie USA,
Schwarzmeerregion (Russland, Urkraine und Kasachstan), Kanada oder
Australien beeinflussen über die Warenterminmärkte die Erzeugerpreise in
Bayern genauso wie die unkalkulierbaren Entwicklungen auf den
Finanzmärkten.