Berlin - Der Deutsche Bauernverband schätzt die Getreideernte 2011 auf 39 Millionen Tonnen.
Die
Getreideernte des Jahres 2011 fällt äußerst mager aus, teilte der Deutsche Bauernverbandes (DBV) in seiner abschließenden Erntebilanz mit. Die Erntemenge entspricht einem Rückgang von nahezu 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch im langfristigen Vergleich fällt die Ernte klein aus. „Die extrem ungünstige Witterung während der gesamten Vegetationsphase hat unsere diesjährige Ernte auf das Niveau des extrem trockenen und heißen Jahres 2003 fallen lassen“ berichtete Dr. Klaus Kliem, Vorsitzender des DBV-Fachausschusses für Getreide und Präsident des Thüringer Bauernverbandes, auf der Ernte-Pressekonferenz des
DBV in Berlin.
Für etwas Entspannung bei den Ackerbauern sorgen die aktuellen Erzeugerpreise. Mit derzeit 190 Euro pro Tonne Brotweizen bewegen sie sich auf dem Niveau des Vorjahres. „Das hört sich zunächst besser an, als es für viele Betriebe ist“ kommentierte Kliem die wirtschaftliche Situation. „Denn Einkommen erzielen können nur die Landwirte, die auch etwas zu verkaufen haben. Oft bereitet es aber schon größte Mühe, die geschlossenen Vorverträge einhalten zu können“. Zudem erreiche Brotgetreide vielfach nur noch die Qualität von Futtergetreide. Auch haben die schlechten Erntebedingungen die Kosten, vor allem durch zusätzliche Trocknung, erheblich steigen lassen.
Hinsichtlich zu erwartender Verbraucherpreise wies Präsident Kliem daraufhin, dass auch die weltweit knappe Versorgungslage bei Nahrungsmitteln und spürbare Kostensteigerungen (z. B. für Düngemittel und Energie) zwangsläufig zu höheren Nahrungsmittelpreisen führen werden. Der Anstieg dürfte aber im Rahmen der allgemeinen Inflationsrate bleiben.
Bei den einzelnen Kulturen kommt der
DBV zu folgenden Ergebnissen:
Winterweizen ist mit einer Anbaufläche von 3,19 Millionen Hektar die wichtigste Getreidekultur in Deutschland. Trotz der widrigen Witterungsverhältnisse konnten die Weizenflächen in vielen Regionen Deutschlands schon zu einem großen Teil abgeerntet werden. Eine Ausnahme bilden hier Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern sowie Teile Niedersachsens. Nach den bisherigen Ernteergebnissen ist eine Weizenernte von rund 21 Millionen Tonnen zu erwarten. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang von gut 2 Millionen Tonnen bzw.
12 Prozent. Da Weizen vielfach mit Feuchtegehalten von bis zu 20 Prozent geerntet und anschließend getrocknet wurde, hielten sich die Qualitätseinbußen bisher in Grenzen. Bei den noch zu erntenden Partien werden jedoch nur noch Futterqualitäten erwartet.
Die Erntemenge der Wintergerste beträgt in diesem Jahr nur 6,4 Millionen Tonnen. Damit liegt das Ergebnis knapp 26 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Dies ist auf einen erneuten Rückgang der Anbauflächen um mehr als 8 Prozent auf 1,19 Millionen Hektar zurückzuführen. Zusätzlich sind die Hektarerträge im Bundesdurchschnitt um fast 19 Prozent auf 5,4 Tonnen pro Hektar zurückgegangen.
Die Anbaufläche der
Sommergerste wurde im Vergleich zum Vorjahr um knapp 22 Prozent auf 421.500 Hektar ausgedehnt. Ein hoher Anteil umgebrochener Rapsflächen und deutlich bessere
Braugerstenpreise haben die Attraktivität des Sommergerstenanbaus gesteigert. Das Ertragsbild fällt äußerst heterogen aus. Während in Niedersachsen ein Ertragszuwachs gegenüber dem Vorjahr von über 20 Prozent und niedrige Proteingehalte erzielt werden konnten, fielen in Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt die Erträge gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent, vereinzelt auch um 30 Prozent, ab. Hier fallen die Proteingehalte zudem vielfach zu hoch aus. Im Gesamtergebnis der Sommergerstenernte kommt die Flächenausdehnung aufgrund der teils deutlichen Ertragsrückgänge nur bedingt zum Tragen. Die Erntemenge der Sommergerste liegt bei 1,9 Millionen Tonnen und damit knapp 10 Prozent oberhalb des Vorjahresergebnisses.
Beim Roggen sind ebenfalls deutliche Ertragseinbußen zu verzeichnen. Die Ursache hierfür ist weniger in der Frühjahrstrockenheit, sondern vielmehr in den zu nassen Aussaatbedingungen im vergangenen Herbst zu sehen. Vor allem in den östlichen Bundesländern liegen die Mindererträge in einer Größenordnung von 25 bis 30 Prozent. In Niedersachsen konnte dagegen auch beim Roggen ein Ertragszuwachs von gut 11 Prozent erzielt werden. Insgesamt wurde somit eine Roggenernte von 2,4 Millionen Tonnen eingebracht. Dies entspricht einer um knapp 16 Prozent geringeren Roggenernte. (pd)