Donnerstag, 24.05.2012
Getreide-Terminmärkte: Hysterie löst Bocksprünge aus
Die durch die Erdbeben- und folgende Atomkatastrophe in Japan ausgelöste Hysterie an den internationalen Warenterminbörsen für Agrarrohstoffe wirbelt die Notierungen durcheinander.
Der Raiffeisenverband nahm in seiner jüngsten Präsidiumssitzung ausführlich Stellung zur geplanten GAP.
© Martin Kolb/pixelio
Massive Liquidierungen der von Fonds gehaltenen Positionen prägten das Bild einer Angst von Investoren. Diese befürchteten nach der Natur- und Reaktorkatastrophe erhebliche Auswirkungen auf die globale Konjunkturentwicklung. Viele flüchten deshalb in "sichere Häfen" und ziehen Kapital aus den Agrarmärkten ab.
Investoren streifen Gewinne ein
Nachdem die Terminnotierungen von Agrarrohstoffen dadurch am Montag und
Dienstag dieser Woche ins Bodenlose gestürzt waren, ging am Mittwoch die
Post dagegen wieder nach oben ab. Es hieß, die Investoren hätten sich
angesichts der fundamental nicht rechtfertigbaren Tiefpreise auf "Schnäppchen-Jagd" begeben und jene Verkäufer, die den Markt zuletzt von
einer Long- in eine Short-Position ausverkauften, streiften nun ihre
Gewinne ein.
Terminmärkte für Agrarrohstoffe folgen Aktien- und Rohölmärkten
Die Terminmärkte für Agrarrohstoffe scheinen mit diesen Bocksprüngen das
Auf und Ab an den Aktien- und Rohölmärkten unreflektiert
nachzuvollziehen.
An der Euronext in Paris verlor der europäische Weizenfutures für den
vordersten Liefertermin, Mai 2011, am Dienstag 6,3 Prozent oder 13,75 Euro pro Tonne (EUR pro t) auf
einen Schlusskurs von EUR 203,- pro t bei einem äußerst großen
Handelsvolumen von umgerechnet 2,1 Millionen Tonnen.
Der für die neue Ernte 2011
maßgebliche November-Weizenfutures schloss mit EUR 12,- pro t im Minus
bei EUR 187,75 pro t. Am Mittwoch holte der Weizen an der Euronext im
Vormittagshandel seine Verluste der Vortage wieder um bis zu 5,5 Prozent oder
EUR 9,25 pro t auf.
Ähnlich erging es den Mais- und Rapsfutures an der
europäischen Leitbörse in Paris.
Ähnlich wild auf und ab ging es auch an der US-Leitbörse CBOT in Chicago
und am New Yorker Rohzuckermarkt. Sojabohnen und Mais stürzten am Dienstag
in Chicago ins Limit-Down, also in den größtmöglichen Kursverlust an
einem Handelstag. Weizen schrammte knapp am Limit-Down vorbei, ehe am Mittwoch der vorbörsliche elektronische Handel ebenso
kometenhafte Anstiege der Notierungen vorwegzunehmen schien.
Sinkende Preise stimulieren Nachfrage am physischen Markt
Weiters heißt es, dass die gesunkenen Preise nun auch frische Nachfrage
auf den physischen Märkten stimulierten und die Käufer wieder von den
Seitenoutlinien aufs Spielfeld lockten. So folgte Tunesien mit einer
Ausschreibung für 25.000 Tonnen Weizenimport einem jordanischen Tender auf
den Fersen und soll die Türkei am Montag bei deutschem Weizen
zugeschlagen haben.
aiz
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