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Für die Übernahme der Ernte 2010 stelle die Gründung der Bio-Qualitätsgetreide GmbH die derzeit einzige Lösung dar, die auch große Mengen bewältigen könne, betonte deren Geschäftsführer Engelbert Sperl vor Journalisten.
Gleichzeitig müsse jetzt ein neues System entwickelt werden, "das allen Beteiligten nützt, völlig transparent ist und das auch eine Lösung für die Grünlandbauern im Futtergetreidebereich bietet", so Sperl. Ob das neue Modell auf genossenschaftlicher Basis geschaffen werde, wie das vonseiten der Bundesorganisation Bio Austria gefordert wird, stehe für ihn noch nicht fest.
Wirbel um Biogetreide
Entstanden war der Wirbel, durch die Nichteinhaltung der von der Agentur für Biogetreide zugesagten Mindestpreise für die Ernte 2009. Die Agentur hatte dies den Biobauern am 23.Juni 2010 mitgeteilt und betont, das Getreide sei damals zu überhöhten Preisen eingekauft worden und habe nicht komplett abgesetzt werden können. Übermengen aus zwei Ernten seien nicht am Markt unterzubringen, hieß es in einem von Geschäftsführer Josef Weghaupt und Gesellschafter Andreas Kocourek gezeichneten Brief.
2.200 Vertragslandwirte betroffen
Nur mit der Nichteinhaltung der Mindestpreise könne der Fortbestehend der Agentur gesichert werden. Betroffen sind etwa 2.200 Vertragslandwirte, die offenen Restforderungen werden mit etwa vier Millionen Euro beziffert. Wenn diese Landwirte mehr Geld für die Ernte 2009 bekommen sollten, dann dürfe die Agentur für Biogetreide nicht in Konkurs gehen, erklärte Sperl. In den vergangenen Jahren hätten die Biobauern immerhin sehr gute Erlöse erzielt. Im Vorjahr sei es dann zu den bekannten Problemen gekommen.
Aktuelle Situation
Für die heurige Ernte stelle sich die Situation wieder anders dar: Die Mengen seien zum Teil deutlich geringer, auch die Qualität sei zum Teil beeinträchtigt. Die Übermengen dürften deutlich abgebaut werden. Generell gehe er davon aus, dass sich die Vermarktungslandschaft im Biogetreidebereich in den nächsten Jahren ändern werde, es werde auch mehr Aufkäufer geben. Unterstützt wurde Sperl von Vertretern zweier Landesverbände: Johannes Hornek, Vorstandsmitglied von Bio Austria Burgenland, Rudolf Votzi, Vorstandsmitglied aus NÖ, sowie Matthias Waldstein vom Verein Biologische Ackerfrüchte Österreich (BAF) sprachen sich ebenfalls dagegen aus, die Agentur (an der sie auch beteiligt sind) in Konkurs gehen zu lassen.
Hornek: "Äußerst unbefriedigend"
Die durch die Nichtauszahlung der zugesagten Preise entstandene Situation sei klarerweise "äußerst unbefriedigend", so Hornek. "Wir haben in den vergangenen 15 Jahren gut verdient, im Vorjahr ist es in die Hose gegangen", lautete sein Resümee. Die Agentur habe die Ernte 2009 zu Preisen eingekauft, die der Markt letztendlich nicht hergegeben habe. Daraus müssten nun Konsequenzen gezogen werden. Votzi bezifferte die Einbußen seines Betriebes durch die nicht eingehaltenen Preiszusagen mit 15.000 Euro ( "das tut mir sehr weh") und wies zudem auf das Problem der Überlager hin. Er sprach sich für eine Vermarktungslösung aus, die auch große Mengen handhaben könne. Die Frage, wie das neue Beteiligungsmodell aussehen werde, ist auch für ihn noch offen. Waldstein sieht es positiv, "dass es trotz der aktuellen Probleme gelungen ist, eine kurzfristige Lösung für die Ernte 2010 zu finden".
Reibungsloser Ablauf der Ernte möglich
Da es Verträge mit den Lagerstellen und einen Lizenzvertrag mit dem Qualitätssicherungssystem BSM (eines von mehreren Systemen in diesem Bereich) gebe, sei ein reibungsloser Ablauf der Ernte möglich. Waldstein begrüßte auch die Rückkehr zur bewährten Pooling-Vermarktung statt des Fixpreissystems. Die beiden Vertreter der Landesverbände räumten weiters ein, dass es in der stellenweise sehr hitzig verlaufenden Diskussion über die Probleme der Agentur für Biogetreide auch Kommunikationsprobleme und Meinungsverschiedenheiten mit der Bundesebene von Bio Austria gegeben habe. Gleichzeitig verwahre man sich gegen "Zurufe von außen", wurde betont. (aiz)

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