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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Politik » Politik national » Greening ]
Donnerstag, 24.05.2012
Politik national | 05.09.2011 Redaktion agrarheute.com

Aigner: Greening darf nicht zu mehr Bürokratie führen

Rendsburg - Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hält sich in der Diskussion um die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) weiterhin mit konkreten Festlegungen zurück.
Direktzahlungen werden in Zukunft nur ungekürzt gewährt, wenn Landwirte umfangreiche Umweltanforderungen erfüllen. © bem
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Direktzahlungen werden in Zukunft nur ungekürzt gewährt, wenn Landwirte umfangreiche Umweltanforderungen erfüllen.
© bem
Auf dem schleswig-holsteinischen Bauerntag vergangenen Freitag in Rendsburg bekräftigte die Ministerin zwar ihre grundsätzliche Zustimmung gegenüber einer stärkeren Ökologisierung der Direktzahlungen. Gleichzeitig vermied sie jedoch eine Bewertung einzelner Maßnahmen, wie sie im Rahmen des vorgesehenen Greenings der Ersten Säule erwogen werden. Außer Frage stehe für sie allerdings, so Aigner, dass das Greening "nicht zu noch mehr Bürokratie führen darf". Unter diesem Aspekt werde sie sich die Brüsseler Vorschläge genau anschauen.
 
Die Ministerin wies zudem darauf hin, dass schon bislang Direktzahlungen nur dann ungekürzt gewährt werden, wenn die Landwirte umfangreiche Umweltanforderungen erfüllen. Vor diesem Hintergrund seien Maßnahmen wie "Grünlanderhalt", "vielseitige Fruchtfolge" oder "ökologische Ausgleichsflächen" daraufhin zu prüfen, welcher Nutzen für die Natur und welche Belastungen für die Landwirte damit verbunden seien. Aigner bezeichnete eine starke GAP als "Bestandteil einer verlässlichen und sozialen Agrarpolitik". Sie werde daher in Brüssel für eine solide Finanzierung der EU-Agrarpolitik kämpfen. Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, übte scharfe Kritik an den Greening-Plänen der Kommission.

Gegen Brüche in der Zweiten Säule

"AbrupteÄnderungen bei der Finanzierung darf es nicht geben", erklärte Aigner im Hinblick auf die künftige Mittelausstattung der GAP. Dies gelte auch und vor allem für die Entwicklung des ländlichen Raumes. Aigner: "Ob Ausgleichszahlungen für benachteiligte Gebiete oder Agrarumweltmaßnahmen - wir brauchen diese Mittel aus der Zweiten Säule, um eine nachhaltige Landwirtschaft und einen lebenswerten ländlichen Raum zu sichern." Die Politik habe die Aufgabe, für Planungssicherheit und Verlässlichkeit zu sorgen und sicherzustellen, dass auch künftig eine solide Finanzierung der EU-Agrarpolitik gewährleistet bleibe.
 
Aigner erwartet harte Verhandlungen in Brüssel. "Verlassen Sie sich darauf - ich werde für die Interessen der deutschen Landwirte und unserer Verbraucher kämpfen", kündigte die CSU-Politikerin an. Richtschnur für die EU-Agrarpolitik in der Finanzierungsperiode nach 2013 sei, dass die GAP weiterhin über eine starke Erste Säule und eine finanziell gut ausgestattete Zweite Säule verfüge. Diese Zielsetzung unterstützten neben Deutschland auch die meisten EU-Staaten und das Europäische Parlament.

Wettbewerbsdruck könnte sich erhöhen

Im Vorfeld der Norla wertete Verbandspräsident Schwarz hingegen die bislang bekanntgewordenen Brüsseler Reformvorstellungen als alarmierend. Nicht folgen kann er beispielsweise der Argumentation, ein Greening der Ersten Säule sei notwendig, um die Zahlungen gegenüber der Öffentlichkeit weiter zu rechtfertigen. Schwarz: "Bislang war die Gemeinsame Agrarpolitik davon getragen, eine leistungsfähige und wettbewerbsfähige Landwirtschaft zu entwickeln." Mit diesem Anspruch lasse sich ein Greening jedoch nicht in Einklang bringen. Es führe im Gegenteil dazu, dass sich der Wettbewerbsdruck auf die Betriebe erhöhe. Mit Nachdruck warnte der Verbandspräsident vor noch mehr Bürokratie ohne nennenswerten Nutzen für die Umwelt. Sollten Greening-Maßnahmen dennoch unvermeidlich sein, seien sie so flexibel zu gestalten, "dass die Betriebe damit zurechtkommen". In jedem Fall müssten Strukturbrüche vermieden werden. Dies gelte nicht zuletzt auch für die Diskussion um eine mögliche Kürzung der Direktzahlungen in Abhängigkeit von der Betriebsgröße.

Diskussion aktiv gestalten

Für Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf ist eine größenabhängige Degression der Direktzahlungen allenfalls dann gerechtfertigt, wenn sie nicht über die Kostendegression größerer Betriebe hinausgeht. Gegenüber dem Landeshauptausschuss des Bauernverbandes erteilte sie zugleich einer Bindung der Direktzahlungen an Arbeitskräfte als "zu verwaltungsaufwändig, unflexibel und kontraproduktiv" eine Absage. Problematisch sei auch eine Beschränkung der Zahlungen auf "aktive Landwirte", wenngleich es hier auf die genaue Definition im Legislativvorschlag ankommen werde. Erneut machte die Ministerin deutlich, dass aus ihrer Sicht ein Greening der Direktzahlungen unerlässlich sei. Prämienzahlungen ließen sich künftig nur noch dann durchsetzen, wenn damit neben der Einkommenssicherung nicht handelbare Gemeinwohlleistungen verbunden seien, und zwar in erster Linie für den Natur-, Umwelt- und Klimaschutz. Ihre eigenen Greening-Vorschläge begründete sie mit der Notwendigkeit, die Diskussion aktiv zu gestalten.

Bayern will Ausnahmen beim "Greening"

Bayern akzeptiert ein "Greening" der Ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), drängt aber auf weitgehende Ausnahmeregelungen. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner begründet die Forderung mit der Notwendigkeit, die vorgesehene Kopplung der Direktzahlungen an Umweltstandards möglichst unbürokratisch umzusetzen. In einem Antrag für die nächste Sitzung des Bundesratsagrarausschusses fordert Bayern, Ökobetriebe, Kleinbetriebe bis fünf Hektar sowie Höfe mit hohem Anteil an Grünland oder Ackerfutter generell von den Vorgaben beim "Greening" auszunehmen. "Diese Betriebe leisten schon aufgrund ihrer Struktur einen hohen Beitrag zur biologischen Vielfalt", erläuterte Brunner. Zudem fordert Bayern eine Anerkennung von Landschaftselementen und ökologischen Flächen wie Hecken, Blühflächen oder Biotopen. Obligatorische Vorgaben, die zu hohem Bürokratieaufwand und zur Einschränkung der Gestaltungsspielräume der Länder bei Agrarumweltmaßnahmen führen, werden hingegen abgelehnt. Ob die bayerische Vorlage zur Abstimmung kommt, ist allerdings offen. Nordrhein-Westfalen will in der Sitzung einen Antrag auf Vertagung der GAP-Stellungnahme stellen.
AgE
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