Donnerstag, 24.05.2012
Grünlandzentrum soll Nutzungskonflikte entschärfen
Rodenkirchen - Die Vorstellungen von Umweltschützern und Landwirten bezüglich der Nutzung von Grünflächen unterscheiden sich. Das Grünlandzentrum soll die Konflikte entschärfen.
In den kommenden Tagen gestaltet sich das Wetter wechselhaft und zunehmend wärmer. Es muss gebietsweise mit Schauern und Gewittern gerechnet werden.
© Mühlhausen/landpixel
Während Landwirte ertragreiche Wiesen und Weiden als Futtergrundlage für ihre Tiere benötigen, sieht der Natur- und Umweltschutz im Grünland einen unersetzlichen Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Die Ansprüche der regionalen Wirtschaft sind breit gefächert und reichen vom gepflegten Landschaftsbild für den Tourismus bis hin zum Flächenbedarf für Infrastrukturmaßnahmen und Großprojekte. "Einerseits müssen landwirtschaftliche Betriebe weiter wachsen und ihre Produktion optimieren. Anderseits fordern Natur- und Umweltschutz immer mehr Ersatz- und Kompensationsflächen bei großen infrastrukturellen Vorhaben", weiß auch Arendt Meyer zu Wehdel, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.
Um die sich abzeichnenden Landnutzungskonflikte zu entschärfen, sei ein kooperatives und koordiniertes Handeln aller Akteure notwendig. Hier setze das Grünlandzentrum an, das sich als gemeinsame Plattform zur Bearbeitung grünlandrelevanter Zukunftsfragen versteht.
Dialog zwischen Praxis, Wissenschaft und Verwaltung
"Im Küstengürtel ging die bewirtschaftete Grünlandfläche von 1999 bis
2007 um 13 Prozent zurück", konkretisierte Niedersachsens
Landwirtschaftsminister Gert Lindemann. Langfristig gesichert sei das
Grünland nur, wenn für die Produkte von Wiesen und Weiden eine Nachfrage
am Markt bestehe. Es sei unter anderem Aufgabe des neuen
Grünlandzentrums, weitere Marktpotenziale für die Verwertung von
Grünland zu erschließen.
Der Minister ist damit auf einer Linie mit der Europäischen
Kommission. "Die aktuellen Vorschläge zur Neugestaltung der Agrarpolitik
ab 2013 zeigen, dass Grünland in Zukunft eine stärkere
gesellschaftliche Wertschätzung erfahren wird", sagte Peter Cornelius,
Vorstandsvorsitzender der Trägergemeinschaft Grünlandzentrum
Niedersachsen/Bremen.
Ohne eine konkurrenzfähige und nachhaltige
Milchwirtschaft werde sich allerdings keines der gesetzten Ziele für die
Grünlandregionen erreichen lassen. Das Grünlandzentrum wird nach Auffassung Cornelius’ den Dialog
zwischen Praxis, Wissenschaft und Verwaltung intensivieren. Dabei gehe es auch darum, die
funktionale Vielfalt des Grünlandes in das Bewusstsein der
Öffentlichkeit zu rücken.
Grünlandbetriebe als 'wirtschaftliches Rückgrat der Region'
Dass die Grünlandwirtschaft für den ländlichen Raum ein
wesentlicher Wirtschaftsfaktor ist, machte auch Michael Höbrink, Landrat
im Landkreis Wesermarsch, deutlich. "Als Arbeitgeber und Motor des vor- und
nachgelagerten Bereiches sind die Grünlandbetriebe das wirtschaftliche
Rückgrat unserer Region", sagte Höbrink. Die Wesermarsch sei mit 60.000
Hektar eines der größten zusammenhängenden Grünlandgebiete Deutschlands.
Dass das kein Widerspruch zum Naturschutz sein muss, zeige die
Tatsache, dass nahezu 10.000 Hektar davon EU-Vogelschutzgebiet seien.
Entwicklung zur eigenen Rechtsform geplant
Das "Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen" hat seinen Sitz in
Ovelgönne (Landkreis Wesermarsch) und verfolgt das Ziel, die Einkommen
der Betriebe und Wirtschaftsunternehmen in der küstennahen
Grünlandregion zu sichern und Nutzungskonflikte durch einvernehmliche
Lösungen zu entschärfen.
Zunächst geht das Grünlandzentrum in eine zweijährige Projektphase, in
der es zu einer eigenständigen Rechtsform weiterentwickelt werden soll.
pd
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