Donnerstag, 24.05.2012
GVO-Zulassungen für Mais, Soja und Zuckerrüben in der Pipeline?
Berlin - Während der Anbau von Gen-Organismen in der EU außer in Spanien wegen Verboten derzeit bedeutungslos ist, sorgt sich die heimische Ökoszene über die rechtlichen Grundlagen für Biotech-Kulturen.
"Das Zulassungsverfahren
von Gentech-Panzen hält nicht, was es verspricht",
sagte der Vorstandsvorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft
(BÖLW), Dr. Felix Prinz zu Löwenstein,
über das EU-Verfahren am Montag vergangener Woche vor Pressevertretern
in Berlin. Er forderte die Bundesregierung auf,
sich in Brüssel für die Möglichkeit regionaler Anbauverbote
von Gentech-Panzen einzusetzen. "Wir brauchen eine
gründliche Risikoprüfung, denn einmal in die Natur entlassen,
können GVO nicht wieder zurückgeholt werden", erklärte
der BÖLW-Vorsitzende.chtigte Biotech-Veränderungen hinausgehen.
Bei der Sojapanze MON8770 sei durch den Einbau zusätzlicher
Gene der Stoffwechsel der Panzen unbeabsichtigt verändert
worden. In diesen Panzen, die ein Insektengift produzierten,
sei im Vergleich zu den Kontrollpanzen aus konventioneller
Zucht der Gehalt an Vitamin E verändert. Dies werde auch von
der EFSA eingestanden, ohne dass detaillierte Untersuchungen
der Genaktivität und des Stoffwechselprols der Panzen gefordert
worden seien.
Zulassungen aus Brüssel, Anbauverbote auf nationaler Ebene
Mit seiner Warnung beruft
er sich auf eine von seinem Verband beim ehemaligen Greenpeace-Mitarbeiter Christoph Then mit seinem Büro Testbiotech
in Auftrag gegebene Untersuchung. Kritik wird darin
an der vergleichenden Risikoprüfung geübt. Dabei würden
die Gefahren von Gentech-Panzen mit herkömmlich
gezüchteten grundsätzlich gleichgesetzt. Laut Einschätzung
Thens ist indes zu erwarten, dass die EU-Kommission den
Anbau mehrerer neuer GVO genehmigt.
Allerdings ringt die
Kommission gerade mit den Mitgliedstaaten darum, mögliche
Anbauverbote auf nationaler Ebene auf eine neue Grundlage
zu stellen, während die Zuständigkeit für GVO-Zulassungen
in der Zuständigkeit Brüssels verbleiben soll. Bevor
dieser Spagat nicht gelungen ist, muten neue GVO-Genehmigungen
unwahrscheinlich an.
BÖLW: 20 herbizidtolerante Pflanzen warten auf Zulassung
Bei den von Then erwarteten Zulassungen handelt es sich um
drei Mais-, eine Zuckerrüben- und eine Sojalinie. Aus dem Portfolio
von Monsanto geht es konkret um H7-Zuckerrüben, den
Mais MON88017 sowie um Roundup-Ready-Soja. Außerdem
rechnet Then mit Genehmigungen für den Mais Bt 11 von Syngenta
sowie für den Mais 1507 von Dow AgroSciences und Pioneer.
Dazu kommt als sechstes Produkt noch der herbizidtolerante
Mais NK603 von Monsanto, den die Europäische Behörde
für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bereits 2009 positiv beschieden
hatte. Bisher ist in der EU lediglich der seit 1998 genehmigte
Monsanto-Mais MON810 und die 2010 zugelassene Stärkekartoffel
Amora der BASF für den Anbau erlaubt.
MON810
steht aber nur in Spanien in nennenswertem Umfang auf dem
Acker, in anderen wichtigen Ländern wie Frankreich und
Deutschland gelten national erlassene Anbauverbote. Die Wiederzulassung
von MON810 ist beantragt und von der EFSA bereits
befürwortet. Bei zahlreichen Zulassungsanträgen ist es in
den vergangenen Jahren zu großen Verzögerungen gekommen. Laut BÖLW warten derzeit 20 herbizidtolerante Panzen auf
eine EU-Anbauzulassung.
EFSA-Analysen vermisst
In seiner Studie warnt Then vor veränderten Eigenschaften von
GVO, die über beabsichtigte Biotech-Veränderungen hinausgehen.
Bei der Sojapanze MON8770 sei durch den Einbau zusätzlicher
Gene der Stoffwechsel der Panzen unbeabsichtigt verändert
worden. In diesen Panzen, die ein Insektengift produzierten,
sei im Vergleich zu den Kontrollpanzen aus konventioneller
Zucht der Gehalt an Vitamin E verändert. Dies werde auch von
der EFSA eingestanden, ohne dass detaillierte Untersuchungen
der Genaktivität und des Stoffwechselprols der Panzen gefordert
worden seien.
"Derzeitige Risikoprüfung wird Gefahren von Gentech-Pflanzen nicht gerecht"
Generell verlange die EFSA weder unabhängige
Untersuchungen noch die wissenschaftliche Publikation von
Untersuchungsergebnissen. "In der Regel werden die Dossiers
akzeptiert, die von der Industrie erstellt wurden", heißt es in der
Studie. Die derzeitige Risikoprüfung werde "den spezischen
Gefahren von Gentech-Panzen nicht gerecht", so Thens Fazit.
Roundup schon in kleinen Dosierungen gefährlich?
Er warnt auch vor einem steigenden Verbrauch des Totalherbizids
Glyphosat, das in Kombination mit zahlreichen GVO-Panzen verkauft wird, die resistent gegen das Mittel sind. Gefahren
sieht Then für die biologische Vielfalt, aber auch für die
menschliche Gesundheit. Die behandelten Panzen enthielten
nach der Ernte häug Rückstände der Unkrautvernichtungsmittel
und von deren Abbauprodukten. Es gebe Hinweise darauf,
dass Glyphosat und seine Abbauprodukte schon in wesentlich
geringeren Dosierungen als bisher angenommen wurde gravierende
gesundheitliche Schäden auslösten. Betroffen sein könnten
Hormonsystem, Nervensystem sowie die Embryonalentwicklung.
AgE
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