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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Landtechnik » Spezielles » Händlernetze ]
Donnerstag, 24.05.2012
Spezielles | 14.10.2011 Redaktion Agrartechnik

Händlernetze im Umbruch

Derzeit werden die Vertriebsstrukturen einzelner Marken intensiv umgekrempelt. Mehr denn je stellt sich die Frage: Hat der klassische Fachbetrieb ausgedient?
Witterungsschäden sind teuer: Vor allem wenn im Extremfall umbrochen und neu gesät werden muss. Das könnte sich negativ auf den Landhandel auswirken.© Kverneland
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Witterungsschäden sind teuer: Vor allem wenn im Extremfall umbrochen und neu gesät werden muss. Das könnte sich negativ auf den Landhandel auswirken.
© Kverneland
Wie viele Landmaschinen- Händler hat das Land? Wie viele braucht es noch? Und wie sind diese Betriebe künftig strukturiert? Sicher ist: Die seit Jahr und Tag stabilen rund 5.600 Eintragungen der Handwerksrolle fallen klar in die Kategorie der Potemkinschen Dörfer. Lange Zeit schien die Faustzahl von 60 bis 80 A-Händlern pro Schleppermarke bei den sieben wichtigsten Marken in Deutschland als eine sicher nur grobe, aber halbwegs realistische Hausnummer. Rechnet man einige Exoten hinzu, dürften rund 500 A-Händler als Messlatte gesetzt sein. Zu ihnen gesellen sich schätzungsweise 1.200 bis 1.500 Basis-Händler. Wohlgemerkt: Solche, die hauptamtlich in Sachen Landtechnik unterwegs sind. Motorgerätehändler, Metallverarbeiter und andere Händler, die nur hin und wieder mal einen Heuwender oder Schlepper verkaufen, sind dabei nicht alle berücksichtigt.
 
Zahl der A-Händler sukzessive gesunken
 
Gemessen an der Zahl der Niederlassungen (neudeutsch: outlets), kann man bundesweit von etwa 3.000 Stützpunkten ausgehen, die den Markt weitgehend abdecken. Davon entfallen etwa 400 auf die großen Genossenschaften. Diese Flächenpräsenz dürfte sich auch in Zukunft nicht dramatisch verändern, denn trotz Traktor-Schnellläufern will kein Landwirt weiter als 35 bis 50 Kilometer zu seiner nächsten Werkstatt fahren müssen. Aber die Zahl der Fachhandels-Unternehmen ist deutlich auf dem absteigenden Ast. Schon vor Jahren brachte Henning-C. Paulsen während eines Vortrages anlässlich der Landtechnischen Unternehmertage aus der Perspektive der Firma Claas die Messlatte von 50 AHändlern, mit längerfristiger Tendenz zur 20 bis 30, in die Diskussion.
 
Nicht ganz so deutlich ausgesprochen, aber in der Tendenz ähnlich, schien die Marschrichtung im Hause John Deere. Auch hier ist die Zahl der A-Händler im Laufe der letzten Jahre sukzessive von etwa 75 auf 60 gesunken. Andere Traktorenhersteller wiederum wären über eine derartige Zahl A-Händler vermutlich froh. Denn obwohl offiziell natürlich kein weißer Fleck auf deren Landkarte zu finden ist, kann man bei fast allen anderen nicht von einer wirklich flächendeckenden Präsenz gleich starker Haupthändler sprechen.

Kippt das A-B-System?

Den Marken John Deere, Claas und Fendt gemeinsam ist jedoch, den zunehmenden Exklusivitätsanspruch nicht nur zu erheben, sondern auch in der Position zu sein, ihn umzusetzen.Claas hat dort, wo kein Partner den definierten Weg gehen konnte oder wollte, in der Vergangenheit kurzerhand eigene Niederlassungen etabaliert, die später schrittweise überwiegend in Gesellschaften mit Minderheitsbeteiligung des Herstellers umgewandelt wurden. Wellen schlug in diesem Sommer der Stein, der seitens JohnDeere während der Händlertagung in Portugal in den Marktteich geworfen wurde: die Maßgabe von 25 Millionen Euro Umsatz bei A-Händlern. Der Hersteller bekennt sich eindeutig und ausschließlich zum privaten Fachhandel. Aber angesichts der immer umfassenderen Investitionen, zum Beispiel in technische Ausstattung bis hin zum Thema AMS, Qualifikation der Mitarbeiter, Gebrauchtmaschinenhandling, Vorführ- und Mietmaschinen führe kein Weg daran vorbei, dass die Kernhändler sich in diese Richtung werden bewegen müssen, um ausreichend "return of invest" zu sichern. Die Frage ist nur, wie man dieses Ziel erreicht.
 
Große Unruhe unter den Händlern
 
Die jüngsten Umstufungen von A auf B oder gar Kündigungen von Händlerverträgen lassen vermuten, dass dieser Weg eher rasch denn evolutionär beschritten werden soll. Die Unruhe unter den Händlern ist groß, und mancher fragt sich nach seinen Perspektiven. Nirgendwo laut ausgesprochen, aber hinter vorgehaltener Hand diskutiert wird zudem, dass nicht nur die A-Struktur ausgedünnt, sondern auch das bewährte und seitens der Händler an sich sehr positiv bewertete A-B-Verhältnis in Frage gestellt wird. Wenn das so wäre, hätte dies weit reichende Konsequenzen für andere Fabrikate. Gewehr bei Fuß stehen diejenigen Hersteller, die sich neue Maschen in ihrem Händlernetz erhoffen, sei es nun auf der Traktoren- oder Geräteseite.
 
Verschiebungen bei Claas und AGCO
 
Auch seitens Claas und AGCO sind weitere Verschiebungen zu erwarten. Claas hat in nur wenigen Jahren fast schon geologischen Verwerfungen ähnliche Umstrukturierungen hinter sich, sei es nun in Bayern, Baden-Württemberg oder Schleswig-Holstein. Gesellschaften mit Mehr- oder Minderheitsbeteiligung sowie große Partner wie die Hauptgenossenschaften oder zum Beispiel die Firmengruppen Fricke und Schröder bilden das Rückgrat des Netzes. Die klassische Kombination aus Traktor von Case oder Deutz und Erntetechnik von Claas führte bei den Händlern nach der Renault-Übernahme durch Claas im Segment Traktoren lange zu einer dualen Strategie. Diese klärt sich jedoch immer stärker zugunsten von Claas, wie jüngst prominente Beispiele gezeigt haben und noch zeigen werden. Spannend zu sehen sein wird, welchen Bestand die verbliebenen kleineren Händler haben, die durch den Wechsel von Renault auf Claas ins Netz kamen oder später aus anderen Markenfamilien dorthin wechselten.
 
AGCO setzt zumindest mit Fendt in hohem Maß auf die gleichen großen Partner wie Claas, was diese in Zugzwang setzt, zwei Vertriebsnetze zu unterhalten. Betroffen sind vor allem die Hauptgenossenschaften, aber auch einige große „private“ Händler. Das hat in der jüngeren Vergangenheit schon zu diversen Neugruppierungen auch auf der Geräteseite geführt.

Suche nach Alternativen

Eine ganz interessante Frage ist somit, wie sich die großen Gerätehersteller künftig aufstellen. Denn wer kann ausschließen, dass JohnDeere nicht doch noch auf Einkaufstour geht, etwa in Richtung Bodenbearbeitung/Saat und/ oder Grünfutterernte? Die Ankündigung massiven Wachstums lässt vermuten, dass dies nicht nur "organisch" gelingen soll. Auch bei Fendt zeichnet sich der Trend zu einer durchgehenden Grünfuttererntekette ab. Der Schritt zum Häcksler ist sicher der Tatsache geschuldet, dass durch die Aufteilung in zwei Vertriebslinien bei den großen Partnern deren Fendt-Linie ein wichtiger Baustein fehlte. Und was wird mit der restlichen Grünfuttererntetechnik? Noch ist zum Beispiel Fella kein Muss für die Fendt-Vertriebspartner, doch gilt das auch künftig?
 
Was aber sollen die Händler tun, die in den drei genannten Markengruppen aus dem Netz fallen? Oder diejenigen, die durch die muntere Marken-Rochade auf der Geräteseite ihre eigenen Karten neu mischen müssen? Ganz aufhören oder zumindest aus der Landtechnik aussteigen?
 
Den vollständigen Artikel mit Antworten auf diese Fragen finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Agrartechnik. Sie sind noch kein Abonennt? Das können Sie hier ändern. zu den Abos ...   
Jens Noordhof
Fachbeitrag zum Thema:
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Keywords Agrartechnik | Claas | Fachhändler | Fendt | Händlernetze | Landtechnikhändler | Long-Line-Händler | Vertriebsstrukturen
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