Donnerstag, 24.05.2012
Händler-Zufriedenheit: Es rumort gewaltig
2011 nahmen bereits 1.201 Händler aus acht EU-Ländern an der Umfrage zur Zufriedenheit der Landtechnik-Händler teil. Durchgeführt wird sie von der europäischen Händlerorganisation CLIMMAR.
Rund 1200 Händler nahmen an der Umfrage in acht EU-Ländern in diesem Jahr teil.
© Mühlhausen/landpixel.de
Damit stieg die Zahl und Herkunft der eingesendeten Fragebögen gegenüber 949 aus fünf Ländern in 2010 noch einmal kräftig an. Bei der Auswertung zeigt sich, dass der von einigen Herstellern
massiv vorangetriebene Umbau der
Vertriebsnetze das Vertrauen und
die Beziehung der Vertriebspartner zu ihnen
doch erheblich in Mitleidenschaft
zieht.
JohnDeere findet sich nach der Auswertung
der diesbezüglichen Fragen jeweils
auf dem letzten Platz wieder - auch Claas
rutscht sukzessive ab.
Dass Same und Deutz-Fahr gewaltig verlieren,
wird hingegen eher der restriktiven
Sparpolitik und dem Kurs des Top-Managements
zugeschrieben - letzteres ist ja
mittlerweile weitgehend ausgetauscht worden.
Dies belegt unter anderem die
Auswertung der Frage hinsichtlich der
Rückgabemöglichkeiten von Kaufobjekten - Deutz-Fahr verlor hier drei und Same sogar
fünf Rangstellen.
Um die Ergebnisse der exakt gleichen Umfrage
in den verschiedenen Ländern richtig
einstufen zu können, sind sicherlich zunächst
ein paar Anmerkungen angebracht.
Das generelle Ziel des europaweit angelegten
Zufriedenheitsbarometers ist, mit
einer seriösen Umfrage und sensibler Umsetzung
über die Fabrikatsvereinigungen
die wunden Stellen der Traktorlieferanten
herauszufiltern. Normalerweise haben die
meisten Händler kein Interesse daran, ihre
Lieferanten an den Pranger zu stellen -
ganz im Gegenteil: Der überwiegende Teil
ist als Fan der Hausmarke einzustufen, und
letztlich lebt man ja davon, es handelt sich
schließlich meist um den Hauptumsatzträger.
Das Barometer ist somit bei genauer Betrachtung
als Chance zu werten. Diejenigen
Hersteller, die aktiv eine Verbesserung
der Situation herbeiführen, können sich
auch künftig noch auf ihre Partner verlassen.
Wer die Kritik nicht annimmt, der
muss damit rechnen, dass sich in dem bislang
in diesem Ausmaß noch nicht dagewesenen
Umstrukturierungsprozess die
Händler anderweitig ausrichten. Es scheint
im Moment genug Alternativen zu geben.
Nur A-Händler im Umfragepool
Hersteller-Händler-Beziehung
© Climmar, Bundesverband LandBauTechnik
In dem aktuellen AGRARTECHNIK-Beitrag wird nur auf den so genannten
Mainstream in Europa eingegangen.
Wie die deutschen Händler explizit
abgestimmt haben, wird auf den Landtechnischen
Unternehmertagen LTU in
Bamberg am 13. Januar erläutert. Dort werden
den Herstellern außerdem auch die
ausführlichen Auswertungen von den Vorsitzenden der Fabrikatsvereinigungen
übergeben.
Beschränkte sich 2010 die Teilnahme bei
der europaweiten Umfrage auf die A-Händler
aus Dänemark, Deutschland, England,
Frankreich und der Schweiz, so stießen in
2011 die Länder Italien, Niederlande und
Polen dazu. Künftig wollen sich auch noch
die Händler aus Österreich und Belgien beteiligen.
Wobei die detaillierten Auswertungen der
Fragebogenaktionen in den verschiedenen
Ländern zeigen, dass sich die Erwartungshaltungen
der Vertriebspartner nicht nur
zwischen den einzelnen Traktorfabrikaten,
sondern auch von Land zu Land deutlich
unterscheiden. Mit 313 Fragebögen bildet
im Übrigen Deutschland die stärkste Fraktion - wenn man insgesamt 705 A-Händler
zugrunde legt, dann ergibt sich eine sehr
hohe Teilnahmequote von 45 Prozent. Die
zweithöchste Beteiligung kommt mit 288
aus Frankreich, dann folgen mit 163 die
Niederlande, mit 131 die Schweiz, mit 114
Großbritannien, mit 96 Dänemark mit 58
Italien und mit 38 Polen.
Am eifrigsten beteiligten sich die Händler
von New Holland, nämlich 175, gefolgt
von Massey Ferguson (156), John Deere
(149), Deutz-Fahr (143),
Claas (133), Case
IH (126),
Fendt (124) und Valtra (108). Der
Rücklauf von 38 Fragebögen bei McCormick
und 37 bei Same ist im Grunde schon
fast zu gering für eine umfassende Analyse.
Im Übrigen tauchen bei den Umfragen
einzelner Länder auch noch Hersteller wie
JCB oder Landini auf, die dort eine Marktbedeutung
haben, aber in den meisten anderen
Ländern nicht separat abgefragt wurden.
Unterschiedliche Erwartungshaltung
Gesamt-Index
© Climmar, Bundesverband LandBauTechnik
Wenn man sich etwas intensiver
mit den zehn Themenbereichen
beschäftigt, muss man
sich unweigerlich die Frage stellen,
ob dabei tatsächlich immer
vorhandene Schwachstellen
aufgedeckt werden, oder ob die
Händler die Einstufungen ihrer
Marken nicht öfter einmal von
unterschiedlichen ErwartungshaltungenErwartungshaltungen
überlagern lassen.
Reine Traktorenanbieter schneiden
nämlich in der Tendenz
besser ab, was das Thema Ersatzteilversorgung
betrifft, als
Erntemaschinen-Fullliner. Dies
lässt darauf schließen, dass die
Händler in ihrer Beurteilung bei
letzteren einen strengeren Maßstab
anlegen.
Gleichzeitig ist es mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit
so, dass es nichts mit
Toleranz zu tun hat, wenn eine
Marke wie McCormick bei der
Frage nach dem Respekt der Autonomie
an erster Stelle rangiert - bei vielen anderen Detailfragen
wie zum Beispiel dem Willen,
Schwachpunkte auszumerzen
oder dem Beitrag zur
Profitabilität aber den letzten
Platz einnimmt.
Dass die Hersteller auf die angestammten
Märkte einen anderen
Fokus legen dürften und die
Bewertungen zum Teil von der
Vergangenheit überlagert werden,
lässt sich mit den Platzierungen
gerade auch von Claas
verdeutlichen. Das Fabrikat
liegt als vergleichsweise Newcomer - der Einstieg bei Renault
erfolgte ja erst 2003 – in
Deutschland dieses Mal sogar
knapp vor
Fendt auf Platz eins,
in Frankreich jedoch abgeschlagen
auf dem sechsten Rang.
Und wenn wir schon gerade bei
Claas sind, für Brancheninsider sei es kein Wunder bei dem
preisaggressiven Marktgebaren,
dass die Claas-Händler bei der
Frage nach dem Beitrag der
Traktorenmarke zu ihrer eigenen
Profitabilität keine besonders
guten Noten vergeben - in
diesem Punkt wird die Marke
auf dem viertletzten Platz einrangiert.
Erwähnenswert ist gerade mit
Blick auf die Bereitschaft
Schwachpunkte auszumerzen
New Holland. In den zurückliegenden
Umfragen werteten deren
Vertriebspartner die Marke
häufig ganz nach hinten, in der
aktuellen ist sie auf Rang fünf
vorgerückt. Ob dies bei der
nächsten Umfrage auch der Fall
sein wird, wird sich zeigen,
wenn den Worten Taten folgen
müssen. So hat Franco Fusignani,
der Präsident von New
Holland, auf der
Agritechnica den Händlern versprochen, die
unbefriedigende Ersatzteilversorgung
zu verbessern. Sollte
dies von Erfolg gekrönt sein,
dann könnte sich die Marke bei
der nächsten Umfrage im Ranking
weiter verbessern.
Weitere Details und Tabellen zur aktuellen CLIMMAR-Umfrage unter den europäischen Landtechnik-Händlern finden Sie in der Fachzeitschrift AGRARTECHNIK.
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