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Osnabrück/Aurich (dpa/lni) - Der Einzelhandel sieht keine Mitverantwortung für die drastische Talfahrt der Milchpreise. «Schuld an den niedrigen Preisen ist nicht etwa der Handel, sondern die Überproduktion seitens der Erzeuger», sagte der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr, der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Freitag). Es gebe keine Preisabsprachen.
In Deutschland seien 15 bis 18 Prozent zu viel Milch auf dem Markt, das wären rund fünf Millionen Tonnen bezogen auf die Menge von 2008.
Pellengahr sagte, er habe zwar Verständnis für die Lage der Landwirte. «Aber die Hilfe für Bauern kann nicht vom Verbraucher, sondern muss vom Steuerzahler kommen.»
Zu große Milchmengen kritisierte auch der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) in Niedersachsen. Die Situation auf den norddeutschen Höfen sei dramatisch schlecht. «Hier geht die blanke Angst um», sagte BDM-Sprecher Manfred Pieper. Schon zeichne sich ein weiterer Verfall beim Milchpreis ab. Eine Aktion wie der Lieferstopp im vergangenen Jahr sei aber nur gemeinsam möglich. «Wenn wir als Verband mit einer Stimme sprechen könnten, wäre uns sehr geholfen.» Das Verhalten des Bauernverbandes sei in dieser Frage nicht nachzuvollziehen.
Bauernpräsident Gerd Sonnleitner hatte in der Zeitung einen Milchlieferboykott wie im Frühjahr 2008 ausgeschlossen. «Das hat nichts gebracht.» Der Handel drücke die Molkereien «gnadenlos an die Wand». Bei den Preisen könne «nicht einmal der tüchtigste Milchbauer überleben». Der FDP-Agrarpolitiker Hans-Michael Goldmann kritisierte, Aldi habe Zusagen an Bauern nach kostendeckenden Preisen gebrochen.
Sonnleitner rechnet mit Einbußen von acht Milliarden Euro in diesem Jahr für die gesamte Landwirtschaft. Er hatte nach einer Krisensitzung Protestaktionen angekündigt. Mehrere Discounter hatten die Verbraucherpreise gesenkt, nachdem auch die Zahlungen der Molkereien an Milchbauern gesunken waren.
Angesichts der dramatisch gefallenen Milchpreise hatte der niedersächsische Bauernverband an die Ernährungsindustrie appelliert, mehr Milch und Milchprodukte in ihren Rezepten zu verwenden.
Landvolkpräsident Werner Hilse erklärte am Donnerstag, er erhoffe sich eine «deutliche Absatzbelebung», wenn etwa Speiseeis häufiger mit Milch anstatt mit billigen Imitaten hergestellt werde. Ein Liter Vollmilch kostet seit dieser Woche nur noch 48 Cent. Die niedersächsischen Landwirte seien von dem rasanten Preissturz vermutlich weniger betroffen, hieß es. Bei den hiesigen Molkereien spiele die Trinkmilchvermarktung keine große Rolle.


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