An den internationalen Spotmärkten haben die Preise für die meisten Mineraldünger Mitte Januar wieder nachgegeben. Die betrifft sowohl Harnstoff als auch die verschiedenen Stickstoff- und Phosphordünger.
Etwa 80 Prozent der in der Landwirtschtschaft eingesetzten Mineraldünger haben eine EU-Zulassung. Experten rechnen deshalb mit nur wenig Auswirkungen.
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Für Harnstoff waren die Preise an den wichtigsten Spotmärkten kurz vor dem Jahreswechsel um mehr als 35 Prozent (%) eingebrochen. Am Schwarzmeerhafen Yuzhney gingen die als weltweiter Markt-Indikator geltenden Exportpreise von Oktober bis Ende Dezember von über 500 USD/t auf zunächst 315 USD/t (fob) zurück. Ähnliche kräftige Preiskorrekturen verzeichnete man auch an den Spotmärkten in den USA sowie an den Exporthäfen im Mittleren Osten und in Ägypten.
Anfang Januar zogen die Spotmarktpreise dann mit den steigenden Getreidepreisen zunächst wieder um rund 15 % an, um dann in Folge des letzten USDA-Reports von Januar erneut um rund zehn Prozent nachzugeben. Die US-Experten hatten das globale Getreideangebot nochmals nach oben geschätzt und damit die
Getreidepreise unter Druck gesetzt.
Harnstoff: Spotmarktpreise erneut schwächer
In der dritten Januarwoche rutschten die Harnstoffpreise an den
US-Spotmärkten wieder deutlich unter die Marke von 400 USD/t und
bewegten sich damit erneut auf den letzten Tiefpunkt von Dezember zu.
An den Schwarzmeerhäfen lagen die fob-Preise zu diesem Zeitpunkt
zwischen 370 und 375 USD/t, im Mittleren Osten bei 400 USD/t und in
Ägypten etwa bei 420 USD/t. Die weitere Preisentwicklung dürfte sehr
stark von der weiteren Entwicklung der
Getreidepreise abhängen und zudem
von der Abnahmebereitschaft der Landwirte in Europa und den USA. Hier
ist der aktuelle Bedarf vor der Frühjahrsbestellung am größten.
Zuletzt
haben die Abgabepreise an die Landwirtschaft zumindest in Europa und
Deutschland die Korrektur der Spotmarktpreise nur eingeschränkt
nachvollzogen. An den deutschen Ostseehäfen kostete der Harnstoff nach
einer Korrektur im Dezember von etwa 65 Euro/t und einem erneuten
Preisanstieg Anfang Januar von rund 20 Euro/t, zuletzt zwischen 380 und
390 Euro/t (507 USD/t)
Pakistan kauft günstig ein
Bei den Einkäufen großer nationaler Abnehmer macht sich der jüngste
Rückgang der Spotmarktpreise schon deutlicher bemerkbar. So kaufte
Pakistan Mitte Januar einen Tender von 250.000 Tonnen (t) Harnstoff am Schwarzen
Meer, zu Preisen von 375 bis 380 USD/t. Auch wenn die Nachfrage solch
bedeutender Harnstoffeinkäufer wie Pakistan oder Indien (kaufte von
April bis November 18,5 Mio. t) wieder zunimmt, dürfte der
Harnstoffmarkt in diesem Jahr besser versorgt sein als 2011. Im letzten
Jahr hatten vor allem die Exportbeschränkungen Chinas und die
zusätzliche Nachfrage Pakistans zu einer spürbaren Angebotsverknappung
geführt.
Bis Ende 2012 rechnet man nun mit einem Angebotszuwachs am
internationalen Harnstoffmarkt von rund vier Millionen Tonnen. Von dieser
Mehrproduktion sollen 2,6 Mio. t aus Quatar kommen, 1,2 Mio. t aus
Algerien und 0,7 Mio. t aus Ägypten. Angesichts der anhaltenden
Preisschwäche ist es jedoch fraglich, ob alle diese Kapazitäten wie
geplant an den Markt kommen.
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Eine ausführliche Analyse zur Situation und Preisentwicklung bei den
verschiedenen Mineraldüngerarten finden sie in der Februar-Ausgabe des
Agrarmagazins Neue Landwirtschaft.