es nutzt nichts Kinder zu erziehen, sie machen ja doch alles nach. Mit diesem Satz haut der Volksmund Eltern die Weisheit um die Ohren, dass man Kinder nicht in eine Richtung trimmen kann, die man selbst nicht vorlebt. Vormachen funktioniert besser als predigen. Das beginnt beim gesunden Gemüse, das das Kind essen soll, aber der Papa am Mittagstisch weit von sich schiebt, und hört bei der Berufswahl auf.
Dieses „Naturgesetz“ gilt auch in der Landwirtschaft: Wer den Kindern dauernd vorjammert, wie schlecht das Leben in der Landwirtschaft ist, wird sich schwer tun mit der Hofnachfolge. Wer sie von klein auf mittun lässt, legt den Grundstein für die Liebe zur Landwirtschaft (Seite 63).
Das ist nicht neu und nicht immer einfach. Aber es ist eine Chance, die man nicht vertun sollte, wenn man bei den Kindern das Interesse für den eigenen Beruf als Bauer oder Bäuerin wecken möchte. Es geht darum, den Kindern das Leben und Arbeiten auf dem Hof als einen Lebensweg „vorzustellen“, einen von vielen Lebensentwürfen, die die Kinder bis zum Erwachsenenalter beobachten. Dann haben sie die Wahl.
Es geht nicht darum, Kinder von klein auf spüren zu lassen, dass es an ihnen liegt, ob die Hoftradition in ihrer Generation abreißt oder nicht. Dieser Druck hat schon so manchen unfreiwilligen Bauern zu einem unglücklichen Menschen gemacht. Dieser Druck ist unbarmherzig, weil er die Freiheit nimmt, über das eigene Leben zu bestimmen. So hat die Hofnachfolge über Jahrhunderte funktioniert: Der Betrieb stand im Mittelpunkt, der Mensch an zweiter Stelle. Zementiert war auch die Regel, dass der Erstgeborene den Hof zu übernehmen hatte – selbst wenn dieser garnicht, und ein Geschwister viel geeigneter und begeisterter als Bauer gewesen wäre. Und es ist noch nicht lange her, da war selbst der Betriebszweig ehern: einmal Milchviehbetrieb immer Milchviehbetrieb, einmal Schweine immer Schweine.
Heute sind auf nicht wenigen Höfen die Ställe leer. Es tut weh, wenn die letzten Viecher gehen, keine Frage. Und es tut weh, wenn der Hof ausläuft. Aber heute ist auch ein „Nein“ zur Hofnachfolge möglich, und das ist eine Revolution und echter Fortschritt. Das Recht auf einen eigenen Lebensentwurf steht höher als die Pflicht zur Fortführung des Betriebes. Umso schöner, wenn sich Recht und Pflicht ergänzen.