Donnerstag, 24.05.2012
Verbraucherschutzministerium warnt vor türkischem Honig
Stuttgart - In Honig aus dem Raum der türkischen Schwarzmeerküste können Pflanzenstoffe enthalten sein, die beim Menschen zu Vergiftungserscheinungen führen.
Baden-Württembergischer Honig war frei von Verunreinigungen.
© Daniel P Martin/fotolia.de
Das baden-württembergische Verbraucherschutzministerium warnt vor dem Verzehr von Honig aus dem Raum der türkischen Schwarzmeerküste. Wie das Ministerium für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg gestern mitteilte, können im Honig enthaltene Pflanzenstoffe beim Menschen zu Vergiftungserscheinungen führen.
Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart hatte in einer Probe Kastanienhonig den giftigen Pflanzenstoff Grayanotoxin festgestellt. Die giftigen Pflanzenstoffe seien in Blüten, Blättern und Pollen von Rhododendron enthalten, so die Sprecherin. In den Honig würden die giftigen Pflanzenstoffe über die Pollen sammelnden Bienen gelangen.
Die baden-württembergische Lebensmittelüberwachung erhält zwar nur vereinzelt, aber immer wieder Beschwerdeproben von türkischem Honig. Meist stand dieser dabei in Verdacht, Schwindelgefühl, Übelkeit und Blutdruckabfall hervorgerufen zu haben. Die Honige waren in der Regel privat von Türkei-Aufenthalten mitgebracht worden.
Grayanotoxine kommen natürlich vor
Bei den Grayanotoxinen handelt es sich um neurotoxische Diterpene, die
natürlicherweise innerhalb der Familie der Erica-Gewächse in bestimmten
Rhododendron- und Azaleen-Arten vorkommen und von Honigbienen in den
Honig eingetragen werden können.
Eine Vergiftung äußert sich u.a. durch Magen-Darm-Beschwerden,
zentralnervöse Erregungs- und Lähmungserscheinungen, einen langsamen
Puls und niedrigen Blutdruck. Ferner werden ein verlangsamter
Herzschlag, rauschähnliche Zustände sowie vermehrter Speichelfluss und
Schweißausbrüche beobachtet. Die Vergiftungen treten meist ein bis zwei
Stunden nach Verzehr auf.
Grayanotoxin-haltiger Honig hat immer wieder
Vergiftungen hervorgerufen und ist in der Schwarzmeer-Region seit dem
Altertum bekannt ("pontischer Honig", "türkischer Tollhonig").
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte im Herbst 2010 auf
Bitte des Hessischen Verbraucherschutzministeriums die gesundheitlichen
Risiken des Verzehrs derartiger mit Grayanotoxinen belasteter
Rhododendron-Honige aus der türkischen Schwarzmeerregion bewertet und hat
ausgewählte Fragen und Antworten zu Grayanotoxinen in Rhododendron-Honig
veröffentlicht.
pd
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