Donnerstag, 24.05.2012
Hopfenrundfahrt 2011: Bauern rechnen mit sehr guter Ernte
Abensberg - Die bayerischen Hopfenbauern erwarten heuer trotz des schweren Hagelunwetters im Juni eine sehr gute Ernte.
Die deutschen Hopfenbauern erwarten in diesem Jahr eine Gesamternte von 637.000 Zentnern. 623.000 davon entfallen auf die Hallertau.
© bem
Wie Landwirtschaftsminister Helmut Brunner am Donnerstag bei der traditionellen Hopfenrundfahrt in der Hallertau mitteilte, rechnen die Experten mit einer Gesamtmenge von rund 637.000 Zentnern. Die Ernte liegt damit erheblich über dem langjährigen Durchschnitt und entspricht rund einem Drittel der Weltproduktion. Der Löwenanteil entfällt mit rund 623.000 Zentnern auf die Hallertau. Im mittelfränkischen Anbaugebiet Spalt werden rund 13.600 Zentner erwartet. Der bayerische Durchschnittsertrag liegt mit gut 40,8 Zentnern pro Hektar deutlich über dem langjährigen Mittel von 37 Zentnern. Dem Hagelunwetter in der Hallertau waren Anfang Juni 20.000 Zentner
Hopfen zum Opfer gefallen.
Wie Brunner bei der Pressekonferenz in Abensberg mitteilte, entstanden den Hopfenbauern durch starke Regenfälle (229,4 mm im Juli) auch enorme Erosionsschäden. Betroffene Landwirte könnten aber bereits Hilfe vom der Finanzverwaltung in Anspruch nehmen.
Hauptproblem Welke
Die starken Niederschläge im Juli stellten optimale Bedingungen für
Pilze dar. Hopfenwelke war in diesem Jahr das Hauptproblem der
Sonderkultur. Bei der Welke handelt es sich um einen bodenbürtigen Pilz
(Verticillium), dessen Dauermycel im Winter ruht. In einigen Beständen
gab es Ertragsausfälle bis zu 90 Prozent. Ansonsten konnten nach Aussage
von Brunner Schädlinge und Krankheiten wie Peronospora und Blattläuse
gezielt und wirkungsvoll bekämpft werden.
Insgesamt war der Witterungsverlauf in diesem Jahr mit einem warmen,
trockenen Frühjahr und ausreichend Niederschlägen im Sommer für die
Entwicklung des Hopfens ideal.
Die Brauwirtschaft
kann nach Einschätzung des Ministers sehr zufrieden sein, denn es steht
ausreichend
Hopfen bester Qualität zur Verfügung.
Ersten Untersuchungen zufolge ist die Alphasäure, der für den
Brauprozess so wichtige Inhaltsstoff, in den Dolden hoch konzentriert
enthalten. "Die Brauereien in aller Welt können mit einem
ausgezeichneten Qualitätshopfen aus Bayern rechnen", so der Minister.
Anbauflächen leicht abgenommen
Die Hallertau ist das größte Hopfen-Anbaugebiet der Welt. Die dortige
Anbaufläche hat im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent auf 15.229
Hektar leicht abgenommen. Im Anbaugebiet Spalt ist die Fläche um 2,6
Prozent auf 366 Hektar zurückgegangen. Deutschlandweit wurde ein
Rückgang der Anbaufläche von 0,9 Prozent gemeldet. Brunner sprach in
diesem Zusammenhang von einem "verkraftbaren Strukturwandel". Laut
Brunner wird Bayern die Erzeuger auch künftig tatkräftig mit Beratung
und Forschung unterstützen, um den Hopfenstandort Bayern langfristig zu
sichern. "Diesen bayerischen Trumpf müssen wir weltweit noch weiter
ausspielen", sagte der Minister am Ende seiner Rede.
Zukunft der Förderungen nach der Agrarreform
"Hopfen ist in der EU ein kleiner, aber feiner Sektor", stellte
Professor Dr. Klaus-Dieter Borchard, Direktor der Generaldirektion
Landwirtschaft der EU-Kommission in seiner Rede fest. 60 Prozent der
weltweiten Anbauflächen befinden sich in der EU, Deutschland ist dabei
vor den USA Hauptproduzent. Dadurch, dass die Produktion in Deutschland
so sehr auf wenige Regionen konzentriert ist, hat diese hier einen
besonderen Stellenwert. Doch dies birgt laut Borchard auch Gefahren: "Hopfen ist dem Druck des Weltmarktes ausgeliefert. Derzeit ist die
Nachfrage rückläufig, aber die Produktion steigt. Damit die
Lagerbestände abgebaut werden, muss die Produktion der Nachfrage
angepasst werden." Jährlich fließen circa 2,3 Millionen Euro in Form von
Direktzahlungen in die beiden Erzeugergemeinschaften Deutschlands. "Wir
müssen überlegen, wie wir die finanzielle Unterstützung in neuen System
aufrecht erhalten", erklärte Borchard im Hinblick auf die Reform der
gemeinsamen europäischen Agrarpolitik (GAP). Die einzige Möglichkeit,
die er dabei sieht, ist die 2,3 Millionen Euro über die ländliche
Entwicklung in die 2. Säule zu transferieren. Grundsätzlich merkte er
an, dass das Geld in dieser Höhe von der EU erhalten bleibe. "Bei einer
Cofinanzierung könnte sogar mehr für die Hopfenbauern rausspringen".
Borchard ermutigte die Landwirte deshalb, wenn die Vorschläge der
EU-Kommission auf den Tisch liegen, sich mit ihrem Anliegen an Brüssel
zu wenden, um möglichst schnell Klarheit über die Zukunft der Förderung
zu erhalten. "Abgesehen von der Verschiebung des Geldes werden sich die
Rahmenbedingungen im Hopfensektor nicht wesentlich ändern", versicherte
Borchard den Anwesenden.
Außerdem merkte er an, dass Mindestqualitäten und Standards erhalten
bleiben. Die Qualitätssicherung allerdings soll in Zukunft nicht mehr
über die Verwaltung, sondern über Händler und Käufer erfolgen. Zum
Schluss rief er die Hopfenwirtschaft auf, die Weltmarktstellung zu
verbessern, neue Sorten zu entwickeln sowie Erträge und Qualitäten zu
verbessern.
Minimierung der Gerüsthöhe hat Vorteile
Bei der anschließenen Hopfenrundfahrt stellte Johann Portner,
Hopfenberater bei der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL),
Forschungsprojekte der LfL vor. Eine Reduzierung der Gerüsthöhe von
sieben auf sechs Meter und neue Pflanzenschutzapplikationstechniken
wurden im Zeitraum 2008 bis 2011 untersucht. Vorraussetzung sind
gleichbleibende Erträge. Durch die geringere Gerüsthöhe werden zum einen
die Gerüstkosten von circa 15.000 bis 20.000 Euro je Hektar um 1.000
bis 2.000 Euro reduziert. Zudem verbessert sich die Statik und die
Einsturzgefahr wird um 15 bis 20 Prozent minimiert. Die Benetzung der
Gipfelregionen mit Pflanzenschutzmitteln und damit der Einsatz neuer
Applikationstechniken soll außerdem verbessert werden.
Maßnahmen zur Abdriftminderung beim Einsatz von Sprühgeräten und ein
Prototyp mit neuer Applikationstechnik, der ein um 50 Prozent
schnelleres Fahren ermöglicht, bekamen die Teilnehmer vor Ort
vorgeführt.
Im Anschluss daran konnte auf dem Hopfenbaubetrieb Johann Simmerl in
Sittling innovative Erntetechnik besichtigt werden.
pd/bem
Hallertauer Hopfen-Rundfahrt 2011 (02.09.2011)
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