Es ist abzusehen, dass 2011 das erfolgreichste Jahr in der Firmengeschichte von Horsch werden wird. An den Standorten Schwandorf und Ronneburg wird kräftig investiert und auch im Vertrieb hat sich einiges getan.
Cornelia Horsch ist Mitglied der Geschäftsleitung.
Sie verantwortet den Bereich Marketing.
Eigentlich ist es bei Horsch kaum
etwas besonderes, dass die Geschäftsleitung
in jedem Jahr ein
sattes Plus vermeldet – denn anders wäre
es auch kaum möglich gewesen, in
etwas mehr als 25 Jahren von Null auf
einen Umsatz von rund 170 Millionen
Euro zu kommen. Um so bemerkenswerter
ist das, zumal Horsch in der
Gründerzeit ein "Extremist" war, der
nur eine sehr kleine Zielgruppe ansprach.
Inzwischen ist das Produktprogramm
sowohl breit als auch tief aufgestellt.
Trotzdem bietet Horsch immer noch
mehr, als Stahl und Eisen: Ein bischen
Philosophie und sehr viel Beratung.
Was im laufenden Jahr passiert ist, was
Horsch für die Zukunft plant und was
es auf der Agritechica so alles zu sehen
gibt erfuhr Agrartechnik von Cornelia
Horsch, Mitglied der Geschäftsleitung
und dort für das Marketing zuständig.
Agrartechnik: Frau Horsch, Sie erwarten
2011 einen Rekordumsatz. Wie
hoch wird dieser werden und wie verteilt
sich dies auf die einzelnen Länder
und Produktgruppen?
Cornelia Horsch: 2011 wird Horsch
einen Netto-Umsatz von 170 Millionen
Euro erzielen. Mit einem Anteil von 23
Prozent ist Deutschland immer noch
unser wichtigster Markt, dicht gefolgt
von Frankreich mit 21 Prozent. Auf die
Staaten der ehemaligen Sowjetunion
entfallen elf Prozent, auf die Tschechische
und Slowakische Republik zehn
Prozent. Rumänien und Bulgarien
machen gemeinsam sechs Prozent aus,
ebenso Großbritannien. Im Baltikum
erzielen wir fünf und in Ungarn vier
Prozent unseres Umsatzes. Dänemark
und Schweden machen zusammen vier
Prozent des Gesamtumsatzes aus. Bei
den Produktgruppen sind die Sätechnik
mit einem Umsatzanteil von 43 und die
Bodenbearbeitung mit 39 Prozent
unseres Spitzenreiter. Jeweils zwei Prozent
erzielen wir aus der Einzelkornsätechnik
und dem Pflanzenschutz, 14
Prozent kommen aus dem After-Sales-
Bereich.
Agrartechnik: Wie schauen Sie in die
Zukunft?
Cornelia Horsch: Sehr positiv. Unsere
innovativen Maschinen helfen uns
dabei, in ganz Europa Marktanteile zu
halten und sogar auszubauen. Dazu
kommen neue Produkte. Wir sind ja
nun in den Bereichen Bodenbearbeitung,
Sätechnik, Einzelkorntechnik,
Pflanzenschutz und Erntelogistik aktiv.
Außerdem gibt es für uns noch zahlreiche
Märkte mit Potenzial.
Agrartechnik: Im Pflanzenschutz
arbeiten Sie ja künftig mit Leeb zusammen.
Wie sieht diese Partnerschaft
genau aus?
Cornelia Horsch: Gemeinsam haben wir
die Horsch Leeb Application Systems
GmbH mit Theodor Leeb als Geschäftsführer
gegründet. Eine enge Zusammenarbeit
zwischen den Unternehmen
besteht ja schon seit langem. Viele Projekte
wurden in den vergangenen 16
Jahren gemeinsam diskutiert, entwickelt
und realisiert. Am Anfang stand
der Prototypenbau verschiedener
Maschinen im Agrarsektor für Horsch.
Seit 2004 entwickelte sich daraus die
eigene Pflanzenschutztechnik von
Leeb. Nun wird in Zukunft intensiv
zusammen gearbeitet – als neue Kraft
im internationalen Pflanzenschutzbereich
mit dem Know-how beider starker
Partner, die ihre Erfahrungen aus unterschiedlichsten
Bereichen nun effektiv
bündeln. Beim Vertrieb innerhalb
Deutschland lehnte Leeb sich schon
immer vorwiegend an Horsch-Partner
an. Diese nationale Vertriebsstruktur
erweitert Horsch nun durch sein internationales
Marketing und Vertriebsnetz.
Unter der Gesamt-Vertriebsleitung
von Horsch-Geschäftsführer Horst Keller
hat seit dem 1. November nun Rasso
Schatz die Vertriebsleitung übernommen,
der durch seine frühere Tätigkeit
bei Challenger in der Branche kein
Unbekannter ist. Er wird von Siegfried
Horsch, zuständig für den Vertrieb
Innendienst und dem bisherigen Leeb-
Team unterstützt. Die Horsch eigene
Pflanzenschutzabteilung und die Entwicklungsabteilung
bei Leeb werden
unter der Leitung von Theodor Leeb
zusammengeführt, um an der Entwicklung
neuer und innovativer Spritzentechnik
zu arbeiten. Während der Agritechnica
2011 präsentieren sich beide
auf dem großen neuen Horsch-Stand in
Halle 12. Die Pflanzenschutzstandorte
in Landau an der Isar haben aktuell
rund 50 Mitarbeiter und bieten ausreichend
Potenzial für ein künftiges
Wachstum im Segment Pflanzenschutztechnik
für die Horsch Leeb Application
Systems.
Agrartechnik: Aber Horsch hat doch
parallel zu Leeb an einem eigenen
Selbstfahrer gearbeitet. Was wird nun
aus dem?
Cornelia Horsch: Bevor sich unsere
Wege ein Stück weit trennten, hatten
wir vereinbart, dass sich Leeb auf Selbstfahrspritzen
mit Frontkabine und
Horsch auf Selbstfahrspritzen mit Zwischenachskabine beschränken wird.
Das eine System ist ja bereits auf dem
Markt, am anderen wird nun gemeinsam
gearbeitet...
Agrartechnik: Horsch hat in diesem
Jahr auf dem Sitzenhof ein zehn Millionen
Euro teures neues Logistikzentrum
eröffnet. Welche Investitionen planen
Sie für die Zukunft?
Cornelia Horsch: Eine ganze Menge.
Beginnen wir auf dem Sitzenhof: Hier
wird ein Entwicklungszentrum inklusive
Bürofläche für bis zu 90 Arbeitsplätze
errichtet. Die Enwicklungshalle wird
1.800 Quadratmeter groß, die Büros
1.500. Die Investitionssumme wird 4,5
Millionen Euro betragen. Mit dem Bau
wurde schon begonnen, er soll bis Mitte
nächsten Jahres fertiggestellt sein. In
Ronneburg wird die Horsch Industrie
Technik ein Stahllager mit einer Fläche
von 3.400 Quadratmeter bauen. Außerdem
ist eine Erweiterung der Produktionskapazitäten
um 5.300 Quadratmeter
geplant. Hier wird in die Fertigung, den
Zuschnitt, die Laserkapazitäten und in
Schweißroboter investiert. Außerdem
wird der Warenein- und ausgang erweitert.
Die Gesamtinvestitionssumme
beträgt 14 Millionen Euro. Bei der
Horsch Maschinen GmbH in Ronneburg
wird auf zirka 4.500 Quadratmeter
eine Pulverbeschichtungsanlage für
kleine Massenteile gebaut. Darüber
hinaus wird die Lagerfläche erweitert,
sowie eine Logistikhalle für Wareneinund
-ausgang, Lagerfläche sowie ein
Verladezentrum zur Lagerung von 400
Maschinen erstellt. Die Investitionssumme
beträgt fünf Millionen Euro.
Agrartechnik: Auf der Agritechnica
ist der Horsch-Stand dafür bekannt, dass
es dort nicht nur Maschinen zu sehen,
sondern auch sehr viele Informationen
gibt. Was erwartet uns dieses Mal?
Cornelia Horsch: Zunächst einmal werden
wir auf der
Agritechnica in Halle 12
zu finden sein. Doch obwohl wir einen
ganz neuen Stand haben, ändert sich
am Grundkonzept nur wenig. Wir
haben großen Wert darauf gelegt, dass
der Stand übersichtlich ist, eine gute
Orientierung bietet und sich unsere
Kunden Wohl fühlen. Beim Design hat
uns übrigens Frau Judith Ehmann-
Leeb, die Frau von Theodor Leeb, sehr
stark unterstützt. Wir haben verschiedene
Inseln geschaffen, wo sich die
Kunden informieren können. Besonders
wollen wir auch unseren Service
herausstellen. Um Fotos, Preise und
Produktbeschreibungen stets bei der
Hand zu haben, wurde unser Standpersonal
mit iPads ausgerüstet. Zudem stellen
wir ausführlich unsere Projektstudie
zum Thema Einzelkorn zu Raps vor.
Agrartechinik: Welche Bedeutung hat
für Sie die Agritechnica, verglichen mit
anderen Messen
Cornelia Horsch: Die
Agritechnica ist
für uns enorm wichtig. Sie ist die größte
und internationalste Messe überhaupt.
In diesem Umfeld haben wir für Händler
und Kunden Reisen organisiert.
Flankierend zum Messebesuch können
sie zum Beispiel auch landwirtschaftliche
Betriebe besichtigen. Unsere
Händler haben die Möglichkeit, mit
ihren Kunden eine Standbesichtigung
mitzumachen. Natürlich inklusive Brotzeit.
Agrartechnik: Welche neuen
Maschinen werden Sie in Hannover
zeigen?
Cornelia Horsch: Zur
Agritechnica 2011
erweitern wir das Bodenbearbeitungsprogramm
und teilen es in vier Produktlinien
auf: Künftig gibt es die Kurzscheibeneggen
Joker und die Grubber
Cruiser, Terrano und Tiger. Komplett
neu ist der Grubber Cruiser XL zur flachen
Bodenbearbeitung. Als Drei-
Punktmaschine mit fünf und sechs
Metern Arbeitsbreite und als gezogene
Variante mit Mittelfahrwerk in acht
Meter Breite eignet er sich gleichermaßen
für die Stoppelbearbeitung, als
Feingrubber zur mechanischen
Unkrautbekämpfung und dem Auflockern
und Belüften der Böden im Frühjahr
und zur Saatbettbereitung zum Beispiel nach dem Pflug.
Bei den
Terrano Grubbern wird das
universelle Modell FX durch
den sehr variablen Terrano
FM und den Terrano MT
ergänzt. Der vierbalkige Terrano
FM eignet sich zur flachen
Stoppelbearbeitung
sowie zur tieferen Bodenbearbeitung.
Der Grubber hat ein
Mittelfahrwerk und ist in
Arbeitsbreiten bis zu sieben
Metern erhältlich. Speziell
für den Einsatzbereich „oben
mischen, unten lockern“ zeigen
wir den Terrano MT. Der
Tiger bleibt bei Horsch als
Schwergrubber der Ersatz für
den Pflug. Die Tiger Baureihe
wurde bereits in den letzten
Jahren komplettiert und findet
auch im Ausland immer
mehr Zuspruch. Nachdem
Horsch auf der Agritechnica
2009 mit der Express TD
auch eine drei Meter breite
Drei-Punkt Sämaschine mit
Pronto Technik eingeführt
hat, kehrt man nun wieder
zu den Wurzeln der Firma
zurück und auf Direktsaat
optimierte Maschinen für
spezifische Märkte und Klimaregionen.
So erscheinen
in diesem Jahr gleich drei
neue Sämaschinentypen für
professionelle Großbetriebe.
Dazu gehört die Pronto SW,
die auf der erfolgreichen
Pronto DC basiert und ihren
eigenen Säwagen mit bis zu
17.000 Liter Inhalt für Saatgut
und
Dünger hat. Speziell für
Großbetriebe in Osteuropa
sowie Russland, die Ukraine
und Kasachstan präsentiert
Horsch die Pronto NT und
den Sprinter NT. Diese sind
neue Direktsaatmaschhinen
in Arbeitsbreiten von zwölf
bis 24 Metern, mit denen
auch ohne vorherige Bodenbearbeitung
direkt in den
Acker gesät werden kann.
Komplett neu entwickelt hat
Horsch seine Einzelkornsätechnik.
Die bekannte
mechanische Maistro RC und
CC wird nun durch die neue
pneumatische Maestro CC
und SW erweitert. Mit dieser
Maschine und ihrer präzisen
Vereinzelung läutet Horsch
die Zukunft in der pneumatischen
Einzelkornsätechnik
ein. Die Maestro ist durch
ihre exakte Kornvereinzelung
universell geeignet für Mais,
Soja, Sonnenblumen, Zuckerrüben
und Raps.
Den und andere interessante Landtechnik-Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe der AGRARTECHNIK.
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