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[ » LAND & Forst » Content » Pflanzenbau » Kartoffeln » In Niedersachsen fehlen Kartoffeln ]
Donnerstag, 24.05.2012
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Kartoffeln | 07.10.2010

In Niedersachsen fehlen Kartoffeln

Jetzt ist es amtlich: Mit nur 9,5 Mio. t Kartoffeln erntet Deutschland eine recht kleine Menge, in 2009 waren es 11,6 Mio. t, 2 Mio. t weniger für den Markt. Das wirkt sich auf die Erzeugerpreise aus. 2010 ist mit dem Erntejahr 2006 zu vergleichen, damals waren es 10,03 Mio. t, verbunden mit sehr stabilen, anhaltend hohen Erzeugerpreisen. In den nächsten Monaten gibt es einen Verkäufermarkt.

Niedersachsen ist an diesen Trend stark beteiligt, mit nur 4,2 Mio. t liegt die Erntemenge 22,8 % unter dem Vorjahr (5,5 Mio. t), bei Speiseware sind es –18,4 % und bei Industrieware –24,3 %.  
 
Die erste amtliche Ernteprognose vom 23. 9. 10 zeigt die große Knappheit an Ware an. Es konnten aber beim Landesbetrieb für Statistik in Hannover viele vorgesehene Proben noch nicht geerntet werden, weil die Felder wieder grün geworden waren, die Krautabtötung später erfolgt ist oder weil starke Nässe im Damm die Ernte verhindert hat. Kann man daraus ableiten, dass die endgültige Erntemenge höher ausfallen wird? Wohl nicht. Denn die Erfahrungen früherer Trockenjahre wie 2006, 2003 haben gezeigt: Das Wiederergrünen der Kartoffelfelder führt nur dann zu steigenden Erträgen, wenn das Wurzelsystem die lange Trockenperiode schadlos überstanden hat und in der Lage ist, für neue Blätter und Stängel Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen.
 
In vielen Fällen aber hatten die Wurzeln in der Trockenperiode Schaden erlitten, sodass die neue Blattbildung nach beginnender Regenzeit die Nährstoffe dafür aus den erstgebildeten Knollen bezog, die damit „leer" wurden und für den Markt oder die Industrie unbrauchbar sind. So ist es vielen Beständen auf den leichten Böden ohne Beregnung ergangen.
Also muss man sich für das Geschäft im Herbst und Winter auf nur 9,5 Mio. t Kartoffeln einstellen. Der Rückgang der Erntemenge 2010 ist auf Flächeneinschränkung und auch auf den Rückgang der Hektarerträge zurückzuführen. Wegen der Knappheit sollten alle guten Partien bei Speiseware eingelagert und gepflegt werden. Bei Industrieware gilt gleiches, aber eben in anderer Form. Wobei die Veredelungswerke selbst schon zunehmend gute Ware übernommen und bei sich einigelagert haben, um keine Lieferengpässe in den kommenden Wochen zu haben. Verhandlungen über höhere Erzeugerpreise als in den Verträgen festgehalten, laufen auch. Hier wird eine Anpassung an die Tendenz bei Speiseware angestrebt.
 
Sehr großer Verlust
 
Mit nur 4,2 Mio. t erntet Niedersachsen in 2010 1,3 Mio. t Kartoffeln weniger als 2009 (5,5 Mio. t). Das ist proportional ein größerer Verlust als im Bundesgebiet. Selbst gegenüber 2006 mit damals 4,6 Mio. t sind jetzt noch weniger Kartoffeln geerntet worden.
 
Die Erntemenge in 2010 ist um 1,2 Mio. t kleiner als 2009, und es fehlt Ware für den Markt. Das ist bereits jetzt abzusehen. Die sich schon früh anbahnenden Exporte werden nicht voll bedient werden können, was natürlich auch eine Frage der Preise ist. Die geringere Erntemenge in 2010 ergab sich aus dem Rückgang der Kartoffel-Anbaufläche auf 111,126 ha (Vorjahr 117,701 ha), was –5,6 % entspricht. Dazu der jetzt ermittelte Hektarertrag in Niedersachsen mit 382,8 dt/ha (Vorjahr 467,9 dt/ha), hier also weitere –18,2 %. Selbst gegenüber dem mehrjährigen Schnitt von 2004 bis 2009 mit 443,4 dt/ha ist der Rückgang bedeutend.
 
Bei Industriekartoffeln war der Anbaurückgang in 2010 gegen 2009 mit –6,7 % stärker als bei Speiseware (–2,6 %). Der Hektarertrag ging um –15,4 % zurück, sodass die Erntemenge in Niedersachsen bei –24,3 % nur 3,06 Mio. t (Vorjahr 4,04 Mio. t) erreichte. Es gibt also 1 Mio. t weniger Industrieware gegenüber dem zu reichlichen Erntejahr 2009. So werden aus dem Speisekartoffelaufkommen auch noch einige Mengen in die Veredelungsindustrie fließen, bei den dafür geeigneten Sorten, denn für die Veredelung wird gut geeigneter Rohstoff knapp. Und diese Industriegruppe möchte ihre Produktionsziele nicht einschränken, das macht nur die Stärkeindustrie.
 
Bei Speisekartoffeln war der Anbaurückgang in 2010 gegenüber 2009 etwa –2,6 %. Der Hektarertrag verlor 11,5 %, damit ging die Erntemenge mit –18,4 % auf 1,2 Mio. t zurück (Vorjahr 1,5 Mio. t). In diesem Sektor also 270.000 t Kartoffeln weniger. Dies ist geringer als bei Industrieware, weil der Anbaurückgang und der Verlust beim Hektarertrag nicht so stark ausfiel. In 2010 bringt Speiseware mit 390,0 dt/ha mehr als Industrieware mit 380,0 dt/ha. In Nordhannover, einem Schwerpunkt der Speisekartoffelerzeugung, ist der Anbau gar nicht zurückgegangen, sondern zeigt mit +2,7 % eine sehr gute Stabilität an.
 
Besondere Entwicklungen
 
In Hannover ist die Erntemenge 2010 bei Speiseware mit 1,018 Mio. t nur um 160,000 t kleiner als im Vorjahr, also –13,7 %. Das bedeutet, dass die großen Speisekartoffelgebiete doch mit recht viel Ware den Markt bedienen können. Trotzdem bleibt es hier bei einem „Verkäufermarkt". Denn der größte Teil der Ware wird eingelagert. Dagegen ist die Industrieware mit nur 1,7 Mio. t um 26,2 % geringer als in 2009. Insgesamt sind 600.000 t weniger geerntet worden. Gründe sind der Anbaurückgang (–9,5 %) und der geringere Hektarertrag (–18,4 %).
 
In Weser-Ems ist die Erntemenge 2010 bei der großen Industriekartoffelfläche mit 1,4 Mio. t um 22,0 % kleiner, somit 400.000 t geringer, was auf den besonders niedrigen Hektarertrag zurückzuführen ist von 371,9 dt/ha (Vorjahr 461,6 dt/ha). Bei der kleinen Speisekartoffelfläche, die in 2010 nur noch 4.504 ha beträgt und damit um 24,9 % zurückging, spielt der niedrigere Hektarertrag eine große Rolle. So ist die Erntemenge bei Speise mit 174,310 t nur noch ein kleiner Posten, gegenüber 2009 gingen –38,1 % verloren.
 
Die Speisekartoffelmenge reicht für übergebietliche Lieferungen nicht voll aus, Weser-Ems wird später zukaufen. Wichtig ist für Weser-Ems, die guten Partien von Veredelungsware in geeigneten Lägern ohne Verluste an Menge und Qualität zu lagern, damit die Veredelungsindustrie gut versorgt werden kann. Vor der Einlagerung muss sich der Anbauer davon überzeugen, ob die Inhaltsstoffe für das geplante Veredelungsziel geeignet sind. Ansonsten ist andere Verwertung angesagt.
 
Bundesländer: große Unterschiede
 
Neben Niedersachsen mit –22,9 % Erntemenge haben auch im Osten Mecklenburg-Vorpommern (–32,0 %), Brandenburg (–23,6 %), Thüringen (–22,3 %) höhere Verluste als im Bundesdurchschnitt. In Nord/West sind insgesamt höhere Verluste, weil außer Niedersachsen auch NRW (–15,6 %) deutlich verlor, Schleswig-Holstein (–11,9 %) mit weniger Verlusten. Man sieht, dass sich die stark gedrückten Hektarerträge 2010 von 18 bis 19 % gravierend auswirken. Das spürt jeder Landwirt. In Nord/West sind es 1,5 Mio. t weniger Kartoffeln. NRW muss also mehr Ware beziehen.
 
In der Region Süd hat Bayern mit der größten Anbaufläche auch eine geringere Erntemenge in 2010. Aber relativ weniger Verlust als Niedersachsen. Mit 1,65 Mio. t dort liegen nur 14,5 % Minderernte gegenüber 2009 vor. Von Bedeutung sind die geringeren Hektarerträge, die 47 dt/ha niedriger sind als 2009. Ein ganz anderer Trend in Rheinland-Pfalz und Hessen: Hier ist ein Anstieg der Erntemenge um 6,1 % bzw. 14,2 % zu erkennen, was auf eine Ausdehnung der Flächen und auf geringere Verluste beim Hektarertrag zurückzuführen ist (–7 dt/ha bzw. –2 dt/ha). So können beide Bundesländer die Nachbargebiete mit versorgen.
 
In der Region Ost sind überall Rückgänge der Anbauflächen, dazu starke Einbrüche bei den Hektarerträgen: Im Schnitt sind es nur 338,6 dt/ha (Vorjahr 408,1 dt/ha), was ein Minus von 70 dt/ha bedeutet, wie in Niedersachsen und NRW. Besonders stark ist Mecklenburg-Vorpommern betroffen, wo der Hektarertrag auf 282,2 dt/ha sank, nach dem zu reichlichen Erntejahr 2009 mit 395,9 dt/ha. So ist deutlich weniger Ware vorhanden, wie auch in Brandenburg und Thüringen. In Sachsen-Anhalt wird sich der Mangel an Veredelungsware bemerkbar machen. Da die östlichen Bundesländer Chancen für den Export nach Osteuropa haben und dieses auch schon nutzen (geringere Entfernung), werden Kartoffeln für die innergebietliche Versorgung knapp.
 
Qualitäten
 
Partien mit starkem Durchwuchs in Form der Keimung im Boden und der Kettenbildung scheiden für die Speise-Vermarktung ohnehin aus und werden nicht eingelagert. Veredelungspartien, die unter der Hitze gelitten haben, müssen geprüft werden, ob die Inhaltsstoffe für die Verarbeitung ausreichen, besonders bei Pommes. Ist zu wenig Stärke eingelagert (oder zu viel verbraucht) geht die Ware nicht in die Produktion.
 
Nässeschäden sind die andere Schadensseite. Die häufigen Regenfälle haben die Böden so durchnässt, dass die Ernte auf vielen Feldern bis Ende September nicht möglich war. Auch die „grün" gewordenen Felder haben, oft bei zu später Abtötung, keine Chance für ordentliche Lagerware.
 
Fäulnis im Lager ist in 2010 das gleiche Problem wie bei der Ernte 2006. Bakterien (Erwinia) haben bei starker Nässe im Feld Teile der Partien infiziert. Besonders dort, wo Wasser über Tage zwischen den Reihen und sogar in den Dämmen stand, wurden Bakterien von Staude zu Staude transportiert. Gefährdet sind besonders Trecker-Fahrspuren und Standplätze der Regenmaschinen. Solche Stellen sollte man bei der Rodung auslassen. Hier sind die Bakterien über die Lentizellen in die Knollen eingedrungen. Man kann dies durch Schneiden der Knollen erkennen, bevor man die Ware ins Lager gibt. Geschädigte Partien kann man nicht erfolgreich lagern.
 
Der Kartoffel-Terminmarkt zeigt die Tendenz: April-Kontrakte für Veredelungsware/Frittenrohstoff notierten am 23.9.10 mit 24,60 €/dt, am 13.9.10 mit 24,30 €/dt. Diese Kurse sind höher als im August. In 2009 waren es am 28.9.09 12,20 €/dt, jetzt also der doppelte Kurs. Damit wird die Richtung auch für Speiseware vorgegeben. Gute Ware und später Lagerware muss nicht unter 20,00 €/dt Erzeugerpreis kosten. Später sind weitere Aufschläge bei guter Ware zu erwarten. Beim Lagern darf aber auch das Verkaufen nicht vergessen werden. Die Nachfrage muss bedient werden. 
 
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