AFP-Förderung: Großes Interesse von Seiten der Landwirte
Berlin - Das Interesse von Landwirten an der staatlichen Investitionsförderung ist ungebrochen. In Bayern, Hessen, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern war die Nachfrage besonders groß.
Landwirte nutzen die AFP-Förderung vor allem für Investitionen in eine besonders tiergerechte Haltung von Milchkühen.
© Mühlhausen/landpixel
Trotz eines Antragsstopps in zwei Bundesländern verzeichneten die Landgesellschaften im vergangenen Jahr mit 900 Anträgen im Rahmen des Agrarinvestitionsförderungsprogramms (AFP) eine ähnliche Nachfrage wie 2009. Wie der Bundesverband der gemeinnützigen Landgesellschaften (BLG) in seinem Jahresbericht 2010 mitteilt, nahm vor allem in Bayern die Zahl der Förderanträge deutlich zu, obwohl im Freistaat ab Ende August schon keine neuen Anträge mehr angenommen wurden. Spürbare Zuwächse gab es auch bei den Landgesellschaften in Hessen, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern.
Vorjahreswert um 16 Prozent übertroffen
Mit 873 bewilligten AFP-Förderanträgen im Bereich der Landgesellschaften
wurde der Vorjahreswert um 16 Prozent übertroffen. Die meisten Länder sahen
sich aufgrund des starken Andrangs gezwungen, die Bewilligungen nach
einer Prioritätenliste vorzunehmen.
An der Spitze rangierten dabei
Investitionen in eine besonders tiergerechte Haltung von Milchkühen,
gefolgt von ähnlichen Vorhaben bei anderen Tierarten. Auch Investitionen
in Lagereinrichtungen und Maßnahmen zur Diversifizierung räumten die
Länder bei der Bewilligung eine hohe Dringlichkeit ein.
BLG-Geschäftsführer Karl-Heinz Goetz geht davon aus, dass die
Länder in diesem Jahr aufgrund der anhaltend starken Nachfrage nach
AFP-Mitteln ähnlich verfahren werden.
Automatisierung als Reaktion auf Fachkräftemangel
Für die
neuen Länder berichtet der BLG-Vorstandsvorsitzende Dr. Willy Boß,
der die Landgesellschaft Sachsen-Anhalt leitet, von einem Anstieg der
Investitionen in Melktechnik und Stallausrüstung. Zu beobachten sei
inzwischen auch bei Großbetrieben ein Trend zur Automatisierung der
Milcherzeugung, nachdem der Melkroboter bislang vornehmlich in
Familienbetrieben Zuspruch gefunden habe. Der BLG-Vorsitzende führt dies
nicht zuletzt auf einen immer deutlicher zu spürenden Fachkräftemangel
zurück, mit dem gerade die Betriebe in Ostdeutschland in wachsendem Maße
konfrontiert seien. Boß: "Wer keine geeigneten Arbeitskräfte bekommt,
muss sich nach Alternativen umschauen." Dieser Trend werde sich in
Zukunft angesichts der demographischen Entwicklung weiter verschärfen.
Ein Euro Förderung bringt vier Euro Investitionen
Wieder höher im Kurs stehen nach Angaben von BLG-Geschäftsführer Goetz
Aussiedlungen. Nachdem es vor einigen Jahren noch deutliche Rückgänge
gegeben hatte, nahm deren Zahl in den alten Ländern im letzten Jahr
abermals spürbar zu. Die bewilligten Vorhaben ereichten 2010 mit 355
einen Mehrjahreshöchststand.
Insgesamt gestiegen ist auch der
durchschnittliche Umfang der von den Landgesellschaften betreuten
Investitionen. Damit einhergegangen ist ein Zuwachs der
durchschnittlichen förderfähigen Investitionskosten.
Goetz wertet die
Agrarinvestitionsförderung als unverzichtbares Instrument zur
Bewältigung des Strukturwandels in der Landwirtschaft. Kritik an
vermeintlichen Mitnahmeeffekten halte er für unberechtigt, betonte der
BLG-Geschäftsführer.
Von der Agrarinvestitionsförderung gingen
erhebliche Impulse für Wirtschaft und Beschäftigung in ländlichen
Regionen aus. Nach Einschätzung von Goetz löst ein Euro Förderung
mindestens weitere vier Euro Investitionen aus. Zum einen würden damit in
der Landwirtschaft Arbeitsplätze gesichert, zum andern im Baugewerbe
sowie in der Stallausrüstungs- und Zulieferindustrie, die im Regelfall
in der Region oder zumindest in ländlichen Gebieten angesiedelt seien.
Mit Kompensationsflächenmanagement zum Ziel
Mit Nachdruck hob Goetz den Beitrag der Landgesellschaften zur
Reduzierung des Flächenverbrauchs hervor. Mit dem
Kompensationsflächenmanagement hätten inzwischen nahezu alle
Gesellschaften ein Tätigkeitsfeld erschlossen, "mit dem tatsächlich ein
nennenswerter Beitrag zum Flächensparziel der Bundesregierung geleistet
wird". Es biete sich die Chance, bei dem vorgeschriebenen Ausgleich von
Eingriffen in Natur und Landschaft für die Landwirtschaft verträgliche
Lösungen zu finden. Im Mittelpunkt stehe das Bemühen,
landwirtschaftlichen Betrieben im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen in
Kooperation mit dem Naturschutz Möglichkeiten zur Wertschöpfung durch
Nutzung zu eröffnen. Diese gelte sowohl für produktionsintegrierte
Kompensationsmaßnahmen als auch für die Konzentration von
Kompensationsmaßnahmen auf Natura 2000-Flächen.
Wie Goetz berichtete,
betreuten die Landgesellschaften Ende 2009 insgesamt 29
Kompensationsflächenmaßnahmen mit rund 854 Hektar. An der Spitze lagen die
Hessische Landgesellschaft (HLG) und die Niedersächsische
Landgesellschaft (NLG) mit jeweils neun Maßnahmen. 2010 kamen
18 Projekte mit rund 386 ha hinzu. Ende 2010 belief sich der Bestand
insgesamt auf 45 Projekte mit zusammen rund 1.253 ha.
Flurneuordnung nach wie vor wichtig
Überbetriebliche Maßnahmen vor allem zur Flurneuordnung bilden nach den
Worten des BLG-Geschäftsführers einen weiteren Schwerpunkt der Tätigkeit
von Landgesellschaften. Im vergangenen Jahr wurden in Bayern,
Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein 187 freiwillige
Landtausche nach dem Flurbereinigungsgesetz mit insgesamt knapp 2.300 Hektar
abgeschlossen.
In den neuen Ländern werden freiwillige Landtausche zur
Zusammenführung von Boden- und Gebäudeeigentum nach dem
Landwirtschaftsanpassungsgesetz von den dortigen Landgesellschaften
durchgeführt. Im vergangenen Jahr wurden 42 Vorhaben beendet. Ende des
Jahres waren noch 47 Landtausche in Bearbeitung.
Vornehmlich die
süddeutschen Landgesellschaften, aber auch die NLG, befassen sich zudem
mit der beschleunigten Zusammenlegung nach dem Flurbereinigungsgesetz.
Insgesamt wurden im letzten Jahr 18 solcher Verfahren mit zusammen gut
14.000 Hektar abgeschlossen. Weitere 82 Verfahren mit etwa 117.000 ha waren
Ende des Jahres noch in Bearbeitung.
Die von den ostdeutschen
Landgesellschaften durchgeführten Bodenordnungsverfahren nach dem
Landwirtschaftsanpassungsgesetz sowie die Feststellung und Neuordnung
der Eigentumsverhältnisse oder die Zusammenführung von Boden- und
Gebäudeeigentum haben dem BLG-Geschäftsführer zufolge ebenfalls nach wie
vor einen hohen Stellenwert.
Demographiecheck von zunehmendem Interesse
Zunehmende Akzeptanz findet Goetz zufolge das von den Landgesellschaften
bereits 2007 entwickelte "Dienstleistungspaket Demographiecheck", das
im Rahmen der Kommunalbetreuung angeboten wird. Zwar sei der
Demograpfiecheck bislang nicht im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe
"Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK)
förderfähig, räumte der BLG-Geschäftsführer ein. Für die Umsetzung des
vom Bundesbauministerium aufgelegten Programms "Kleine Städte und
Gemeinden - überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerke" biete dieses
Instrument jedoch unbestreitbare Vorteile. "Es geht darum,
Fehlinvestitionen vor allem der öffentlichen Hand zu vermeiden",
erläuterte der BLG-Verbandsvorsitzende Boß. Nur wer seine Stärken und
Schwächen kenne und für sich tragfähige Zukunftsfelder identifiziere,
könne nachhaltig investieren. "Die Landgesellschaften bieten sich dafür
den Kommunen als Partner an", so Boß.
Mit den vier Modulen
- Orientierung
und Aktivierung
- Kommunalinventarisierung und Nachhaltigkeitscheck
- Ziele und Kooperation, sowie
- Umsetzungsbegleitung und
Demographiecoaching
hätten die Landgesellschaften ein Paket geschnürt,
das als Instrument zur Moderation und Umsetzung der Anpassung an den
demographischen Wandel bestens geeignet sei und helfe, regionale
Potentiale angesichts der bevorstehenden Herausforderungen einzuschätzen
und zu fördern.
AgE
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