Donnerstag, 24.05.2012
Situation am EU-Markt noch relativ stabil
Berlin - Während die Preise an den internationalen Märkten zuletzt nachgaben, zeigten sich die Verhältnisse am EU-Markt noch relativ stabil.
Situation am EU-Markt noch relativ stabil
Am internationalen Milchmarkt nehmen die Anzeichen für eine Abschwächung der globalen Nachfrage und damit für eine Preiskorrektur zu. Zwar ist das Preisniveau für die wichtigsten Milchprodukte nach wie vor recht hoch, jedoch haben die Exportpreise im Juli sowohl in Europa als auch in Ozeanien nachgegeben. Auch für die nächsten Monate zeigen die Preis-Indikatoren derzeit nach unten. So gingen die Kontraktpreise der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade in den letzten vier aufeinanderfolgenden Handelsterminen zurück. Anfang August lag das dort für die Lieferung in den kommenden Monaten ausgehandelte Preisniveau rund 15 Prozent (%) niedriger als Mitte Juni. Verursacht wird diese Entwicklung offenbar durch eine Abschwächung der globalen Nachfrage. Nach den bislang vorliegenden Handelsdaten haben unter anderem solche bedeutenden Importeure wie China und Russland ab dem zweiten Quartal den Einkauf von Milchprodukten am Weltmarkt eingeschränkt. Dabei dürften der kräftige Anstieg der Verbraucherpreise und die Abschwächung der globalen Wirtschaftsdynamik hauptverantwortlich für den Rückgang der Nachfrage sein. Preisdämpfend wirkt zudem die durch den Preisanstieg ausgelöste Ausweitung der globalen Produktion.
Preise am EU-Markt noch relativ stabil
Am EU-Binnenmarkt haben sich das Preise für die wichtigsten
Milchprodukte zumindest bis Mitte Juli auf hohem Niveau behauptet. Die
nachgebenden Weltmarktpreise hatten bis dahin noch keine erkennbaren
Auswirkungen. Butter war im Juli nach den wöchentlich erfassten Daten
der EU-Kommission sogar etwas teurer als im Juni, während sich die
Preise für Käse und Milchpulver kaum veränderten. Entsprechend dieser
Entwicklung blieben auch die Erzeugerpreise im Schnitt aller EU-Länder
relativ stabil. Allerdings lagen auf Erzeugerebene erst Daten bis zum
Monat Mai und für einzelne Länder bis Juni vor. Im Schnitt der EU 27
kostete Rohmilch (natürlicher Fettgehalt) im Mai 33,3 Euro je 100 Kilo (kg). Damit
bewegten die Erzeugerpreise in der EU seit 8 Monaten nahezu stabil um
die Marke von 33 Euro/100 kg. Dabei sind die Preisunterschiede zwischen
den einzelnen Ländern jedoch beträchtlich. Der deutsche Rohmilchpreis
lag im Mai mit 34,44 Euro/100 kg etwas über dem durchschnittlichen
EU-Niveau und ist im Juni noch einmal leicht angestiegen. Höhere Preise
als in Deutschland erzielten die Milcherzeuger im Mai unter anderem in
Dänemark, Italien, den Niederlanden, in Schweden und Finnland. Weniger
Milchgeld als in Deutschland erhielten die Landwirte hingegen in
Tschechien, Frankreich, Polen und dem Vereinigten Königreich. Von den
großen Milcherzeugerländern der EU lag das Preisniveau lediglich im
Vereinigten Königreich unter 30 Euro/100 kg.
Milchproduktion in der EU kräftig ausgeweitet
Situation am EU-Markt noch relativ stabil
Die Milchanlieferung in der EU lag in den die ersten fünf Monate des
Kalenderjahres rund 2,4 % über der Vorjahreslinie. Damit hat sich der
Produktionsvorsprung im Vergleich zu den ersten vier Monaten (2,8 %) des
Jahres etwas verringert. Verantwortlich hierfür dürfte das trockene
Frühjahr in Nordwesteuropa und die bis dahin kräftig gestiegenen Kosten
für Eiweißfutter und Energie sein. Allerdings haben die ergiebigen
Regefälle der letzten Wochen für eine deutliche Verbesserung der
Futteraufwuchses und der Versorgungssituation mit Grünfutter gesorgt. In
Deutschland, dem größten Milchproduktionsland der EU, lag die
Anlieferungsmenge von Januar bis Mai rund 2,5 % über dem Vorjahreswert,
was eine leichte Abschwächung des Produktionswachstums bedeutet. Dagegen
hat die Anlieferungsmenge in Frankreich, dem im zweitgrößten
Milchproduzenten der EU, im Vorjahresvergleich um 6,3 % zugenommen.
Damit hat sich die Produktionsexpansion in Frankreich trotz des
trockenen Frühjahrs nicht abgeschwächt. Noch stärker als bei unseren
westlichen Nachbarn wuchs die Milchproduktion nur noch in Irland. Hier
lag die Anlieferungsmenge in den ersten 5 Monaten diesen Jahres 13 %
über dem Vorjahreswert. Im Vereinigten Königreich nahm die Anlieferung
immerhin noch um 3,7 % zu und in den Niederlanden blieb die
Produktionsmenge nahezu stabil. Weniger Milch als im letzten Jahr
lieferten die Milcherzeuger unter anderem in Italien und Dänemark sowie
in Rumänien und Ungarn ab.
Weltmarkt beeinflusst Produktionsstruktur
Ganz offensichtlich wurde die Herstellung von Milchprodukten in der EU
im laufenden Jahr ganz erheblich von den Absatzmöglichkeiten am
Weltmarkt beeinflusst. So hat die Erzeugung von Magermilchpulver in den
ersten 5 Monaten des Jahres mit 7,3 % weitaus stärker zugenommen als die
Produktion von anderen Milchprodukten. Darüber hinaus wurde EU-weit
auch mehr Vollmilchpulver (2,3 %), mehr Käse (1,3 %), Butter (0,9 %) und
Sahne (1, 8 %) hergestellt. In Deutschland hat die Erzeugung von
Magermilchpulver mit 9 % sowie von Vollmilchpulver mit 11, 8 % sogar
noch kräftiger zugenommen als in der übrigen EU. Auch bei Butter (3,7 %)
und Käse (1,7 %) lag der deutsche Produktionszuwachs über dem
EU-Durchschnitt. Das stärkste Wachstum bei der Butterproduktion unter
den großen EU-Produzenten verzeichneten jedoch Irland (19,5 %) und
Frankreich (6 %). Demgegenüber ging die Butterzeugung in den
Niederlanden, Dänemark und im Vereinigten Königreich zurück. Ihre
Käseproduktion haben neben Deutschland (1,7 %) auch Frankreich (1, 6
%), die Niederlande 2,2 %) und das Vereinigte Königreich (5,2 %) sowie
Polen (1,8 %) ausgeweitet. In Dänemark (-4 %) und Italien (-2,6 %) wurde
in den ersten 5 Monaten dieses Jahres hingegen weniger Käse produziert
als vor einem Jahr.
Deutschland verliert beim Käseexport
Situation am EU-Markt noch relativ stabil
Bei der Ausfuhr von Milchprodukten aus der EU zeigen die für die ersten 5
Monate vorliegenden Daten bei fast allen Produkten kräftige Zuwächse.
Lediglich der Export von Butter liegt knapp 15 % unter dem Vorjahr und
die Ausfuhr von Vollmilchpulver stagniert. Das stärkste Wachstum
verzeichneten die europäischen Exporte bei Magermilchpulver, Kasein,
Butteröl und Molkepulver. Aber auch der Drittlandsexport von Käse hat
nach Angaben der EU-Kommission um mehr als 6 % zugenommen. Überraschend
ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass der größte europäische
Käseproduzent und Exporteur Deutschland, beim Käseexport Marktanteile
verloren hat. Während die gesamteuropäische Käseausfuhr nämlich um 6,3 %
zunahm, gingen die deutschen Drittlandsexporte (trotz einer größeren
Inlandsproduktion) um knapp 10 % zurück. Beim Käseexport in Drittländer
konnten insbesondere die Niederlande (+11 %), Frankreich (+22 %),
Dänemark (+24 %) sowie Litauen (+53 %) zulegen. Trotz des Verlusts von
Marktanteilen entfallen auf Deutschland noch immer 20 % (Vorjahr 24 %) der
gesamteuropäische Käseexporte, bei der Ausfuhr von Magermilchpulver lag
der deutsche Anteil bei 19 % (Vorjahr 14 %).
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
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