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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Rind » Milchproduktion » Internationaler Milchmarkt ]
Donnerstag, 24.05.2012
Milchproduktion | 27.09.2011 Redaktion agrarheute.com

Internationaler Milchmarkt auf der Kippe

Berlin - Die internationalen Spotmarktpreise haben im September durchweg nachgegeben. Noch ist nicht sicher, ob dies saisonale Ursachen hat oder ob dem Milchmarkt eine größere Korrektur bevorsteht.
Internationaler Milchmarkt auf der Kippe
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Internationaler Milchmarkt auf der Kippe
Im September haben die Preise für die meisten Milchprodukte an den internationalen Handelsplätzen nachgegeben. Dies trifft für die wichtigsten Exportpreise in Westeuropa und Ozeanien ebenso zu, wie für die Auktionspreise der internationalen Handelsplattform GlobalDairyTrade. Von der Preiskorrektur an den internationalen Spotmärkten betroffen waren neben Mager- und Vollmilchpulver, diesmal auch Butter und Käse. Ungewiss ist bislang noch, ob der Preisrückgang hauptsächlich saisonale Ursachen hat und unter anderem dem deutlich ansteigenden Produktionsausstoß ("Spring Flash") der ozeanischen Länder geschuldet ist oder ob sich die globale Nachfrage weiter abschwächt und das insgesamt gewachsene Angebot nicht mehr oder nur noch zu niedrigeren Preisen aufgenommen wird.

Russland importiert weniger

Möglichweise kann sich die Nachfrage infolge der Preiskorrektur an den Spotmärkten sogar wieder erholen. Eine ganze Reihe von Importeuren hatte den Zukauf von Milchprodukten nämlich wegen der kräftig gestiegenen Preise zuletzt gedrosselt. Die Experten der Rabobank rechnen jedenfalls damit, dass die Chinesen ihre Zukäufe im vierten Quartal wieder ausweiten. Insbesondere die neuseeländischen Exporteure könnten davon profitieren, denn sie sind der mit Abstand größte Lieferant für das Reich der Mitte. Auch die Zukäufe aus dem Mittleren Osten, aus Nordafrika (Ägypten, Algerien, Marokko) sowie aus Brasilien sollen eher wieder zunehmen. Dagegen sind die Aussichten für den russischen Markt derzeit weniger günstig. Neben den deutlich gefallen Rohöl- und Rohstoffpreisen und der sich abschwächenden Wirtschaftsdynamik könnte nämlich auch die schrittweise Erholung der russischen Milchproduktion (von den Folgen der vorjährigen Dürre und Futterknappheit) die Importe drosseln. Dies hat insbesondere für die europäischen Exporte erhebliche Auswirkungen. Für Deutschland ist Russland mittlerweile nach Italien und den Niederlanden und noch vor Frankreich der wichtigste Absatzmarkt für Käse überhaupt.

Europäischer Markt bislang stabil

Internationaler Milchmarkt auf der Kippe
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Internationaler Milchmarkt auf der Kippe
In Europa ist die Marktlage bislang relativ stabil. Die Erzeugerpreise bewegten sich nach den Daten der EU-Kommission im Juli sogar über der Marke von 34 Cent je Kilogramm (Ct/kg) und damit auf dem höchsten Stand seit Sommer 2008. Nur wenige Informationen deuten auf eine mögliche Marktschwäche hin. So hat der niederländische Milchkonzern Friesland/Campina seine Preise zuletzt um 5 Prozent (%) gesenkt. Anderseits halten die Notierungen für die wichtigsten Milchprodukte in der EU auch Mitte September ihr hohes Niveau. Die letzten Daten der EU-Kommission zeigen jedenfalls im EU-Durchschnitt sowohl für Käse als auch für Butter und Milchpulver stabile Notierungen. Die europäische Milchanlieferung bewegte sich im Zeitraum Januar bis Juli 2,22 % über der Vorjahresmarke. Damit hat sich die Produktionsexpansion im Vergleich zum Vormonat (Jan bis Juni = 2,1 %) leicht beschleunigt. Der Produktionsvorsprung gegenüber dem Vorjahr lag in Frankreich bei 5,4 %, in Deutschland bei 2,6 %, im Vereinigten Königreich bei rund 3 % und in Irland sogar bei 11 %. Die Mehrproduktion floss ganz besonders in die Herstellung von Magermilchpulver (+ 11,9 %) und Butter (+ 1,6 %).

Deutscher Käseexport rückläufig

In der Entwicklung der EU-Exporte spiegelt sich die zuletzt etwas geringere Aufnahmefähigkeit des Weltmarktes wider. Bei allen Produkten hat der Vorsprung gegenüber dem Vorjahr abgenommen bzw. die Wachstumsdynamik hat sich abgeschwächt. Deutlich über dem Vorjahr bewegt sich immer noch der EU-Export von Magermilchpulver. Hier liegen die europäischen Ausfuhren für den Zeitraum Januar bis Juli 2011 rund ein Drittel über dem Vorjahreswert. Das deutsche Ausfuhrvolumen hat in dieser Zeit sogar um 90 % auf 57.000 t zugenommen und übertrifft die Exporte Frankreichs (47.000 t) deutlich. Bei der Ausfuhr von Käse verfehlen die Europäer jedoch das Vorjahrergebnis knapp um - 0,5 %. Ursache sind offenbar die rückläufigen Exporte nach Russland. Dieser Umstand erklärt auch den kräftigen Rückgang der deutschen Käseausfuhren (in Drittländer) von 14 % auf rund 73.000 t. Demgegenüber liegen die Käseexporte Frankreichs, Italiens und der Niederlande weiterhin über dem Vorjahreswert. Bei Butter verfehlen die Länder der EU 27 das Exportvolumen des Vorjahres um 19,3 % und bei Vollmilchpulver um 10 %. Gestützt werden dürfte der europäische Export in den nächsten Wochen indessen durch die sehr deutliche Abwertung des Euros. Die Euroschwäche hat die Wettbewerbsposition der Europäer gegenüber den ozeanischen Ländern und den USA deutlich verbessert.

Hohe Preise und hohe Kosten in den USA

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Internationaler Milchmarkt auf der Kippe
In den USA haben die Milchpreise im August mit umgerechnet 49 US-Ct / kg einen historischen Höchststand erreicht. Seither gingen die sowohl die Erzeuger – als auch die Großhandelspreise zurück und bis zum Jahresende rechnet man am Terminmarkt mit einer Korrektur der Erzeugerpreise um rund 10 Ct/kg. Danach geht man allerdings von einem relativ stabilen Niveau aus. Gleichzeitig sind die Futterkosten in US-Milchproduktion auf immer neue Rekordstände geklettert. Während die Milcherzeugerpreise von Januar bis August um ein Drittel zulegten verdoppelten sich die Futterkosten je kg Milch. Dies ist ebenfalls historischer Höchststand und kostet die Milcherzeuger mehr als die Hälfte der Verkaufserlöse. Auch die Verbraucherpreise haben in den USA kräftig angezogen und dämpfen den Inlandskonsum spürbar. Im August kosteten Milchprodukte 11 % mehr als ein Jahr zuvor. Der Verbrauch von Trinkmilch rutschte in der Folge auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Anderseits haben die guten Absatzmöglichkeiten am Weltmarkt die Inlandsproduktion spürbar angekurbelt. So lag die Milchproduktion in den USA (trotz der Dürre im Süden) im August um 2,2 über dem Vorjahreswert und im Gesamtjahr rund 1,7 % höher. Ein starkes Wachstum verzeichneten die Amerikaner im Export. Dabei wuchs die Ausfuhr von Käse (+48 %) und Magermilchpulver (+ 39 %) in den ersten 6 Monaten 2011 mit Abstand am stärksten. 

Neuseeländer sind optimistisch

In Neuseeland nimmt die Produktion dem saisonalen Verlauf folgend jetzt deutlich zu und liegt ebenso über dem schwachen Vorjahr (Trockenheit im Frühjahr). Auch in Australien wächst die Produktion kräftig, bewegt sich aber wegen des witterungsbedingt verspäteten Saisonstarts leicht unter der Vorjahresmarke. Trotz der zuletzt durchweg schwächeren Spotmarkpreise hat der neuseeländische Milchriese Fonterra seinen Auszahlungspreise an die das Unternehmen beliefernden Landwirte in der dritten Septemberwoche angehoben und einen neuen Preisrekord (8,25 NZ$/kg Milchinhaltsstoffe) erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Auszahlungspreise ebenfalls rund 13 % höher. Ursache für die höheren Auszahlungspreise ist der im vierten Quartal erwartetet Nachfrageschub nach Milchprodukten (insbesondere nach Vollmilchpulver) aus China. Ab Januar 2012 werden zudem die chinesischen Einfuhrzölle für die meisten neuseeländischen Milchprodukte gekappt. Das könnte die chinesische Nachfrage und den Export zusätzlich beflügeln.    
 
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
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Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
  
Fachbeitrag zum Thema:
Redaktion DLZ Gute Aussicht Rind
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Keywords Käseexport | Milchmarkt international | Milchpreise | Milchpulver | Milchquoten | Neuseeland | Russland | Vollmilchpulver
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