München - Letzte Chance: Heute ist der letzte Tag der weltweiten Leitmesse im Solar-Bereich, der Intersolar Europe.
Der indische Minister für Neue und Erneuerbare Energien Farooq Abdullah betonte bei der Eröffnung am Mittwoch die Wichtigkeit internationaler Kooperationen beim Ausbau erneuerbarer Energien in Indien und weltweit. Damit zeigte sich schon beim Auftakt auch symbolisch die große Internationalität der Messe: Bis heute präsentieren 2.280 Unternehmen aus 47 Ländern Produkte und Dienstleistungen. 57 Prozent der Aussteller kommen 2011 aus dem Ausland zur Intersolar Europe nach München.
Am Mittwoch wurde bereits zum vierten Mal in Folge der Intersolar AWARD verliehen. Der internationale Preis der Solarwirtschaft würdigt Unternehmen, Produkte und Dienstleistungen in den Bereichen Photovoltaik und Solarthermi sowie der Kategorie PV Produktionstechnik. Jeweils drei Unternehmen wurden prämiert.
Die Photovoltaik Jury zeichnete unter den zehn nominierten Unternehmen drei mit dem Intersolar AWARD aus.
Die Autarcon GmbH, Kassel hat sich auf die Wasseraufbereitung für
strukturarme Regionen spezialisiert. In vielen Regionen der Welt
herrscht eine Unterversorgung mit sauberem Wasser. Autarcon stellt nach
Ansicht der Jury dazu eine zuverlässige mechanische Anlage zur
Förderung, Filterung und Desinfektion von Wasser zur Verfügung. Das "SuMeWa|SYSTEM" von Autarcon erzeugt selbständig Strom und ist damit
unabhängig von einer externen Energieversorgung. Dank elektrolytisch
erzeugten Chlors wird das Wasser entkeimt und lässt sich problemlos
speichern. Bei der Lösung von Autarcon überzeugte die Jury die einfache
Technik, deren Wartung größtenteils per Zahnbürste und Zitronensäure
erfolgen kann. Die Lösung ist geeignet für die Massenproduktion und für
den Einsatz in Schwellen- und Entwicklungsländern, wo es helfen kann,
die Lebensgrundlage von 800 Millionen Menschen zu sichern, die täglich
verunreinigtes Wasser trinken müssen. Aus Sicht der Jury handelt es sich
dabei um eine beispielhafte ökologische Lösung.
Die BELECTRIC Drive GmbH, Kolitzheim, stellt eine neuartige
Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge zur Verfügung. Dazu entwickelte
das Unternehmen Technologien zur Verknüpfung eines regenerativ
gespeisten Stromnetzes mit der Elektromobilität der Zukunft. Ein lokales
Lastenmanagement-System stimmt die Ladezeiten der Elektroautos mit der
Sonnenstromerzeugung ab. Auf diese Weise wird der Sonnenstromanteil in
den Fahrzeugbatterien maximiert und der Bezug von teurem
Spitzenlaststrom vermieden. Die zugehörige Ladebox ist modular
aufgebaut, flexibel anpassbar und koppelt Solarstrom und
Elektromobilität zu einer schlüssigen Lösung. Das System ist so
aufgebaut, dass Autofahrer die getankte Energie mit dem
Parkscheinautomaten abrechnen können. Die Jury überzeugte dabei vor
allem, dass das System vom ersten bis zum letzten Schritt überzeugend
durchdacht ist.
Die Aluminium Féron GmbH & Co. KG, Düren, ist spezialisiert auf die
Beschichtung und Laminierung bahnförmiger Materialien. Folien für die
Rückseitenbeschichtung von Photovoltaikmodulen sind ein wesentlicher
Bestandteil photovoltaischer Systeme. Die neuen "HelioX PV® backsheets
CPC" des Unternehmens erhöhen die Effizienz von kristallinen
Solarmodulen und zeichnen sich durch eine lange Lebensdauer aus, was zu
geringeren Produktionskosten und damit zu Preisvorteilen für den Kunden
führt. Funktionstüchtige Module mit der neuen Folie durchlaufen derzeit
noch einige Tests, doch die Folie selbst hat alle Einzeltests mit
Bravour bestanden, was auch die Jury überzeugte.
Auch die Jury für den Bereich PV Produktionstechnik wählte drei
Gewinner aus. Prämiert wurden in dieser Kategorie Unternehmen, die sich
durch besondere Innovationen im Bereich von Maschinen, Rohstoffen und
Dienstleistungen für die Produktion von Photovoltaikmodulen und -zellen
hervorgetan haben.
Die Erzeugung erneuerbarer Energien fordert auch eine nachhaltige
Wertschöpfungskette für die Technologien und Produkte, die dazu
eingesetzt werden. Diesem Thema hat sich die die Decker Anlagenbau GmbH,
Berching, gewidmet. Das Unternehmen ist spezialisiert auf nasschemische
Anlagen für die Photovoltaik, die Halbleiter- und die
metallverarbeitende Industrie. Jetzt ist es dem Unternehmen erstmals
gelungen, feinteilige Siliziumreste mit einem optimalen Einsatz von
Chemikalien wiederzuverwerten. Dafür hat Decker Anlagenbau eine
technologisch sehr anspruchsvolle Lösung entwickelt, die sich für
Korngrößen von bis zu 0,1 mm eignet. Die neuen Möglichkeiten die sich
daraus für das Recycling von Silizium ergeben, haben die Jury überzeugt.
Die Manz Automation AG, Reutlingen, ist ein international tätiges
Maschinenbau Unternehmen. Mit der neuen Produktionsanlage "Manz One Step
SE" ist es Manz Automation gelungen, eine vollautomatisierte
Produktionsanlage zu entwickeln. Sie erzeugt aufgrund eines
laserbasierten Prozesses mit höchster Präzision hochdotierte Bereiche im
Emitter einer kristallinen Silizium Solarzelle. Damit erhalten die
Solarzellen die gewünschte elektrische Leitfähigkeit. Nach Ansicht der
Jury zeichnet sich die Lösung durch besondere Effizienz und
Wirtschaftlichkeit aus, weshalb das Unternehmen dafür mit dem Intersolar
AWARD geehrt wird.
Die NanoFocus AG, Oberhausen, entwickelt technologische Lösungen für die
optische dreidimensionale Oberflächenanalyse im Mikro- und
Nanometerbereich. Mit dem neuen Messsystem "µsurf solar 2" widmet sich
das Unternehmen der Qualitäts- und Prozesskontrolle in der Fertigung von
Solarzellen. Nach Ansicht der Jury erlaubt das neue System eine
deutliche Verbesserung der Qualitätskontrolle in der Fertigung
hinsichtlich Schnelligkeit, Handhabung und Zuverlässigkeit und das bei
höchster Präzision.
Ähnlich wie in der Photovoltaik ist auch die technologische Entwicklung
der Solarthermie derzeit getrieben von der Entwicklung preiswerter
Angebote für Wohnhäuser und industrielle Anlagen. Auch hier gilt das
Augenmerk also innovativen und vor allem effizienten Lösungen. Die
Solarthermie Jury zeichnete unter den zehn nominierten Unternehmen drei
mit dem Intersolar AWARD aus, die diese Anforderungen in besonderer
Weise erfüllen.
Die Absolicon Solar Concentrator AB, Härnösand/Schweden, verbindet die
Erzeugung von Sonnenstrom mit der Nutzung der Sonnenwärme, mit Hilfe so
genannter PVT Kollektoren. Der "Absolicon X10 PVT" ist der erste
konzentrierende PVT-Kollektor, bei dem die Wärmeerzeugung im Vordergrund
steht. Nach Ansicht der Jury ermöglicht die technische Konstruktion
dabei einen signifikant höheren Ertrag als bei bisherigen Systemen.
Dabei überzeugten die Jury vor allem der erfolgreiche Einsatz in ersten
Objekten und die in Prüfberichten dokumentierten Technikeigenschaften.
Die Dr. Vetter Gesellschaft für Medizinische Datentechnik, Bio- und
Umwelttechnik mbH, Baden-Baden, entwickelt Lösungen im Bereich der Meß-
und Regeltechnik. Der von dem Unternehmen entwickelte
Parabolrinnenkollektor "IT.collect" bietet nach Ansicht der Jury
vielfältige Montagemöglichkeiten, beispielsweise auf schrägen
Industriedächern oder öffentlichen Einrichtungen, die bisher nicht oder
nur bedingt für eine Nutzung geeignet waren. Das System besteht aus
günstig zu produzierenden Kunststoffkomponenten und ist modular
erweiterbar. Solares Kühlen und Solare Prozesswärme können dabei jeweils
mit einem hohen Ertrag nutzbar gemacht werden.
Savo-Solar Oy, Mikkeli/Finland und Hydro Aluminium Precision Tubing,
Tønder/Dänemark überzeugten die Jury mit einem Gemeinschaftsprojekt,
dem "Savo-Solar Al-MPE" Absorber, der vollständig aus speziell legiertem
Aluminium gefertigt ist. Der neue Absorber ist preiswert in der
Herstellung und die Länge des Absorbers und damit auch die Größe der
Absorberfläche sind frei wählbar. Erreicht wurde dies unter anderem
durch die Entwicklung eines Beschichtungsprozesses im Batchbetrieb, der
die Bandbeschichtung ermöglicht und durch den Wegfall von
Produktionsschritten die für andere Absorberlösungen nötig sind, was die
Jury letztendlich überzeugte.