Donnerstag, 24.05.2012
Wissen in die Praxis transportieren
Mit der Durchführung der Pflanzenbautagung 2011 in der vergangenen Woche in Bernburg-Strenzfeld ist die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft endgültig an ihrem neuen Standort angekommen. Bereits im Herbst 2010 hatte die DLG für eine Investitionssumme von etwa 11 Mio. Euro das ehemalige Lehr- und Versuchsgut des Landes Sachsen-Anhalt mit rund 500 ha Land gekauft und dort das Internationale DLG-Pflanzenbauzentrum (IPZ) gegründet.
Nach längeren Beratungen
hatte man sich damals
gegen einen niedersächsischen
und für den sachsen-
anhaltinischen Standort
entschieden. Das IPZ soll nach
Angaben von Dr. Lothar Hövelmann,
Geschäftsführer Landwirtschaft
bei der DLG, der
Förderung der anwendungsorientierten
Pflanzenbauforschung
und ihrem Transfer in
die Praxis sowie als Baustein
für eine wettbewerbsfähige,
zukunftsorientierte und nachhaltige
Landwirtschaft dienen.
An diesem Standort, an
dem auch die Hochschule Anhalt
und die Landesanstalt für
Landwirtschaft, Forsten und
Gartenbau (dies entspricht in
Niedersachsen der Landwirtschaftskammer)
angesiedelt
sind und mit denen die DLG
eng zusammenarbeiten wird,
werden in den Jahren 2012 und
2014 – erstmals nicht rotierend
– auch die DLG-Feldtage stattfinden.
Eingeschlossen in den Kauf
sind auch die Versuchsflächen
der Hochschule und der Landesanstalt,
die aber langfristig
von den Organisationen weiter
genutzt werden können (30
Jahre Nießbrauch plus 12 Jahre
Pacht). Das Gelände dient
zukünftig laut Hövelmann als
Standort für fünf Schwerpunktaktivitäten:
- Pflanzenbauliches und verfahrenstechnisches
Versuchswesen:
Die Fragestellungen
umfassen die gesamte Bandbreite
des Pflanzenbaus wie
klassische Fragen der Fruchtfolge,
Energiepflanzenanbau,
Nährstoffmanagement, Klimawirkungen
der Landwirtschaft,
Anpassungsstrategien
an den Klimawandel, Fragen
des ökologischen Landbaus
ebenso wie Aspekte moderner
züchterischer Technologien.
Im Zentrum stehen die praktische
Prüfung wissenschaftlicher
Erkenntnisse und ihre
Umsetzung in die Praxis. Alle
Versuche werden immer mit
mindestens einem Partner
(Forschung, Beratung, Industrie)
durchgeführt. Da sich
die Versuchsergebnisse nicht
immer auf andere Standorte
übertragen lassen, werden
die gleichen Fragestellungen
parallel auch z. B. in Bayern,
Baden-Württemberg und Niedersachsen
geprüft.
- Freilandveranstaltungen und
Demonstrationsvorhaben: Die
DLG-Feldtage 2012 (19. bis 21.
Juni) sowie 2014 werden am
IPZ stattfinden. Weitere Formate
für Freilandveranstaltungen
werden entwickelt.
- Landtechnikprüfungen und
Tests im Freiland: Auf standardisiert
vorbereiteten Flächen
des IPZ kann die Aussagekraft
von Freilandtests – verfahrenstechnische
Vergleiche z.B. hinsichtlich
Bodenbearbeitung,
Saattechnik oder Mähdruschtests
– erheblich gesteigert
werden. Diese Tests sollen die
Daten des DLG-Testzentrums
für Technik und Betriebsmittel
in Groß Umstadt ergänzen.
- Fortbildungsaktivitäten: Das
IPZ wird für die DLG-Akademie
ein wichtiger Zukunftsstandort
werden.
- Kommunikation der Aspekte
einer modernen, nachhaltigen
Landwirtschaft in die nicht
landwirtschaftliche Öffentlichkeit:
Über die Plattform des IPZ
werden verschiedene Kommunikationsprojekte
entwickelt.
Mit dem IPZ richtet die DLG
nach bewährter Art eine Plattform ein, auf der Experten
von der Wissenschaft über die
Wirtschaft bis in die landwirtschaftliche
Praxis ihr Wissen
und ihre Fragen zusammentragen
und zum gemeinsamen
Nutzen Lösungen entwickeln
sollen, betonte Hövelmann.
- Die Aktivitäten erfolgen in
enger Zusammenarbeit mit
Partnern: Der Geschäftsführer
nannte hier z. B. die Landesanstalt
für Landwirtschaft, Forsten
und Gartenbau (LLFG),
die Hochschule Anhalt, die
Martin-Luther-Universität Halle-
Wittenberg und das Julius-
Kühn-Institut in Quedlinburg
(JKI).
Pünktlich zum Beginn der
Vegetation hatte das IPZ 2011
seine Arbeit aufgenommen
und nach der Beseitigung von
Rüstungsaltlasten Demonstrationsversuche
auf dem Feld
angelegt. Auf insgesamt 50 ha
geht es z.B. darum, wie ertragreich
sich Kartoffeln am trockenen
Standort (500 mm Regen)
ohne Beregnung anbauen lassen.
Ein weiterer Versuch beschäftigt
sich mit dem Anbau
von Durum (Hartweizen).
In der
DLG arbeiten derzeit
18 Gremien zu Themen wie
Pflanzenproduktion, Landtechnik,
Nachhaltigkeit und
Betriebswirtschaft. Einige der
Gremien nutzen das IPZ bereits
jetzt als Standort für Sitzungen,
Workshops und als Ausgangspunkt
für Fachexkursionen.
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