Donnerstag, 24.05.2012
Jagdrechtsinhaber für sachliche Wald-Wild-Diskussion
„Wald und Wild müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, denn nicht zuletzt dadurch wird der Jagdwert der Reviere maßgeblich bestimmt.“ Mit diesen Worten appellierte der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer (BAGJE) Bernhard Haase anlässlich der Mitgliederversammlung in Alexisbad am 13. und 14. Oktober 2010 an Grundeigentümer, Förster und Jäger, lösungsorientiert miteinander zu diskutieren. Regionale Probleme zu hoher Schalenwildbestände müssten dringend angegangen werden. Es sei nicht hinnehmbar, wenn etwa die Anzahl wildwechselbedingter Verkehrsunfälle wie in Sachsen-Anhalt deutlich ansteige. Aber pauschales Polemisieren helfe nicht weiter, vielmehr müsse im Einzelfall gemeinsam überlegt werden, was zu tun sei. Einig waren sich alle Teilnehmer, dass hierzu vermehrt auch der Staatsforst in die Verantwortung genommen werden müsse.
Die BAGJE durfte zu ihrem schon traditionellen Jahresempfang prominente Gäste aus Politik und befreundeten Verbänden begrüßen. So betonte der Landwirtschaftsminister Sachsen-Anhalts Dr. Hermann Onko Aiekens, es gäbe in den Grundsätzen keine Differenz zu den Auffassungen der Jagdrechtsinhaber. Sachsen-Anhalt wolle auch im Rahmen der anstehenden Novelle des Landesjagdgesetzes an bewährten Grundsätzen festhalten. Der Vorsitzende des Agrarausschusses im Bundestag, Michael Goldmann, betonte, dass auch kritische Stimmen mit eingebunden werden müssten um das grundsätzlich positive Image des Jagdrechtssystems in der Bevölkerung zu erhalten. Vor dem Hintergrund der Waldstrategie 2020 der Bundesregierung plädierte Unterabteilungsleiter Dr. Werner Kloos (BMELV) für eine sachliche Diskussion darüber, wie alle Ziele und Erwartungen an den Wald gegeneinander abgewogen werden können. Auch der Präsident des Landesjagdverbandes Dr. Hans- Heinrich Jordan hielt einen kritischen Diskurs über Größenordnungen, in denen Wild in der Kulturlandschaft gewollt sei, für erforderlich.
Der Präsident des Landesbauernverbandes Sachsen-Anhalt Zedler bekräftigte die Forderung des Berufsstandes nach pragmatischen Lösungen bei der Beihilfefähigkeit von Bejagungsschneisen. Die Landwirte seien bereit, die Jäger in ihren Bemühungen um eine Verringerung von Wildschäden und zur Seuchenprophylaxe zu unterstützen, aber wenn jede Schneise im Agrarantrag extra herausgerechnet werden müsse, würde man die Landwirte in Bürokratie ersticken.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Tagung war der intensiv gepflegte Austausch der BAGJE- Mitglieder über jagdpolitische Entwicklungen in den Ländern und die gegenseitige Information über Gesetzgebungsaktivitäten.
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