Energiepflanzen Mais mit Mütze

von

In nunmehr drei Jahren Praxisanbau in Norddeutschland konnten Landwirte, Lohnunternehmer und Berater Erfahrungen mit diesem besonderen Maisanbauverfahren machen und Empfehlungen ableiten.

Mais-unter-Folie.jpg © Werkbild Bild vergrößern
Der Anblick des Durchstoßens durch die Folie ist durchaus gewöhnungsbedürftig.
von Ralf Oetjen, Pioneer
 
Der Anbau von Mais unter Folie ist nichts Neues - in den 90-er Jahren fand er in Frankreich schon auf ca. 60.000 ha statt. Damals wurde mit einer rein über Lichteinfluss abbaubaren Folie gearbeitet. Mit Sternrädern wurden die Maiskörner durch die Folie in den Boden gebracht. Das hier beschriebene Verfahren der irischen Firma SAMCO unterscheidet  sich vom französischen System u.a. durch eine deutlich dünnere und zudem auch biologisch abbaubare Folie. Zudem handelt es sich um ein fullcover-Verfahren, bei dem die Maispflanzen durch die Folie  durchwachsen. Das sichert gerade unter kühleren Bedingungen eine höhere Wärmesumme. Das Verfahren wurde 1996 in Irland entwickelt und hat sich in den letzten Jahren dort und in England recht weit verbreitet. Die dort erreichten Ertragsvorteile von 20 % führten 2008 zur Anlage von Versuchsfeldern in Norddeutschland und einem Praxisanbau von jeweils 350 ha in den beiden folgenden Jahren. Der vermehrte Maisanbau für die Biogasnutzung und die regional stark gestiegenen Pachtpreise waren mit ausschlaggebend für das starke Interesse. Wie funktioniert denn nun das Verfahren?
 
Die Drille deckt bei der Ablage des Saatgutes den Boden mit einer dünnen Folie aus biologisch abbaubarem Plastik zu. Darunter steigen Boden- und Lufttemperatur wie in einem Gewächshaus - mit idealen Mikroklimabedingungen für Keimung und Jugendentwicklung des Maises. Die Bodentemperatur liegt etwa 5 °C höher, so dass schon nach wenigen Tagen die ersten grünen Maispflanzen unter der Folie zu sehen sind. Die Drille ist außerdem mit einer Spritze zur Ausbringung von Bodenherbiziden kombiniert - damit wird die gesamte Fläche behandelt.
 
{BILD:194192:jpg}Nach etwa sechs Wochen stoßen die Maispflanzen durch die Folie. Einige Tage später breiten sich die vorher aufgerollten Blätter aus - der Vegetationsvorsprung wird nun auch optisch deutlich. In der Streckungsphase sind etwa 40 bis 50 cm Wachstumsvorsprung zu beobachten. Blüte und Kolbenentwicklung sind deutlich früher. Das führt zu einem geringeren Längenwuchs - wie bei allen sehr früh gedrillten Beständen. Andererseits ist die Kolbenausbildung stärker und der Stängeldurchmesser größer.
 
Bestandesführung
 
Maisanbau unter Folie ist ein intensives Anbausystem, bei dem die Produktionsschritte aufeinander abgestimmt werden müssen, um die angestrebten Ertragsvorteile zu erreichen. Finanziell schlägt es mit ca. 300 €/ha höheren Kosten zu Buche.
 
Die Aussaat kann drei bis vier Wochen früher erfolgen - sofern die Bodenverhältnisse es zulassen ab Ende März. Eine frühere Saat ist wegen des Schneerisikos nicht zu empfehlen. Für Lohnunternehmen und Großbetriebe kann dies die Arbeitspitzen reduzieren helfen. Auch eine (bei gleichen Sorten) deutlich frühere Ernte kann arbeitswirtschaftliche Vorteile mit sich bringen.
 
{BILD:194193:jpg}Eine Beizung des Saatguts gegen Vogelfraß (z.B. Mesurol) ist wichtig, da es in Einzelfällen zu starken Schäden kommen kann und Nachsaaten kaum durchzuführen sind. Eine Unterfußdüngung ist nicht vorgesehen und in der Regel auch nicht nötig. Die höheren Bodentemperaturen mobilisieren viel mehr Nährstoffe. Besonders bei höheren P-Bodengehalten ist der Verzicht auf Unterfußdünger ein finanzieller und ökologischer Vorteil des Systems.
 
Der Pflanzenschutz unterscheidet sich deutlich vom Standardmaisanbau. Er erfordert eine gezielte Mittelauswahl. Ist die Wahl des Bodenherbizids auf die Unkrautsituation abgestimmt, dann ist die Wirksamkeit der Vorauflauf-Unkrautbekämpfung unter der Folie auch unter ansonsten trockenen Bedingungen als gut zu bezeichnen. Denn durch die Bildung von Kondenswasser unter der Folie ist ausreichend Feuchtigkeit vorhanden. Problematisch ist der Anbau auf Standorten mit Unkräutern, die schwer über Bodenherbizide zu bekämpfen sind. Für eine gezielte Nachauflaufbehandlung sowie für Spätdüngung empfehlen sich spezielle Unterblattspritztechniken.
 
Neben dem Pflanzenschutz ist auch die Düngung entscheidend für einen erfolgreichen Anbau. Für die angestrebten deutlich höheren Erträge muss die Nährstoffversorgung angepasst werden. Neben fehlendem Niederschlag sind insbesondere leichte, sandige Böden oft nicht in der Lage, dem Mais die erforderlichen Nährstoffmengen zur Verfügung zu stellen. Daher sollten Standorte mit Beregnung bzw. guter Wasser- und Nährstoffversorgung ausgewählt werden.
 
Dank der höheren Wärmesumme können spätere Sorten mit höherem Ertragspotenzial gewählt werden. In der Praxis wurden auf gut versorgten Böden z.B. mit den Sorten PR34B39 und PR35M23 über 80 t Silomais (bei 33 % TS) geerntet. Enttäuschungen gab es auf Mangelstandorten, wo Wasser- und Nährstoffversorgung höhere Erträge verhinderten. In der Silomaisnutzung sind neben höheren Erträgen und früherer Abreife besonders die deutlich höheren Kolbenanteile zu beachten, die zu qualitativ besseren Silagen führen. In der Nutzungsrichtung Körnermais als Marktfrucht können neben höheren Erträgen auch geringere Trocknungskosten - in Folge höherer Reifegrade - die Wirtschaftlichkeit positiv beeinflussen. So wurden in einem Versuch der LWK Niedersachsen bei den mittelfrühen Sorten P8000, PR39F58 und PR38Y34 pro ha durchschnittlich  837,75 € höhere Erlöse erzielt. Bedingt durch 28 dt/TM ha höhere Erträge und niedrigere Trocknungskosten dank der 7,7 TS % höheren Abreife. Die sehr frühe Sorte PR39V43 konnte die Vorteile wegen des geringeren Ertragspotenzial kaum nutzen.
 
Fazit
 
Bei Silagekosten über 25 €/t sowie stark angestiegenen Pachtpreisen ist der Anbau von Mais unter Folie sowohl in der Silomais- als auch in der Körnermaisnutzung durchaus eine Überlegung wert.   Da die Maispflanzen beim SAMCO-System durch die Folie wachsen müssen, sollten die Sorten daraufhin getestet worden sein. Bei von Pioneer empfohlenen Sorten ist dies der Fall.
Schlagwörter