Donnerstag, 24.05.2012
Kartoffelernte 2011 nur teilweise marktfähig
Berlin - Von der diesjährigen, im Vergleich zu 2010 sehr gut ausgefallenen deutschen Kartoffelernte ist doch nur in etwa die gleiche Menge wie im Vorjahr vermarktungsfähig.
Immer mehr Kartoffelerzeuger geben - nicht zuletzt wegen der niedrigen Erzeugerpreise - auf.
© landpix.de
Ursache ist der hohe Anteil an Übergrößen und Absortierungen. Darauf hat der Deutsche Baurnverband (DBV) vergangene Woche hingewiesen. Nach aktuellen Schätzungen wurden bundesweit in diesem Jahr auf 259. 400 Hektar insgesamt rund 11,9 Millionen Tonnen Kartoffeln gerodet, was eine Steigerung um etwa 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresaufkommen bedeutete. Der Durchschnittsertrag belief sich 2011 auf fast 460 Dezitonnen je Hektar. Dennoch stehe nur eine vermarktbare Nettomenge wie 2010 zur Verfügung, erklärte der Bauernverband. Zudem erhielten die Erzeuger derzeit extrem niedrige Preise.
Die Mitglieder des DBV-Fachausschusses Kartoffeln unter Leitung von Martin Umbau gehen aufgrund der aktuell sehr schlechten Marktlage davon aus, dass sich einige Kartoffelerzeuger im nächsten Jahr ökonomisch lukrativeren Feldfrüchten zuwenden werden. Mit Blick auf das Jahr 2012 werde bei den Kartoffelflächen keine Ausweitung erwartet. „Wir planen verhalten“, sagte Umhau. Zuletzt erlösten die heimischen Speisekartoffelerzeuger für ihre Ware nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zwischen 8 Euro und 11 Euro pro Dezitonne.
Kartoffelstärkesektor vor enormem Strukturwandel
Der
DBV wies darauf hin, dass schon der Start der diesjährigen
Frühkartoffelsaison die heimischen Kartoffelanbauer vor große
Herausforderungen gestellt habe. Kartoffeln aus der verspäteten Ernte in
Südeuropa hätten mit der Ware aus der etwas früheren Ernte in
Deutschland konkurriert. Infolgedessen hätten die heimischen Verbraucher
sehr lange auf Frühkartoffeln aus deutschem Anbau warten müssen. Das
Vermarktungsfenster, in dem bessere Preise hätten realisiert werden
können, sei für die hiesigen Kartoffelerzeuger sehr eng gewesen.
Die Mitglieder des DBV-Fachausschusses betonten vor dem
Hintergrund der diesjährigen Vermarktungsentwicklung, dass der
Lebensmitteleinzelhandel aufgefordert sei, seinem Bekenntnis zur
regionalen Erzeugung auch Taten folgen zu lassen. Die deutschen
Frühkartoffeln müssten viel stärker ins Angebot der Supermärkte
aufgenommen werden, verlangte Umhau. Sorge bereitet dem Fachausschuss
der Ausblick für den Stärkekartoffelanbau. Dieser nehme immer weiter ab.
Angesichts des Auslaufens der Marktordnung für Kartoffelstärke 2012
stehe diesem Sektor ein enormer Strukturwandel bevor, hieß es. Von 2008
bis 2011 ist die betreffende Anbaufläche laut DBV-Angaben um 11 Prozent
auf 69.900 Hektar gesunken. Die Ausschussmitglieder betonten aber, dass
die Kartoffelstärke nach wie vor ein wichtiger Rohstoff für die
Industrie sei.
AgE
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