Donnerstag, 24.05.2012
Neue Permafrost-Studie stellt Klimaschutzziele infrage
Washington - Einer neuen US-Studie zufolge steigt der Treibhausgas-Ausstoß stärker an als bisher erwartet. Bis 2200 sollen ein bis zwei Drittel der weltweiten Dauerfrostböden auftauen.
Bis zum Jahr 2020 will Deutschland die Emissionen von Treibhausgasen um 40 Prozent reduzieren.
© walter dannehl/aboutpixel.de
Die globale Erwärmung wird einer neuen Studie
zufolge ein bis zwei Drittel der weltweiten Dauerfrostböden bis 2200
auftauen. Dadurch müsse die Atmosphäre voraussichtlich etwa 190
Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Form klimaschädlicher Treibhausgase
zusätzlich verkraften, warnen Forscher des US-Schnee- und
Eisdatenzentrums NSIDC an der Universität von Colorado in der am
Mittwoch veröffentlichten Studie. Die gegenwärtig
angestrebten Klimaschutzziele seien daher vermutlich viel zu niedrig.
In den sogenannten Permafrostböden, die zum Beispiel in Kanada und
Russland vorkommen, lagern seit der letzten Eiszeit große Mengen an
gefrorenen Pflanzenresten. Tauen sie, fangen sie an zu verrotten und
setzen Treibhausgase frei - besonders das stark klimaschädliche
Methan (CH4), aber auch Kohlendioxid (CO2). "Die Menge an freigesetztem Kohlenstoff entspricht der Hälfte des
Kohlenstoffs, der seit dem Beginn des industriellen Zeitalters
freigesetzt worden ist", erläuterte NSIDC-Forscher Kevin Schaefer.
Das sei rund ein Fünftel der Menge, die sich heute in der Atmosphäre
befinde. Diese zusätzlichen Emissionen müssten bei der Definition von
Klimaschutzzielen eingerechnet werden. "Es ist sowieso schon
schwierig genug, unsere Emissionen zu senken, aber nun werden wir sie
noch mehr senken müssen", sagte Schaefer.
Modell pflanzlichen Zerfalls erstellt
Für ihre Studie erstellten die Forscher ein Modell des Zerfalls
pflanzlichen Materials unter den Klimabedingungen, die gängigen
Annahmen zufolge im Jahr 2200 herrschen werden. Dabei gingen sie von
einer Erwärmung der weltweiten Durchschnittstemperatur um zwei bis
drei Grad Celsius aus.
Unterdessen hat die Wirtschaftskrise in den USA den
Treibhausgasausstoß im Jahr 2009 auf den niedrigsten Wert seit 1995
gesenkt, wie die US-Umweltbehörde EPA berichtete. Die Emissionen
sanken demnach um sechs Prozent im Vergleich zu 2008, lagen damit aber
noch um 7,4 Prozent über der Menge von 1990. 1990 wird in der Regel
als Basisjahr bei der Aufstellung von Klimaschutzzielen genommen.
Klimaschutz kostet jährlich 270 Milliarden Euro
Die Europäische Union muss jährlich 270 Milliarden Euro in die
Erreichung ihrer Klimaziele investieren. Das gehe aus einem Entwurf für
ein Strategiepapier hervor, das Klimaschutzkommissarin Connie Hedegaard
Anfang März vorstellen wolle, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Diese Summe müsse jährlich in den kommenden 40 Jahren erbracht werden,
um den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid wie geplant bis 2050 um 80
bis 85 Prozent zu senken. Die benötigten Investitionen beispielsweise in
die CO2-Speicherung, Elektrofahrzeuge, Passivhäuser und moderne
Industrieanlagen belaufen sich nach Angaben der Nachrichtenagentur
Reuters auf knapp 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung in der EU.
aiz/dpa
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