Bremen - Das Kulturspektrum der Energiepflanzen wird sich künftig - bedingt durch den Klimawandel - ändern müssen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universität Hannover.
C4-Pflanzen wie Mais und Sorghum profitieren vom Temperaturanstieg. Allerdings wird mehr Bewässerung nötig.
© Mühlhausen/landpixel
Der Klimawandel beeinflusst den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Hannover, die auf der Jahrestagung des Fachverbandes Biogas (FvB) vorgestellt wurde. Demnach könnten bis zum Jahr 2100 vor allem Sommergetreidearten, Zwischenfrüchte und Untersaaten insbesondere auf leichten Böden an Bedeutung verlieren, da weniger Sommerniederschläge und stärkere Hitzeperioden erwartet werden.
Um die Erträge zu sichern, müsse zunehmend bewässert werden, betonte
Autorin Dr. Christine von Butlar. Auf gut wasserspeichernden Böden
könne der Klimawandel hingegen ertragssteigernd wirken. Aufgrund eines
früheren Vegetationsbeginns und einer insgesamt längeren Vegetationszeit
verändere sich der
Pflanzenbau weiterhin. Steigende CO2-Gehalte in der
Atmosphäre könnten sich zudem positiv auf das Pflanzenwachstum
auswirken. Insbesondere C4-Pflanzen wie Mais und Sorghum profitierten
vom Temperaturanstieg und der Vegetationsdauer. Bei den C3-Getreidearten
würden höchstwahrscheinlich die Sommerungen durch Winterungen wie
Weizen, Roggen und Triticale, aber auch durch Mais ersetzt.
Kultur- und Sortenwahl anpassen
Die tief wurzelnde Zuckerrübe wird nach Einschätzung von Butlars
ertragsstark im Anbau bleiben. Dauerkulturen mit geringeren Ansprüchen
an den Wasserhaushalt wie Kurzumtriebsplantagen für die
Energieholzbereitstellung oder Durchwachsene Silphie für die
Biogaserzeugung würden wichtiger. Das Anbauspektrum könnte sich um
wärmeliebende Kulturen wie Sorghum bicolor, Sudangräser, Soja,
Hartweizen oder Topinambur erweitern. Anpassungsmöglichkeiten im Anbau
sieht von Butlar bei der Kulturarten- und Sortenwahl, der
Fruchtfolgegestaltung, der Art der Bodenbearbeitung sowie der
Bewässerung. Regionale Unterschiede im Biomasseanbau und in der
Biogasgewinnung sollten sich durch die prognostizierte Klimaänderung
verstärken. Außerdem verändere sich die Humusreproduktion, nehme die
Erosion zu und stiegen die Nitratausträge. Klassische
Optimierungsmaßnahmen wie Zwischenfruchtanbau und Untersaaten seien bei
Wassermangel nicht mehr überall möglich, daher müssten neue
Lösungsansätze entwickelt werden.
Technischer Fortschritt wirkt ausgleichend
Durch den zu erwartenden Fortschritt
in der Technik von Biogasanlagen könnten ertrags- und anbaubedingte
Verschlechterungen der Treibhausgasmündungsbilanz kompensiert werden.
Während den meisten langfristigen Entwicklungen durch langfristige
Züchtung und weitere Investitionen entgegengewirkt werden kann, sieht
von Butlar jedoch kaum Handlungsspielraum, um steigenden
Wetterextremereignissen zu begegnen.