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[ » ah nachrichten für die Landwirschaft » Bio » Kommunikation-Biolebensmittel ]
Donnerstag, 24.05.2012
Bio | 29.04.2011 Redaktion agrarheute.com

Biomarkt: Luft nach oben durch Kommunikation nutzen

Gießen - Der unterdurchschnittliche Bioanteil am deutschen Lebensmittelmarkt weist auf Wachstumspotentiale hin. Das war das Ergebnis der Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau.
Mit dem neuen Internetportal wird eine neue Transparenz in der Lebensmittelkontrolle erreicht. © Landpixel
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Mit dem neuen Internetportal wird eine neue Transparenz in der Lebensmittelkontrolle erreicht.
© Landpixel
Deutschland ist zwar mit 5,85 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2009 der größte Markt für Biolebensmittel in Europa; der Bioanteil am deutschen Lebensmittelmarkt ist allerdings, obwohl in den letzten 20 Jahren gut verdoppelt, mit 3,5 Prozent immer noch deutlich niedriger als in einigen Nachbarländern wie Österreich, der Schweiz oder Dänemark - was klar auf Wachstumspotentiale hinweist.
 
Dabei werden in einer verbesserten Kommunikation und der noch stärkeren Ausrichtung an den Wünschen aktueller und potentieller Biokäufer wirksame Faktoren gesehen, wie die Vermarktung für Bioprodukte weiter verbessert werden kann. So lautete der Tenor bei der Wissenschaftstagung zum ökologischen Landbau in Gießen.

Ökoverbände müssen besser zusammenarbeiten

Obwohl der Biobereich in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit und in den Lebensmittelmärkten immer mehr Beachtung gefunden hat, wurde im Verlauf der Tagung eine Verbesserung der Kommunikation im ökologischen Landbau als erforderlich bezeichnet. In diesem Sinne äußerte sich Dr. Rainer Oppermann vom Institut für ökologischen Landbau des Johann-Heinrich-von-Thünen-Instituts. Wie er in seinem Vortrag und in den anschließenden Diskussionen betonte, diagnostiziert er als Folge der aktuellen Trendthemen wie Ressourcen- und Klimaschutz, Energiefragen, Globalisierung und Welternährung eine Umbruchssituation auch hinsichtlich der Kommunikationsinhalte. Der ökologische Landbau müsse sein Kommunikationskonzept erweitern und neu bestimmen, so Oppermann.
  Einen Schwachpunkt sieht er auch in der unzureichenden Zusammenarbeit der Ökoverbände in der Kommunikation.

Regional und artgerecht zieht am stärksten

Wertvolle Hinweise liefern auch die Ergebnisse internationaler Verbraucherstudien, über die die Witzenhausener Wissenschaftlerin Dr. Karin Zander berichtete. Sie ist gemeinsam mit Prof. Dr. Ulrich Hamm von der Universität Kassel-Witzenhausen sowie mit Instituten in Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Italien und Deutschland an Befragungen in diesen Ländern beteiligt, welche zusätzlichen ethischen Eigenschaften Verbraucher an Bioprodukten interessieren.
 
Danach stehen in Deutschland, der Schweiz und in Österreich die Aspekte artgerechte Tierhaltung und regionale Erzeugung bei den Konsumenten eindeutig obenan. Fragen wie ein fairer Preis für die Landwirte und der Preis für die Produkte allgemein werden im Vergleich dazu weniger stark gewichtet. Für sie sind daher die Argumente regionale Erzeugung und artgerechte Tierhaltung am wirksamsten für die Verbraucherinformation und müssen in der Kommunikation noch stärker herausgestellt werden.

Preise ausschlaggebend

Mit den Biokäufern und ihrem Kaufverhalten bei verschiedenen Warengruppen beschäftigen sich Prof. Dr. Roland Herrmann vom Institut für Marktlehre der Agrar- und Ernährungswirtschaft an der Universität Gießen und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Rebecca Schröck. Ausgewertet wurden von ihnen die über fünf Jahre erhobenen GfK-Daten über die wöchentlichen Einkäufe von 20.000 Verbrauchern vor allem bei frischen Lebensmitteln. Ihre Untersuchungen ergeben, dass die Preise für die Produkte sowie das Gewohnheitsverhalten der Verbraucher ausschlaggebend bei den Kaufentscheidungen sind. Je niedriger der Preisaufschlag für Bioprodukte beziehungsweise je höher der Preisunterschied zu den Lebensmitteln allgemein, desto wahrscheinlicher zählt ein Konsument zu den Biokäufern oder nicht. Die Ergebnisse unterstreichen auch, dass die Wahrscheinlichkeit, Bioprodukte zu kaufen, mit höherem Einkommen und Bildungsniveau sowie in Großstädten steigt. Auch Haushalte mit jüngeren Kindern zählen häufiger zu Käufern von Bioprodukten.
 
Zudem zeigt sich, dass in der Kinderernährung vor allem bei Milcherzeugnissen Bioprodukte eine bedeutende Rolle einnehmen. Ihre Wirkung geht allerdings mit höherer Kinderzahl deutlich zurück. Auffallend ist auch, dass die Altersstruktur der Verbraucher bei verschiedenen Produkten durchaus eine Rolle spielt. Während bei älteren Haushalten beispielsweise die Präferenz für Bioeier stärker ausgeprägt ist, zählen jüngere Verbraucher insgesamt zu denen, die eher von Argumenten für Bioprodukte angesprochen werden.

'Lokale Produkte' am wirksamsten

Kommunikation und Verbrauchervertrauen bei Biolebensmitteln sind auch für Prof. Dr. Hermann Boland vom Institut für landwirtschaftliches Beratungs- und Kommunikationswesen an der Universität Gießen und sein Mitarbeiterteam ein Thema. Sie arbeiten hierbei mit dem internationalen Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz sowie mit Wissenschaftlern an der Universität Kassel zusammen. Eines der Projekte untersucht die Frage, ob sich Rückverfolgbarkeitssysteme sowie Verbands- und Gütezeichen auf das Verbrauchervertrauen auswirken. Hierzu wurden Verbraucher in Filialen der Lebensmittelmärkte tegut und EDEKA in Hessen sowie von Feneberg im bayerischen Schwaben befragt. Danach werden Rückverfolgbarkeitssysteme bei den Kaufentscheidungen kaum berücksichtigt. Am wirksamsten ist das Argument "lokale Produkte" für den Kauf von Biolebensmitteln. "Die Konsumenten vertrauen eher der Region, die sie kennen und selbst kontrollieren können", so Astrid Kriege-Steffen bei der Präsentation der bisherigen Untersuchungsergebnisse.
AgE
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