Donnerstag, 24.05.2012
Konkurrenz um den Hektar
München/Berlin - Straßen- und Siedlungsbau, Platzbedarf für Nawaro - Konkurrenz für landwirtschaftliche Produktionsflächen. Das beschäftigt DBV und Bayerns Landwirtschaftsminister Brunner.
Raps musste gestern an der Matif eine starke Kurskorrektur hinnehmen.
© Moonlight/aboutpixel
16 Hektar landwirtschaftliche Produktionsfläche fallen in Bayern täglich dem Bau von Straßen und Siedlungen zum Opfer. Deutschlandweit sind es täglich rund 95 Hektar. Alleine durch den Verlust von rund
800.000 Hektar durch Siedlungs- und Verkehrsmaßnahmen (1992-2009)
fehlt nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes in Deutschland alle zehn Jahre eine komplette Getreideernte. Gleichzeitig wächst stetig der Flächenbedarf für die Erzeugung von Nahrungsmitteln sowie Biomasse für erneuerbare Energien.
"Wir brauchen ein intelligentes Flächenmanagement, das sinnvolle
Siedlungs- und Erschließungsmaßnahmen, Lebensmittelversorgung,
Energieproduktion und Naturschutz unter einen Hut bringt", sagt der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Um zu praktikablen, ausgewogenen Lösungen zu kommen, will er alle Betroffenen ins Boot holen: Politik, Kommunen,
Grundbesitzer, Naturschützer, Wirtschaft und Wissenschaft.
Sie sollen am 7. Juni beim Fachkongress mit dem Thema "Entziehen wir unserer Lebensgrundlage den Boden" Lösungsansätze für einen schonenderen Umgang mit der wertvollen Ressource Boden diskutieren. Nach Ansicht Brunners besteht dringender Handlungsbedarf nicht allein bei den Infrastrukturmaßnahmen selbst, sondern auch bei den dafür zu leistenden Ausgleichsflächen und Ersatzmaßnahmen.
DBV fordert Schutzprogramm für landwirtschaftliche Nutzflächen
Das Präsidium des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hat ein "Schutzprogramm für landwirtschaftliche Nutzflächen" gefordert. In einer Erklärung fordert das Präsidium, Acker und Grünland zu schützen.
Fortschritte bei der Reduzierung des Flächenverbrauchs durch Bautätigkeiten seien kaum erkennbar, kritisier der Verband.
Es bestehe die Gefahr, dass die Landwirtschaft die anstehenden Herausforderungen der Versorgungssicherheit bei Nahrung und Energie dauerhaft nicht meistern könne. Eine wachsende Weltbevölkerung und die Abkehr vom Verbrauch fossiler Rohstoffe haben einen rasant wachsenden Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten auf begrenzter landwirtschaftlicher Nutzfläche zur Folge. Gleichzeitig schränkten steigende Umweltanforderungen die Bewirtschaftung auf den verbleibenden landwirtschaftlichen Flächen zunehmend ein. Die Ausweisung von Schutzgebieten im Natur- und Gewässerschutz nehme tendenziell weiter zu.
Verband legt 5-Punkte-Plan vor
Im Einzelnen fordert der Deutsche Bauernverband:
- Einführung einer wirksamen Schutzklausel für
landwirtschaftliche Nutzflächen in einem novellierten
Landwirtschaftsgesetz.
- Reduzierung des Flächenverbrauchs durch die konsequente
Umsetzung des Prinzips "Innenentwicklung vor Außenentwicklung" bei
Siedlungsmaßnahmen sowie "Ausbau vor Neubau" bei Verkehrswegen. Die
Instrumente der Städtebau- und
Eigenheimförderung
müssen auf die Nutzung innerörtlicher Potenziale fokussiert werden.
- Priorisierung des Schutzes landwirtschaftlicher Flächen im
Rahmen der Bauleitplanung und der Naturschutzkompensation.
Agrarstrukturelle Belange und Flächenschonung müssen anderen Belangen im
Rang vorgehen.
Der Ausgleich für Eingriffe durch Bautätigkeiten muss vorrangig durch
Entsiegelung, alternativ durch flächenneutrale Maßnahmen (Pflege und
Aufwertung vorhandener Biotope, produktionsintegrierte
Kompensationsmaßnahmen) erfolgen. Auch die von der
Regierungskoalition bei der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung
zugesagte Gleichstellung des Ersatzgeldes mit Kompensationsmaßnahmen
muss jetzt in diesem Sinne tatsächlich umgesetzt werden.
- Für die, dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz unterliegenden
Leitungstrassen muss die bestehende Ausgleichsregelung außer Kraft
gesetzt werden.
- Die Förderung von großvolumigen Biogasanlagen im Erneuerbare
Energiengesetz muss drastisch reduziert werden, um den Zugriff der
Bauern auf die Flächen nicht zu gefährden. Bei der Anwendung des
Grundstücksverkehrsgesetzes muss dieses Ziel
ebenso
sichergestellt werden.
Der Fachkongress zum Thema "Entziehen wir unserer Lebensgrundlage den
Boden" findet am 7. Juni in der Münchner Residenz statt. Detailinformationen zum Ablauf und zur Anmeldung gibt es im Internet
unter www.landwirtschaft.bayern.de. Die Teilnehmerzahl ist auf 200
begrenzt. Anmeldeschluss ist der 27. Mai. pd
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